BVI: Aktuelle Fondsstatistiken richtig lesen und für Entscheidungen nutzen

In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Geldvermögen der Deutschen mehr als verdoppelt. Mit 7,1 Billionen DM, also etwa 3,5 Billionen Euro, erreichte es Ende 2000 trotz der Flaute an den Aktienmärkten einen Rekordwert. Rein statistisch betrachtet verfügt damit jeder Haushalt über Ersparnisse von 188.000 DM/94.000 Euro.

Investmentfonds waren auch im vergangenen Jahr der Anlagefavorit mit der stärksten Wachstumsrate. Das Aktienvermögen der Haushalte fiel dagegen geringer aus. Das folgende Schaubild zeigt Ihnen, wie die Deutschen Ende 2000 ihr Geld angelegt hatten. Sie ersehen daraus, dass das Sparen in Investmentfonds mit einem Anteil von 816 Mrd. DM inzwischen die Anlage in festverzinslichen Wertpapieren mit einem Anteil von 717 Mrd. DM deutlich übertrifft. Deutsche Anleger investierten Ende 2000 genau so viel in Investmentfonds wie in Aktien.

Dennoch ist das Börsengeschehen in diesem Jahr mit den seit März 2000 stark rückläufigen Kurse an den Aktienmärkten und den Turbulenzen infolge der Terroranschläge in den USA nicht ohne Auswirkungen auf das Verhalten der Anleger geblieben. Das können Sie auch den jüngsten Statistiken entnehmen, die regelmäßig vom Bundesverband Deutscher Investment und Vermögensverwaltungsgesellschaften/BVI (60318 Frankfurt am Main, Postfach 100437, Tel. 069/1540900, www.bvi.de) veröffentlicht werden. Die Zahlen zum Fondsvermögen und Mittelaufkommen geben Ihnen eine gute Möglichkeit, den aktuellen Trend bei den Investmentfonds zu erkennen und für eigene Entscheidungen zu nutzen.

Viele Anleger sind inzwischen offensichtlich wieder vorsichtiger geworden. So hat das Anlagevermögen der Geldmarktfonds seit Herbst 2000 um mehr als 30% zugenommen. Demgegenüber büßte das Vermögen der Aktienfonds im selben Zeitraum beinahe 40% ein.

Dezember 2001/Januar 2002 Nr. 11 Der GeldanlageBerater

So legen die Deutschen ihr Geld an (Stichtag 31.12.2000/in Mrd. DM)

Sonstige Anlagen 6 667 Festverzinsliche Wertpapiere 5 717 Aktien 4 816 Investmentfonds 3 816 Versicherungsanlagen

2 1.696 Spar, Sicht, Termineinlagen und Bargeld 1 2.415 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000

Mehr als 800 Mrd. DM haben deutsche Anleger inzwischen in Investmentfonds investiert. Und die Anzahl der Fondssparer wird von Jahr zu Jahr immer größer. Selbst ein erheblicher Teil der Vermögensverwalter greift immer stärker auf Fondsprodukte zurück.

Doch machen Sie nicht den Fehler, daraus den Schluss zu ziehen, dass sich die Deutschen nun wieder aus Aktien und Aktienfonds zurückzögen. Ein erheblicher Teil des Rückgangs beim Fondsvermögens ist nämlich auf Kursverluste und nicht etwa auf eine Rückgabe von Fondsanteilen zurückzuführen. Man muss also genauer hinschauen, um die Zahlen richtig zu deuten.

Ich zeige Ihnen daher in diesem Beitrag,

  • wie Sie die aktuellen, Ihnen als Anleger vom BVI kostenlos zur Verfügung gestellten statistischen Daten richtig deuten,

  • welchen aktuellen Anlagetrend Sie daran erkennen können und

  • welche Bedeutung die Höhe und die Veränderung des Fondsvolumens für Ihre eigenen Anlageentscheidungen haben können.

