Die besten Aktien suchen und finden: So geht’s

„Wie kommen Sie an der Börse zu einem kleinen Vermögen? – Indem Sie mit einem großen beginnen.“ Dass dieser Börsenkalauer […] (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

„Wie kommen Sie an der Börse zu einem kleinen Vermögen? – Indem Sie mit einem großen beginnen.“ Dass dieser Börsenkalauer des Altmeisters Andre Kostolany unter kurzfristigen Gesichtspunkten immer wieder seine Richtigkeit bestätigt, haben die Krisenjahren an vielen internationalen Börsenplätzen gezeigt.

Wer mit einem großen Vermögen am Anfang eines Jahres in die „falschen“ Aktien eingestiegen ist, musste am Jahresende mitunter enorme Verluste verbuchen.

Wer dagegen den Markttrend richtig eingeschätzt hat und die entsprechenden Gewinneraktien in seinem Depot hatte, konnte sich sogar über eine Verdoppelung seines eingesetzten Kapitals freuen.

Wie Sie die besten Aktien für Ihr Depot suchen und finden, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

Üben Sie Geduld und denken Sie langfristig

Gehen wir zunächst davon aus, dass Sie als Anleger ohne große Börsenerfahrung erst einmal auf Nummer Sicher gehen wollen. Das gilt ganz besonders für junge Anleger, die ihre ersten Ersparnisse gleich spekulativ anlegen wollen.

Dies ist kein Widerspruch, wenn die folgenden Regeln befolgt werden. Eine Börsenweisheit sagt, ein erfolgreicher Aktionär brauche drei Eigenschaften: Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

Aktien sollten als langfristige Kapitalanlage angesehen werden. Bei dieser Betrachtungsweise haben sie in der Vergangenheit alle anderen Anlageformen um Längen geschlagen.

Wer dagegen kurzfristige Spekulationen mit Aktien durchführt, darf sich nicht wundern, wenn gelegentlich das falsche „Timing“, also der schlecht gewählte Zeitpunkt zum Ein- oder Ausstieg, zu Kursverlusten führt.

Das Drei-Stufen-Modell

Die ersten Anlageentscheidungen nehmen Sie in drei Stufen vor, bevor Sie sich zum Kauf einer bestimmten Aktie entschließen.

1. Stufe:

Sie betrachten und analysieren die allgemeine wirtschaftliche Situation sowie die volkswirtschaftlichen Einflussfaktoren eines bestimmten Landes und fragen sich dann: Soll ich zum jetzigen Zeitpunkt in Aktien investieren, oder versprechen beispielsweise Anleihen einen besseren Ertrag?

2. Stufe:

Welche Branche verspricht zukünftig hohe Gewinnsteigerungen? Beispiel: Banken und Versicherungen, Pharma- und Chemiebranche, Maschinenbau.

3. Stufe:

Welche Werte innerhalb dieser Branche haben Nachholbedarf, haben die besten Chancen auf eine erfolgreiche Unternehmenspolitik oder befinden sich im sogenannten „Turnaround“?

Ein Turnaround ist ein Kursaufschwung, eine Erholungsphase nach einem länger dauernden Kursverfall. Erfolgreiche Turnaround-Kandidaten waren in den letzten Jahren: Continental, United Internet, Altria (Philip Morris), Puma.

Nutzen Sie Sondersituationen

Neben diesen grundlegenden Überlegungen werden Sie Sondersituationen betrachten, die einer Aktie zu schnellen Kurssprüngen verhelfen können. Dazu zählen:

  • höhere Gewinnschätzungen und damit die Aussicht auf Dividendenerhöhungen,

  • bessere Marktchancen durch neuentwickelte Produkte oder Großaufträge aus dem Ausland, die für längere Zeit Beschäftigung und Produktion sichern,

  • Spekulationen über Beteiligungen, Fusionen und mögliche Übernahmen, die mit der Entstehung des europäischen Binnenmarktes an Bedeutung gewinnen werden,

  • Investitionschancen in den Wachstumsregionen (Osteuropa, Asien), die sich langfristig auszahlen werden.

Wie die Wirtschaftspolitik auf Aktienkurse Einfluss nimmt

Das Geschehen an der Börse wird im Wesentlichen bestimmt von zwei Einflussfaktoren: einem weitgehend bekannten, der sich in Zahlen ausdrücken lässt, das ist die Liquidität, also das zur Anlage bereitstehende Kapital, und einer unberechenbaren Größe, die oft weit größeren Einfluß hat: die Börsenpsychologie oder das Anlegerverhalten.

Beschränken wir uns hier auf die Faktoren, die sich volkswirtschaftlich erkennen und nachprüfen lassen. Sie haben einen direkten Bezug auf den Einsatz der Liquidität.

Dazu zählt zunächst die Regierungspolitik, verstanden als Faktor politischer Stabilität. Sie stärkt das Vertrauen des Auslands in die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik und sorgt damit für den Zufluss ausländischen Kapitals auf den deutschen Markt.

