Bundesschatzbriefe: Auch als hoch rentierliche Daueranlagen nutzbar

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Warum die Renditen von Bundesschatzbriefen durchaus attraktiv sind In einer Fernsehsendung trat kürzlich der Vertreter der DWS, eines Tochterunternehmens der […] (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Warum die Renditen von Bundesschatzbriefen durchaus attraktiv sind

In einer Fernsehsendung trat kürzlich der Vertreter der DWS, eines Tochterunternehmens der Deutschen Bank, auf, um für den Kauf von Geldmarktfonds zu werben. Sein Hinweis: Vor dem Hintergrund der derzeit ungewissen Lage an den internationalen Börsen sei es ratsam, sein Geld vorübergehend zu „parken“, um damit später, sobald sich die Schatten über den Börsen gelichtet hätten, wieder in Aktien und Aktienfonds einsteigen zu können. Überhaupt seien Geldmarktfonds das einzig richtige Anlageinstrument für den liquiden Teil des Vermögens, auf das Sie in Notfällen jederzeit zurückgreifen könnten.

So richtig dieser Hinweis auch ist – wenn Sie zu den langjährigen Lesern meines Werks gehören, kennen Sie meine Vorbehalte gegenüber Geldmarktfonds. In den letzten 5 Jahren brachte es der beste auf Euro basierende Geldmarktfonds, der H&A-Univ.-Geldmarkt (WKN 976734), gerade mal auf eine jährliche Rendite von 3,9%. Im Durchschnitt erzielten die Fonds nur eine von 3,5%. Und auch in den vergangenen 3 Jahren lag dieser Wert gerade mal bei 3,5% jährlich.

Hätten Sie dagegen Ihr Geld einfach auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto geparkt, wären es auch nicht sehr viel weniger geworden. Wenn es Ihnen darum geht, sich mit diesem Geld einen liquiden Notgroschen zu verschaffen, ohne an der Rendite allzu große Abstriche machen zu müssen, wären Sie mit Bundesschatzbriefen sogar viel besser gefahren. Denn mit denen konnten Sie in den vergangenen Jahren Renditen erzielen, die bei einer Anlagedauer von 7 Jahren um wenigstens 0,75 bis 1,0 %-Punkte über denen von Geldmarktfonds lagen. Und je länger Sie die Papiere behielten, desto höher fiel die Rendite für Sie aus. Bundesschatzbriefe haben allerdings auch einige Besonderheiten – und gewisse Nachteile gegenüber Geldmarktfonds –, die Sie bei Ihrer Entscheidung genau beachten sollten.

Auf diese Besonderheiten bei Bundesschatzbriefen sollten Sie achten

Bundesschatzbriefe gehören zwar – genau wie Bundesanleihen oder Finanzierungsschätze des Bundes – zu den so genannten Bundeswertpapieren. Insofern können Sie die, was die Bonität des Schuldners angeht, als besonders sichere Anlageform ansehen, die in dieser Hinsicht auch von keinem Geldmarktfonds übertroffen werden kann. Denn das Risiko, dass ein Staat wie Deutschland Pleite geht und seine Schulden nicht bedienen kann, ist beinahe gleich Null.

Dennoch unterscheiden sich Bundesschatzbriefe in vielen Punkten insbesondere von Bundesanleihen. Der für Sie als Anleger vielleicht wichtigste dabei ist, dass sie keinerlei Kursschwankungen ausgesetzt sind, Sie also jederzeit sicher sein können, den von Ihnen eingesetzten Betrag auch vor Fälligkeit der Papiere zurückzuerhalten.

Während Sie sich beim Kauf einer Bundesanleihe dem Risiko aussetzen, dass deren Kurswert im Zuge steigender Zinsen zurückgeht, entspricht der Wert Ihres Bundesschatzbriefs zu jedem Zeitpunkt genau dem Nominalwert von 100% Ihres eingesetzten Kapitals zuzüglich der bis zum möglichen Verkaufstermin angefallenen Zinsen.

Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu den anderen Bundespapieren ist der geringe Mindestanlagebetrag. Er beläuft sich auf ganze 50 €, so dass Sie sowohl hinsichtlich des Kaufs als auch der späteren Einlösung von Teilbeträgen vor Fälligkeit besonders flexibel agieren können. Bundesanleihen und Finanzierungsschätze können Sie dagegen erst ab einem Betrag von 1.000 € erwerben.

Während Sie Bundesanleihen jederzeit über die Börse zurückgeben können, Finanzierungsschätze des Bundes aber nicht vor Ende der 1- bis 2-jährigen Laufzeit, können Sie Bundesschatzbriefe nach dem 1. Laufzeitjahr bis zu 5.000 € innerhalb von 30 Tagen pro Kontoinhaber wieder einlösen. Diese eingeschränkte Verfügbarkeit haben die

Bundesschätze mit den mindestens 1-jährigen Festgeldern und Sparbriefen der Banken gemeinsam. Dafür tragen Sie als Anleger aber eben keinerlei Kursrisiko.