Der Geldanlage Berater Nr. 11 Dezember 2001/Januar 2002

Was Sie den Zahlen zum aktuellen Stand des Fondsvermögens entnehmen können

Wenn Sie die Übersicht auf der folgenden Seite genauer betrachten, entnehmen Sie daraus zuallererst, wie die Anleger in den in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassenen Investmentfonds (= BVIFonds) ihr Geld an den jeweiligen Stichtagen auf die verschiedenen Fondskategorien verteilt hatten und wie sich diese Aufteilung seit Herbst 1999 verändert hat.

Während per 30.9.2001 rund 145 Mrd. Euro in Aktienfonds investiert waren, waren 109 Mrd. Euro in Renten und knapp 21 Mrd. Euro in gemischten Fonds angelegt. Fast 45 Mrd. Euro lagen in Geldmarktfonds. Hinzu kamen 2,3 Mrd. Euro in den AltersvorsorgeSondervermögenFonds (ASFonds) sowie knapp 53 Mrd. Euro in offenen Immobilienfonds.

Wenn Sie das Anlagevolumen für die Spezialfonds, die die Gesellschaften für geschlossene Gruppen von Anlegern aus dem institutionellen Bereich eingerichtet haben, unberücksichtigt lassen, ergibt sich daraus folgender prozentualer Aufbau für die einzelnen Anlagestichtage:

Wie das Vermögen der verschiedenen Fondskategorien auf das gesamte Mittelaufkommen der BVIPublikumsfonds in % aufgeteilt war

Fondskategorien Anteil in %

30.9.2001 30.9 2000 30.9.1999 Aktienfonds Rentenfonds Gemischte Fonds Sonstige Wertpapierfonds Geldmarktfonds ASFonds Offene Immobilienfonds 38,6 28,9 5,5 0,5 11,9 0,6 14,0 52,5 23,9 4,5 0,8 7,2 0,6 10,6 35,6 33,9 3,7 1,0 10,8 0,3 14,8 Gesamt 100,0 100,0 100,0

Wie Sie sehen, waren am 30. 9. 2001 knapp 40% der Anlagemittel in Aktienfonds, knapp 30% in Rentenfonds, 12% in Geldmarktfonds und 14% in offene Immobilienfonds inve

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Fondsvermögen und Veränderungen aller BVIPublikums und Spezialfonds

(in Mio. Euro, gerundet)

Fondskategorie/Veränderungen 30.9.2001 30.6.2001 30.9.2000 30.9.1999 Aktien Deutschland Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Aktien International (Grobgruppierung) Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Aktien International (Spezialitätenfonds) Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Summe Aktienfonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Renten Deutschland Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Renten international Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Summe Rentenfonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Gemischte Fonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Sonstige Wertpapierfonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Geldmarktfonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … ASFonds Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Summe Veränderungen per 30.9.2001 gegen … Offene Immobilienfonds (I) Veränderungen per 30.9.2001 gegen …

24.537 33.262 39.718 30.901 26,2%

38,2%

20,6%

29.205 37.041 40.578 17.006 21,2%

28,0%

71,7%

91.762 124.381 157.054 72.616 26,2%

41,6%

26,4%

145.500 194.684 237.349 120.522 25,26%

38,7%

20,7%

43.355 41.386 45.000 61.811 4,8%

3,7%

65.680 66.153 62.994 0,7%

4,3%

29,9% 53.000 23,9%

109.035 107.539 107.994 114.812 1,4%

1,0%

5,0%

20.903 22.653 20.126 12.379 7,7%

3,9%

68,9%

1.813 1.620 3.475 3.248 11,9%

47,8%

44,2%

44.702 38.814 32.454 36.577 15,2%

37,7%

22,2%

2.304 2.745 2.721 984 16,1%

15,3%

134,3%

324.261 368.055 404.119 288.522 11,9%

19,8%

12,4%

52.658 49.972 47.805 50.291 5,4%

10,2%

4,7%

Summe Publikumsfonds Summe Spezialfonds Insgesamt 376.919 418.027 469.458 505.219 846.378 923.246 451.924 509.374 961.298 338.813 411.476 750.289 darin Dachfonds Deutschland Veränderungen per 30.9.2001 gegen …

22.333 26.406 19.719 1.048 15,4%

13,3%

n.m.

