Wie sich die Automobilbranche verändert

Welche Trends sind in naher Zukunft die wichtigsten in der Automobilbranche? Das erfahren Sie hier im „Schlussgong“. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Nach einem starken Start in das Börsenjahr 2018 musste der deutsche Leitindex DAX heute einen Rücksetzer hinnehmen. Der Kampf mit dem Allzeithoch ist eine Art Tauziehen. Es wird noch mehrere (vergebliche) Anläufe geben, bevor die Marke geknackt wird. Blicken wir daher heute auf eine Branche, die stark im DAX vertreten ist und die weitere Entwicklung beeinflussen wird.

Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft KPMG hat vor wenigen Tagen eine Studie zur Automobilbranche vorgestellt. Das Unternehmen sieht in der Automobilbranche dringenden Bedarf für mehr und engere Kooperationen. Darüber hinaus hält KPMG Fusionen (Zusammenschlüsse) bei Massenherstellern (bei Autobauern, die auf die Massenproduktion spezialisiert sind) für sinnvoll.

Dieter Becker, Autoexperte bei KPMG, sagte im Rahmen der Vorstellung der Studie, für die sowohl Konsumenten als auch Manager aus der Branche befragt wurden, dass die Branche aufpassen müsse, dass man „den Kampf mit den großen Technologieunternehmen um die Vorherrschaft im Ökosystem Auto“ nicht verliere.

IT-Konzerne deutlich wertvoller als Autobauer

Becker sieht eine gestiegene Gefahr, dass die Autohersteller zu reinen „Stahlbiegern“ werden. Diese Gefahr leitet er von der Entwicklung der Marktkapitalisierung (also des Börsenwertes) und der Liquiditätslage bei Autoherstellern, Zulieferern und IT-Konzernen ab.

Im Dezember 2017 hatten die Top-50-Autohersteller zusammen gerade einmal 20% der Marktkapitalisierung der Top-15-Technologieunternehmen“, so Becker. Mit anderen Worten: Im Dezember 2017 waren die 50 größten Autobauer der Welt nur ein Fünftel dessen wert, was die 15 größten Technologieunternehmen wert waren.

Eine beeindruckende Entwicklung – zumal der Wert im Jahr 2010 noch bei 40% lag. Die 50 größten Autobauer kamen 2010 also noch auf 40% des Wertes der 15 größten Technologieunternehmen. Für KPMG-Experte Becker ist klar: Diese Entwicklung zeigt, dass die Technologiekonzerne inzwischen finanziell in einer anderen Liga spielen.

Daher rät Becker den Autoherstellern zu mehr Kooperationen auf technologischer Ebene. Darüber hinaus sollen sich die Autobauer auf das konzentrieren, was sie können, statt sich auf der Suche nach neuen digitalen Geschäftsmodellen in Konkurrenz zu Google und Co. zu begeben.

Die wichtigsten Trends in der Automobilbranche

Spannend ist auch die Frage nach den wichtigsten Trends in der Automobilbranche. Mehr als 80% der im Rahmen der Studie befragten Entscheider waren davon überzeugt, dass die Verwertung von Fahrzeug- und Fahrerdaten künftig den Hauptbestandteil des Geschäftsmodells der Autobranche ausmachen wird.

Bei der Frage nach den Megatrends für die Industrie bis zum Jahr 2025 löste die Brennstoffzelle die Batterie als Nummer 1 ab. Die Batterie liegt nun nur noch auf Platz 3. Auf Rang 2 liegt das Thema Vernetzung und Digitalisierung.

Dass die Brennstoffzelle die Batterie auf Platz 1 verdrängt hat, führen die Experten von KPMG unter anderem darauf zurück, dass sich die Hersteller zunehmend daran stören, selbst für die Ladeinfrastruktur sorgen zu müssen, damit sie Elektroautos verkaufen können. Bei der Brennstoffzelle wäre es hingegen so, dass die bestehende Infrastruktur genutzt werden könnte. Ein klarer Pluspunkt für die Brennstoffzelle.

Ob sich die Brennstoffzelle oder doch der Batterieantrieb letztlich durchsetzen, kann heute niemand verlässlich sagen. KPMG rechnet bis 2040 mit einem Marktanteil von jeweils einem Viertel für Verbrennungsmotoren, Hybrid-Fahrzeuge (eine Mischung aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb), reinen Stromern und Brennstoffzellenautos.

So oder so wird sich in der Automobil- und Zulieferbranche in den kommenden Jahren einiges verändern. Ich sehe die deutschen Autobauer und das Gros der deutschen Zulieferer jedoch auf einem guten Weg und halte einige Aktien aus der Branche daher nach wie vor für empfehlenswert. Welche das sind, erfahren Sie in meinen Börsendiensten.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.