Eine weitere Besonderheit bei Bundesschatzbriefen ist es, dass Sie die nicht nur gebührenfrei erwerben und bei Fälligkeit zurückgeben, sondern bei der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg (www.bwpv.de, Tel. 06172/1080) auch kostenlos verwahren lassen können.

In der Vergangenheit gab es hierbei häufig Ärger, weil viele Kunden ihrer Bank erst nach dem Kauf den Auftrag gaben, die Papiere bei der Bundeswertpapierverwaltung aufheben zu lassen. Bis Juni 2005 mussten Sie Ihren Kaufauftrag nämlich über Ihr Kreditinstitut erteilen. Das ist heute nicht mehr erforderlich. Sie können die Bundesschatzbriefe, die Sie in Bad Homburg aufheben lassen wollen, direkt dort kaufen und verkaufen. Falls Sie Ihre Bundesschatzbriefe dorthin übertragen lassen wollen, können Sie dies ebenfalls gebührenfrei tun.

Mittlerweile hat sich auch die Bundeswertpapierverwaltung dem modernen Banking angepasst und bietet die Online- Kontoführung an. Sie können über das Internet Aufträge erteilen, Ihren Kontostand und weitere Informationen abrufen.

Was Bundesschatzbriefe aber von allen anderen Bundeswertpapieren unterscheidet, sind die unterschiedliche Laufzeit und die Auswahlmöglichkeit zwischen den beiden Typen A und B:

  • Während Ihnen beim Typ A die Zinsen jährlich ausgezahlt werden, werden sie beim Typ B angesammelt und bei Rückgabe oder Fälligkeit mit dem Anfangskapital zusammen ausgezahlt.

  • Der Typ A hat eine Laufzeit von 6 Jahren, beim Typ B sind es 7 Jahre.

  • Beiden Typen gemeinsam ist demgegenüber die Staffelung der Zinssätze, die von Jahr zu Jahr steigen.

Mit welchen Renditen Sie bei unterschiedlicher Haltedauer rechnen können

Es ist einleuchtend, dass sich die Staffelung der Zinssätze auf die Höhe Ihrer Rendite auswirken muss. Je länger Sie Ihre Bundesschatzbriefe halten, desto höher wird diese Rendite auch ausfallen. Wenn Sie Ihre Bundesschatzbriefe also beispielsweise bereits nach 2 Jahren zurückgeben, ist die Rendite wesentlich geringer als nach Ablauf von 6 Jahren. Wie Sie der folgenden Übersicht mit den aktuellen Renditeangaben für die ab dem 31.5.2002 gültige aktuelle Ausgabe entnehmen, beträgt diese Differenz beim Typ B immerhin 1,04 %-Punkte:

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Jahr Zins in % Rendite Typ A Typ B 1. Jahr 1,00 1 Jahr 1,00 1,00 2. Jahr 1,75 2 Jahre 1,37 1,37 3. Jahr 2,00 3 Jahre 1,58 1,58 4. Jahr 2,75 4 Jahre 1,86 1,87 5. Jahr 3,50 5 Jahre 2,17 2,20 6. Jahr 4,50 6 Jahre 2,53 2,58 7. Jahr 4,75 7 Jahre 2,88

Beispiel für die Zins- und Renditestaffelung eines Bundesschatzbriefes

Solche Übersichten mit den aktuellen Zins- und Renditetafeln der Bundesschatzbriefe finden Sie im Wirtschafts- und Finanzteil jeder größeren überregionalen Tageszeitung. Sie ersehen daraus, dass Sie hinsichtlich der Renditen sowohl Geldmarktfonds als auch die meisten von den Banken angebotenen Termingeldanlagen bereits im 1. Jahr mit Bundesschatzbriefen schlagen können. Auch die Bundeswertpapierverwaltung nennt Ihnen die aktuellen Konditionen.

Wie Sie sich zwischen Typ A und Typ B am besten entscheiden

Ob Sie lieber den Typ A oder den Typ B der Bundesschatzbriefe erwerben sollten, hängt von Ihren Bedürfnissen, aber auch von Ihrer steuerlichen Situation ab.

Wenn Sie an einer jährlichen Auszahlung der Zinsen interessiert sind, weil Sie sich auf diese Weise beispielsweise ein regelmäßiges Zusatzeinkommen verschaffen wollen, ist der Typ A für Sie empfehlenswert. Da Sie aber die Auszahlung eines bestimmten Betrags nach Ablauf der 1-Jahres-Frist auch durch den Verkauf von Teilen Ihrer Bundesschatzbriefe vom Typ B bewerkstelligen könnten, käme auch dieser Typ in einer solchen Situation für Sie in Frage.