Die Übersicht zeigt Ihnen die Höhe des Anlagevolumens (Mittelaufkommen) in den einzelnen Fondskategorien am jeweiligen Stichtag und die sich gegenüber dem 30.9.2001 ergebende Entwicklung. Während ein Teil der Veränderungen auf Kursrückschläge zurückzuführen ist, resultiert ein anderer aus wirklichen Zu oder Abflüssen von Anlagegeldern.

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stiert. Der Rest entfiel auf gemischte Fonds und sonstige Wertpapierfonds. 1 Jahr zuvor waren noch 52% in Aktienfonds, 24% in Rentenfonds, 7% in Geldmarktfonds und knapp 10% in offenen Immobilienfonds angelegt.

Auf den 1. Blick könnten Sie vielleicht meinen, dass der Rückgang der Aktienquote um 14 %Punkte und der gleichzeitige Anstieg der Quote bei den Rentenfonds, Geldmarktfonds und offenen Immobilienfonds aus einer aktiven Umschichtung der Anleger von risikoreicheren in risikoärmere Anlagen resultieren.

Wenn Sie aber die Entwicklung wichtiger Aktienindizes wie des DAX oder des NEMAX, die von September 2000 bis September 2001 um 30 beziehungsweise 75% nachgaben, mit ins Kalkül ziehen, sehen Sie daraus, dass der Rückgang der Aktienquote im Wesentlichen auf solche Kursrückschläge zurückzuführen ist.

DAX und NEMAX von Oktober 1998 bis Oktober 2001: Starke Kursverluste lassen das Volumen entsprechender Fonds automatisch schrumpfen

NEMAX

DAX

Der Chartvergleich zwischen dem Deutschen Aktienindex (DAX) und dem NeuenMarktIndex (NEMAX) zeigt Ihnen, wie stark sich die Kurse an den jeweiligen Teilbörsen in den letzten 3 Jahren zurückgebildet haben. Das wirkt sich auch automatisch auf das Anlagevolumen der Fonds aus, die in diesem Bereich investiert sind.

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Gleichwohl zeigt der in der Übersicht auf Seite 005 ausgewiesene Anstieg des Anlagevermögens bei den Geldmarktfonds von 32 auf knapp 45 Mrd. Euro, dass das Sicherheitsbedürfnis unter den Anlegern in den letzten 12 Monaten größer geworden ist. Denn diese Fonds unterliegen so gut wie keinen Wertschwankungen, so dass der Zuwachs um 13 Mrd. Euro wirklich aus Mittelzuflüssen resultiert. Demgegenüber ist das Anlagevolumen der Rentenfonds in den letzten 12 Monaten nahezu unverändert geblieben.

Wenn Sie die Entwicklungen der verschiedenen Kategorien der Aktienfonds miteinander vergleichen, sehen Sie eine deutliche Verschiebung weg von den auf Deutschland gerichteten und hin zu den international ausgerichteten Aktienfonds. Während das Volumen der Deutschlandfonds vom 30.9.1999 bis 30.9.2001 um 20,6% abgenommen hat, legte das der Aktienfonds mit internationaler Ausrichtung um knapp 72 beziehungsweise um 26% zu. Das hat zwar auch mit den geringeren Verlusten an den internationalen Aktienmärkten im Vergleich zur deutschen Börse zu tun, ist aber auch ein Ausdruck der Tatsache, dass die neuen Anlagegelder sehr viel mehr in internationale Aktienfonds geflossen sind.

Eine ähnliche Verschiebung der Anlageschwerpunkte können Sie auch den Daten für die Rentenfonds entnehmen.

