Wie lange firmiert die Deutsche Bank noch als Deutsche Bank?

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Konzernchef Cryan verordnet der Deutschen Bank eine personelle Radikalkur. Ob’s wirklich hilft? (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

Hatten Sie ernsthaft angenommen, mit dem neuen Konzernchef John Cryan wäre Anfang August endlich Ruhe bei der Deutschen Bank eingekehrt?

Am Sonntag wurde erneut ein personeller Paukenschlag bekannt gemacht: Der achtköpfige Vorstand und der erweiterte Vorstand werden radikal umgebaut, um, Originalton Deutsche Bank, „die Komplexität im Management zu verringern“.

Gleich 5 von 8 Spitzenmanagern werden durch andere Personen ersetzt. So müssen die Chefs der Bereiche Investmentbanking sowie Zahlungsverkehr, Digitales und Vermögensverwaltung ihre Posten räumen. Personalvorstand Leithner verlässt die Bank auf eigenen Wunsch.

Radikalumbau: Konsequenz aus den Horrorzahlen?

Möglicherweise ist die Personalmaßnahme auch eine Konsequenz aus dem vor 11 Tagen für das 3. Quartal angekündigten Horrorergebnis:

Aufgrund gigantischer Abschreibungen wird wohl ein Rekordverlust von sage und schreibe -6,2 Mrd. Euro eingefahren. Für die ersten 9 Monate soll sich das Minus nach Steuern auf unfassbare -4,8 Mrd. Euro belaufen. Die endgültigen Zahlen werden am 29. Oktober bekannt gemacht.

Der weite Weg aus der Image-Krise

Das vermutlich Beste, was Sie aus dem Kahlschlag von John Cryan ziehen können: Der Vorstandschef der Deutschen Bank nimmt den angekündigten Konzernumbau offensichtlich ernst.

Was dieses Kreditinstitut – meiner Ansicht nach – dringend benötigt, sind Führungspersonen, die den Begriff „Compliance“ nicht nur achten (was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte), sondern „leben“:

Der immense Imageschaden, den die Deutsche Bank sich selbst zugefügt hat, geht nicht zuletzt auf die fortgesetzte Missachtung von firmeninternen Grundsätzen, Regeln und Verhaltenskodizes zurück.

Um nur 2 aktuelle Zahlen zu nennen: Die Rückstellungen für laufende Rechtsstreitigkeiten wurden im 3. Quartal um weitere 1,2 (!) Mrd. Euro aufgestockt. So wurde die Bank unlängst in einem Rechtsstreit mit Investoren über Preisabsprachen bei Kreditausfallversicherungen zur Zahlung von 120 Mio. USD verdonnert.

Wie lange firmiert die Deutsche Bank noch als Deutsche Bank?

Mich würde es inzwischen nicht mehr verwundern, wenn sich die Deutsche Bank in nicht allzu ferner Zukunft einen neuen Namen gäbe: Die Targobank hat das vor 5 ½ Jahren vorexerziert:

Heute erinnern sich nur noch wenige daran, dass die Targobank bis zum Februar 2010 als Tochter der amerikanischen Citigroup unter dem Namen Citibank firmierte:

Die Bank hatte an ihre Kunden massenhaft Zertifikate der Investmentbank Lehman Brothers verkauft. Die als „Festgeldersatz“ angepriesenen Zertifikate wurden über Nacht wertlos, als Lehman Brothers im September 2008 zusammenbrach.

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Mit der Umbenennung in Targobank löste man sich geschickt von dem daraus resultierenden, extrem negativen Image.

Vielleicht erinnern Sie sich sogar noch, dass die Citibank bis 1991 unter den Namen KKB (Kundenkreditbank) firmierte?

Der weite Weg aus der Kurskrise

Auch wenn die Börse den Radikalumbau des Vorstands heute mit einem Kursplus von mehr als +3% belohnt: Um die Deutsche Bank Aktie „nur“ in eine kurstechnische Wachstumsregion zu führen, ist bereits ein weiter Weg notwendig.

Das macht der nachfolgende Vergleichs-Chart mit dem DAX 30 deutlich:

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Deutsche Bank-Aktie: Erst ab 40 Euro beginnt die kurstechnische Wachstumsregion

Erst ab 40 Euro nämlich würde der Kurs der Deutschen Bank Aktie die Obergrenze einer seit 4 Jahren bestehenden Handelsspanne (pinkfarbene Linien) überwinden.

Die gestrichelten Linien machen noch etwas anderes sichtbar: Die Performance der zurückliegenden 10 Jahre ist im Vergleich zum DAX 30 schlichtweg „unterirdisch“. Während sich der Deutsche Leitindex im Wert glatt verdoppelt hat, büßte ein Investment in die Deutsche Bank Aktie mehr als -60% ein.

Fazit

Der angekündigte Umbau des Vorstands mag das auslösende Moment sein – allein mir fehlt der Glaube nach all den Lippenbekenntnissen der vergangenen Jahre.

Ich bleibe daher bei der Einschätzung, die ich Ihnen bereits Anfang August an dieser Stelle mit auf den Weg gab:

„Jeder Einstieg vor Überwindung der 40-Euro-Marke ist kein strategisches Investment, sondern schlichtweg ein Vabanque-Spiel. Und davon hatten die Deutsche Bank-Aktionäre in den vergangenen 10 Jahren reichlich!“


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.