Wie lang bleibt der US-Aktienmarkt noch in Rekordlaune?

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Der US-Aktienmarkt schickt sich an, neue Allzeithochs zu erreichen. Die spannende Frage bleibt, wie lange diese Tendenz noch anhalten kann. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Der viel beachtete S&P 500 ging am vergangenen Freitag bei einem Stand von über 2.900 Zählern ins Wochenende. Fakt ist, dass die Bullen den Markt über die wichtige Widerstandszone von 2.800 nach oben hieven konnten. Das ist schon beachtlich. Letztlich ist das alte Rekordhoch im Bereich um 2.941 nicht mehr allzu weit entfernt.

Es ist also gut möglich, dass selbiges schon in naher Zukunft erreicht und überschritten werden könnte. Sicherlich haben die Bullen schon die Schlagzeilen über das neue Rekordhoch geschrieben und stellen gleich weitere zehn Prozent Potential nach oben in Aussicht. Nichts kann anscheinend die schöne, heile Börsenwelt eintrüben.

Fundamentale Überbewertung

Tatsache ist ferner, dass der Anstieg in den ersten Monaten des Jahres 2019 relativ umsatzschwach über die Bühne ging. Fundamental gesund ist das Ganze jedenfalls nicht, wenn wir uns darüber hinaus einige klassische Bewertungskennziffern etwas näher ansehen. An der Stelle haben wir ja schon des Öfteren auf das exorbitant hohe Shiller-KGV hingewiesen. Wir liegen hier aktuell bei einem Wert von über 31. Nur einmal in der Geschichte, nämlich kurz vor dem Platzen der Blase 1999/2000, war der US-Aktienmarkt mit Blick auf diese für langfristig-konservative Investoren exorbitant wichtige Kennziffer teurer. Das sollte zumindest zu denken geben.

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Ferner fällt auf, dass das Kurs-Buchwert-Verhältnis ebenfalls nicht wirklich prickelnd preiswert ist. Aktuell beträgt selbiges ja knapp 3,5. Normal wäre hier ein Wert von um die 2,7. Wir würden uns wohler fühlen, wenn wir am breiten US-Markt im Bereich unter 2 einsteigen könnten. Und auch auf die eher lausige Dividendenrendite von gerade mal 1,85 Prozent haben wir an der Stelle des Öfteren hingewiesen. Die ist wahrlich nicht wirklich attraktiv. Da rentieren selbst US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit höher.

Ja, liebe Leser, das aktuelle fundamentale Bewertungsniveau und die vorhandenen enormen strukturellen Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in dieser Zeit des Umbruchs sprechen ganz klar gegen ein Investment am breiten US-Aktienmarkt. Wir würden uns bei einem Shiller-KGV von 10, einer Dividendenrendite von um die fünf Prozent und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als 2 wesentlich wohler fühlen.

Davon sind wir aber leider noch meilenweit entfernt. Folglich ist es nach wie vor ratsam, das wilde Treiben der Bullen von der Seitenlinie aus zu beobachten. Über ein Engagement am US-Aktienmarkt kann man durchaus nachdenken, wenn die Bewertung stimmt. Das ist aber aktuell nicht gegeben. Im Gegenteil, momentan sollte eher über Short-Engagements nachgedacht werden.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.