Zwar hat sich die Summe der Anlagegelder in Rentenfonds seit dem 30.9.1999 nur unwesentlich verändert. Während das Anlagevolumen der Fonds mit dem Schwerpunkt auf deutschen Rententiteln bis zum 30.9.2001 aber um 30% nachgab, stieg das Volumen bei den international anlegenden Rentenfonds um 24%. Einen Teil dieser Höhergewichtung müssen Sie allerdings hierbei wiederum den Wertsteigerungen infolge der Euroschwäche zurechnen, die das Ergebnis der Anlagen in ausländischen Rentenpapieren vor allem aus dem USDollarRaum besonders positiv beeinflusst hat.

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Fazit: Aus alldem sehen Sie, dass Sie aus einem Vergleich der Fondsvolumina zu unterschiedlichen Zeitpunkten allein noch nicht auf entsprechende Veränderungen in der Gunst der Anleger schließen können. Hüten Sie sich also vor Finanzpublikationen, die Ihnen unter Hinweis auf solche Veränderungen das zu suggerieren versuchen und Sie damit womöglich zu falschen Anlageentscheidungen veranlassen.

Welche aktuellen Anlagefonds Sie aus den Mittelaufkommen ableiten können können

Ob und in welcher Weise sich das Anlagepublikum tatsächlich umorientiert hat, können Sie vor allem aus dem Mittelaufkommen – also aus den Zu und Abflüssen von Anlagegeldern – in den jeweiligen Fondskategorien und für die einzelnen Fonds schließen.

Ein hohes Mittelaufkommen in einer bestimmten Fondskategorie oder in einem einzelnen Fonds können Sie also als Indiz für besonders große Gewinnerwartungen des Publikums ansehen. Große Mittelabflüsse sprechen umgekehrt dafür, dass die Anleger vom jeweiligen Investment nicht mehr so überzeugt sind wie früher.

Betrachten Sie dazu die Zahlen aus der Übersicht auf der folgenden Seite. Während das Mittelaufkommen bei den Aktienfonds von Januar bis September 1999 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum von gut 14 Mrd. auf knapp 22 Mrd. Euro – also um 50% – gestiegen war, erhöhte sich dieser Betrag im Jahre 2000 weiter auf knapp 54 Mrd. Euro; das ist eine Steigerung um 145% gegenüber der des Vorjahres. Doch während die auf Deutschland ausgerichteten Aktienfonds in diesen 3 Jahren sogar Mittelabflüsse zu verzeichnen hatten, vervielfachte sich das Mittelaufkommen bei den international ausgerichteten Aktienfonds in den Anlagezeiträumen 1998, 1999 und 2000. Offensichtlich haben die Anleger den deutschen Aktien in den vergangenen 3 Jahren kein so großes Gewinnpotenzial zugetraut wie internationalen Aktien.

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Mittelaufkommen der BVIPublikumsfonds in Mio. Euro

Januar bis September Fondskategorie Aktien Deutschland Aktien international (Grobgruppierung) Aktien international (Spezialitätenfonds)

2001 2000 1999 1998 605 4.587 1.565 857 13.012 41.521 290 3.331 18.710 741 1.758 13.566 Summe Aktienfonds 3.627 53.676 21.751 14.583 Renten Deutschland Renten international 147 368 9.029 2.497 2.723 3.409 3.275 303 Summe Rentenfonds 221 6.532 686 2.972 Gemischte Fonds Sonstige Wertpapierfonds Geldmarktfonds 1.736 662 11.775 4.646 60 1.689 2.389 558 7.592 1.244 4.129 Summe 17.580 50.040 31.603 16.984 ASFonds (AS)

96 1.038 543 Summe 17.676 51.078 32.146 16.984 Offene Immobilienfonds 4.481 2.512 7.707 1.679 Summe Publikumsfonds Darin Dachfonds 22.156 5.947 48.566 13.379 39.854 910 18.664

Das Mittelaufkommen zeigt Ihnen, ob einer Fondskategorie in der jeweils betrachteten Periode Anlagegelder zugeflossen sind oder ob solche aus dem Fonds abgezogen wurden. Aus diesen Daten können Sie Rückschlüsse darauf ziehen, welche Fondskategorie die Anleger im jeweiligen Zeitraum favorisiert und welche gemieden haben.