Ein viel wichtigeres Entscheidungskriterium ergibt sich aber aus den unterschiedlichen steuerlichen Folgen beider Schatzbriefvarianten. Wenn Sie beispielsweise Ihre Sparerfreibeträge von 1.42½.842 € pro Kalenderjahr für Ledige/Verheiratete noch nicht ausgeschöpft haben, und beispielsweise 30.000 € in Bundesschatzbriefen anlegen wollen, wird in der Regel der Erwerb des Typs A für Sie die günstigere Anlageform sein. Denn dann würden Sie selbst mit den im 6. Jahr ausgezahlten Zinsen von 4,30% (= 1.290 €) noch innerhalb des Sparerfreibetrags liegen, so dass Sie keine Steuern darauf entrichten müssten.

Würden Sie dagegen den Typ B kaufen, erhalten Sie am Ende der Laufzeit oder bei der vorzeitigen Rückgabe die bis dahin insgesamt aufgelaufenen Zinsen auf einen Schlag gutgeschrieben. Jeden Euro, den Sie über den Sparerfreibetrag hinaus dann an Zinsen erhielten, müssten Sie versteuern.

Umgekehrt kann es aus steuerlichen Gründen für Sie aber auch sinnvoll sein, statt auf Typ A gerade auf Typ B zu setzen. Das ist dann für Sie vorteilhafter, wenn Sie in dem Jahr der Ausschüttung der angesammelten Zinsen niedriger besteuert werden als zuvor und auch bereits Ihre Sparerfreibeträge weitgehend oder vollständig ausgeschöpft haben. Falls Sie also beispielsweise jetzt kurz vor dem Rentenalter stehen und in 6 oder 7 Jahren dann ein weit geringeres zu versteuerndes oder sogar ein völlig steuerfrei bleibendes Monatseinkommen hätten, wird der Bundesschatzbrief Typ B für Sie in den meisten Fällen die bessere Anlagealternative sein.

Wann Sie „alte“ Bundesschatzbriefe lieber in „neue“ eintauschen sollten

Wenn es an den Finanzmärkten zu steigenden Zinsen kommt, bleiben davon auch neu emittierte Ausgaben der Bundesschatzbriefe nicht verschont. Es kann sich für Sie dann in einem solchen Fall rechnen, Ihre „alten“ Bundesschatzbriefe in „neue“ einzutauschen.

Wie groß der Renditegewinn dabei ist, hängt allerdings von dem Ausmaß der Zinsverschiebungen ab. Sie sollten Ihre Berechnung also schon mit sehr spitzem Bleistift machen. Dieses Werk wird Sie im Übrigen – wie in der Vergangenheit schon – auf solche Gelegenheiten aufmerksam machen.

Warum sich Sparpläne auf Bundesschatzbriefe besser als Banksparpläne rechnen

Untersuchungen haben gezeigt, dass Sie bei einem regelmäßigen Ansparen von beispielsweise 50 € im Monat langfristig Durchschnittsrenditen erzielen, die nur knapp unter denen von Bundesanleihen liegen. Daran wird deutlich, dass Sie mit solchen Sparplänen in den meisten Fällen besser fahren als mit entsprechenden Sparverträgen bei einem Kreditinstitut.

Selbst mit Sparplänen auf Rentenfonds werden Sie an diese Renditen kaum herankommen, da in die Fonds viele Kosten eingehen, die Sie als Anleger indirekt mit tragen müssen und die die Renditechancen solcher Fonds zwangsläufig schmälern.

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Checkliste: So bauen Sie „Bundesschätzchen“ optimal in Ihr Anlagekonzept ein

  • Machen Sie sich klar, dass sich Bundesschatzbriefe nicht nur als vorübergehende Kapitalanlage, sondern auch als Basisanlage Ihres Vermögens eignen, wenn Sie mit maximalen Rückzahlungen von 5.000 € monatlich auskommen.

  • Wenn Sie einen Teil Ihrer Sicherheitsreserven für die Wechselfälle des Lebens in Bundesschatzbriefen anlegen, verfügen Sie über eine nach Ablauf der 1-Jahres-Frist jederzeit liquidierbare, hoch rentierliche Sicherheitsreserve, an die Sie bis zum maximalen monatlichen Höchstbetrag herankommen können.

  • Falls Sie im Notfall auf mehr als 5.000 € zurückgreifen wollen, verteilen Sie den Anlagebetrag einfach auf mehrere Familienmitglieder, wovon jedes für sich den maximalen monatlichen Auszahlungsbetrag nutzen kann.

  • Um Gebühren zu sparen, sollten Sie Ihre Bundesschatzbriefe auf jeden Fall bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg kaufen und aufbewahren lassen.

  • Falls Sie an regelmäßigen jährlichen Auszahlungen interessiert sind, sollten Sie eher auf den Typ A zurückgreifen.

  • Beim Typ B sollten Sie bedenken, dass es aufgrund der Ansammlung der Zinsen bis zur Fälligkeit oder vorzeitigen Rückgabe zu einmaligen Zinszuflüssen kommen kann, die über Ihre Sparerfreibeträge weit hinausgehen. Sie sollten diesen Typ also nur dann bevorzugen, wenn Sie zu diesem Zeitpunkt nur gering besteuert werden oder Ihre Sparerfreibeträge von 1.42½.842 € für Ledige/Verheirate ohnehin schon voll ausgeschöpft haben.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.