Wie Sie den Zahlen für Januar bis September 2001 entnehmen, hat sich diese Ausrichtung allerdings im laufenden Jahr wieder verkehrt. Mit einem Mittelaufkommen von 605 Mio. Euro verzeichneten Aktienfonds mit dem Schwerpunkt auf deutschen Aktien erstmals wieder Mittelzuflüsse. Demgegenüber sind die Zuflüsse bei beiden international ausgerichteten Fondskategorien von insgesamt knapp 55 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 3 Mrd. Euro in 2001 drastisch zurückgegangen.

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Der Rückgang des Mittelaufkommens bei den Aktienfonds von 53,6 in den ersten 3 Quartalen 2000 auf 3,6 Mrd. Euro von Januar bis September 2001 und damit um 97% macht Ihnen insgesamt deutlich, dass Aktienanlagen bei den Anlegern in Deutschland derzeit tatsächlich völlig out sind.

Auch die Rentenfonds hatten von Januar bis September 2001 immer noch Mittelabflüsse zu verzeichnen. Allerdings sind sie – abnehmend von 6,5 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 221 Mio. Euro für dieses Jahr – deutlich weniger geworden.

Am meisten hat das Mittelaufkommen der Geldmarktfonds zugelegt. Gegenüber einem Rückgang um 1,6 Mrd. im vergangenen Jahr kam es von Januar bis September dieses Jahres zu einem wahren Ansturm auf Geldmarktfonds, wie dies auch schon aus den auf Seite 004 erläuterten Zahlen zum Fondsvolumen hervorging. Mit einem Zufluss von 12 Mrd. Euro gehörten sie in diesem Jahr zu den Rennern unter den Fonds.

Beachtlich waren auch die Mittelzuflüsse der offenen Immobilienfonds mit 4,5 Mrd. Euro im bisherigen Jahresverlauf.

Wenn Sie die beiden zuletzt genannten Fondskategorien wegen ihrer geringen Anfälligkeit für Kursschwankungen zusammennehmen, haben die Anleger in den ersten 3 Quartalen dieses Jahres 16 von 22 Mrd. Euro in sicherheitsorientiert ausgerichtete Investmentfonds gesteckt – das sind fast ¾ aller Neuanlagen. Auch wenn es unter dem Strich, gemessen am Gesamtaufkommen in der jeweiligen Fondskategorie, in keinem der letzten Jahre zu Mittelabflüssen bei den Aktienfonds kam, sind die Zuflüsse in dieser risikoträchtigeren Anlageform auf einen Bruchteil der vorangegangenen Anlageperioden geschrumpft.

Fazit: Seien Sie sich als Anleger vor diesem Hintergrund also darüber im Klaren, dass Sie sich völlig antizyklisch verhalten, wenn Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Aktienfonds einsteigen. Ihre Chancen auf schnelle hohe

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Gewinne in diesem Bereich sind dabei außerordentlich groß, sobald sich die negative Einschätzung der breiten Masse in Bezug auf Aktien wieder dreht. Umgekehrt sollten Sie aber auch Ruhe und Gelassenheit bewahren, wenn die sich mittelfristig abzeichnende Erholung noch eine Weile auf sich warten lässt.

Wann Mittelabflüsse einzelner Fonds sich als Anlegerfalle für Sie erweisen können

In den folgenden Fällen sollten Sie sehr genau die vom BVI veröffentlichte Statistik zum Mittelaufkommen eines Fonds im Auge behalten:

  • Wenn ein einzelner Fonds drastische Mittelabflüsse verzeichnet, gerät der Manager in die Gefahr, im Fonds gehaltene Aktien auch zu Schleuderpreisen veräußern zu müssen. Die Chancen auf eine deutliche Erholung der Anteilspreise sind dann entsprechend gering, so dass ich Ihnen raten würde, Ihre Anteile bei jeder sich ergebenden kurzen Erholung Schritt für Schritt zu veräußern. Beispiel: So musste der von Bernd Förtsch gemanagte DACKontrastUniversal (WKN 849069) von Januar bis September 2001 einen Mittelabfluss von 26 Mio. Euro verkraften, das sind etwa 1/3 seines Jahresanfangsvolumens. Er verlor im selben Zeitraum 77% seines Werts, während der MSCIWorldSmallCapIndex lediglich um 13% nachgab.

  • Wenn das Fondsvolumen unter die kritische Marke von 10 bis 20 Mio. Euro sinkt, besteht die Gefahr, dass der Fonds über kurz oder lang aufgelöst wird. Fonds mit geringerem Anlagevolumen rechnen sich auf die Dauer weder für den Manager noch für die Kapitalanlagegesellschaft oder Depotbank. Deshalb sollten Sie Fonds meiden, die ein solches Volumen auch nach 1 bis 2 Jahren nach der Emission immer noch nicht erreicht haben. Beispiel: So rutschte das Fondsvermögen des K+W Universal OS (WKN 848378) in den letzten 12 Monaten auf derzeit 3,0 Mio. Euro ab und ist damit direkt von der Schließung bedroht.

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Checkliste: Wie Sie die BVIFondsstatistiken sinnvoll nutzen

  • Die regelmäßig veröffentlichten Daten des BVI zum Fondsvermögen und Mittelaufkommen geben Ihnen die Möglichkeit, sich über die aktuellen Anlagetrends ein verlässliches Bild zu machen.

  • Aus der Höhe des Vermögens in den einzelnen Fondskategorien können Sie entnehmen, wo die aktuellen Schwerpunkte bei den Anlegern sind und wie sich diese möglicherweise verschoben haben. Achten Sie bei festgestellten starken Veränderungen des Vermögens aber darauf, dass diese sich auch aus schwankenden Kursen ergeben können.

  • Ein genaueres Bild über den aktuellen Trend erhalten Sie aus der Entwicklung des Mittelaufkommens. Werden Anlagegelder aus einer Fondskategorie oder einem einzelnen Fonds abgezogen (Mittelabfluss), ist dies ein Zeichen dafür, dass die Gewinnerwartungen der Anleger in diesen Fonds nicht mehr sehr groß sind oder man sogar von höheren Risiken ausgeht. Wird dagegen mehr Geld in dem Fonds angelegt (Mittelzufluss), deutet dies darauf hin, dass die Anleger mit steigenden Kursen/Gewinnen rechnen.

  • Achten Sie bei den detaillierten BVIStatistiken zum Vermögen und Mittelaufkommen einzelner Fonds darauf, dass der von Ihnen gehaltene oder zum Kauf vorgesehene Fonds das kritische Volumen von 10 Mio. Euro nicht unterschreitet. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Kapitalanlagegesellschaft, was sie rechtlich jederzeit kann, den Fonds einstellt und die Positionen möglicherweise in einer gerade sehr ungünstigen Börsenphase zu Schleuderpreisen veräußert.

  • Machen Sie sich umgekehrt aber auch klar, dass ein zu großes Fondsvolumen von vielen Mrd. Euro die Flexibilität des Fondsmanagers deutlich verringert, so dass Sie bei vorhandenen Alternativen mit einem Fonds von mittlerem Anlagevolumen möglicherweise besser fahren.

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Ein „Geldanlage Berater“Beitrag von Chefredakteur Dr. Werner Kurzawa. Der gelernte Bankkaufmann ist ein gefragter Experte der deutschen und internationalen Wertpapiermärkte und Redner auf zahlreichen Investmentkongressen und -Seminaren.

16. November 2001

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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