Erscheint diese Stabilität gefährdet, beispielsweise durch Wahlergebnisse, die auf politische Veränderungen hindeuten, zieht das Ausland sein Kapital zurück, und die deutschen Aktienkurse gehen wegen der starken Abhängigkeit der deutschen Börsen von ausländischen Investoren jedenfalls kurzfristig in den Keller.

Neben der Regierungspolitik bestimmt in stärkerem Maße die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) das Auf und Ab an der Börse. Ein geflügeltes Wort an der Börse lautet: „Spekuliere nie gegen die Notenbank.“

So beeinflusst das Zinsniveau die Aktienkurse

Die Zentralbankpolitik, ausgedrückt in der Steuerung der Geldmenge und vor allem im Zinsniveau, ist der entscheidende Faktor, der über Wohl und Wehe der Börsen entscheidet.

Die Auswirkungen steigender Zinsen zeigen sich in folgenden Bereichen: Zinsanstiege hemmen die Investitionslust von Unternehmen und privaten Konsumenten.

Dadurch wird das Wachstum der Wirtschaft gebremst, und die Gewinnaussichten der Unternehmen verschlechtern sich. Die privaten Verbraucher halten notwendige Anschaffungen zurück und sparen stattdessen.

Nach Meinung von Wirtschaftsfachleuten ist im Euro- Raum mit einem Zinsanstieg derzeit nicht zu rechnen. Jedenfalls kurzfristig bleiben die Zinsen auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau. Dies lässt darauf schließen, dass der Aktienmarkt in Deutschland langfristig betrachtet weiterhin gute Kurschancen aufweist.

Aufgrund der schleppenden Konjunktur und der weiterhin schwierigen Lage am Arbeitsmarkt wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank ihre Niedrigzinspolitik fortsetzt. Attraktivität und Kurse der Aktien werden dann steigen, die Unternehmen verspüren positive Effekte auf der Kostenseite.

Und der private Konsument wird darüber nachdenken, ob aufgeschobene Pläne wie Auto- und Hauskauf nun getätigt werden können.

Voraussetzung für ein solches Zentralbankverhalten ist allerdings eine Inflationsrate, die sich weiterhin auf dem richtigen Niveau um 2 % bewegt und nur bei sehr gemäßigten Lohn- und Gehaltsabschlüssen gehalten werden kann. Fallen diese in den nächsten Tarifrunden wieder höher aus, wird sich die Zinssenkungsphantasie in Grenzen halten.

So gehen Sie in Erwartung eines weiterhin niedrigen Zinsniveaus vor

Ihre erste Überlegung nach dem Drei-Stufen-Modell könnte lauten: Aktien in Deutschland bevorzugen.

Ihre zweite Überlegung lautet: Welche Branche profitiert am meisten von niedrigen Zinsen? Bei der Betrachtung einer bestimmten Branche spielen auch Faktoren wie Marktchancen, Auftragseingänge, Absatzchancen oder Produktgestaltung eine wesentliche Rolle. Bleiben wir jedoch bei der Annahme niedriger Zinsen als gewichtigstem Argument.

Traditionell werden in dieser Situation immer zuerst die so genannten „zinssensitiven“ Finanzwerte wie Banken und Versicherungen sowie Versorgungsbetriebe wie RWE genannt.

Die dritte Entscheidung, die Auswahl des Einzelwertes, ist die schwierigste. Schließlich haben Sie die Wahl zwischen einigen Dutzend Bank-, Versicherungs- und Versorgungswerten.

Bei der Untersuchung eines Unternehmens werden Schwerpunkte gesetzt auf Umsatz-, Kosten- und Ertragsentwicklung sowie Marktstellung und Marktchancen. Auch die Fähigkeiten des Managements müssen berücksichtigt werden.

Außerdem wird die Frage gestellt, welche Zukunftschancen das Unternehmen mit seinen Produkten auf dem nationalen Markt oder den internationalen Märkten haben wird. Daneben werden auch noch einige kursbezogene Kennzahlen als Vergleichsmaßstab herangezogen.

Attraktive Standardwerte für Strategen

Im Börsenjargon wird von der „deutschen Dreieinigkeit“ gesprochen, wenn von DaimlerChrysler, Siemens und der Deutschen Bank die Rede ist.

Dies sind sogenannte Standardwerte, die besonders gerne von Ausländern gekauft werden. Sie zeichnen sich aus durch eine Marktbreite und durch ein hohes Ansehen im In- und Ausland. Folge: Es findet täglich ein hoher Umsatz in diesen Werten statt.

Bei Kursschwankungen nach oben oder unten führen Standardwerte die Kursskala an den deutschen Börsen an. Sie sind relativ stark auslandsabhängig, wodurch sich auch ihre hohe Volatilität – das ist die Schwankungsbreite der Kurse – erklärt.

Alle im Deutschen Aktienindex – DAX – enthaltenen Werte sind Standardwerte.

Alle diese Werte bewegen sich in der Regel mit dem Markt. Das heißt: Bei allgemein freundlicher Tendenz dürfen Sie bei diesen Werten Kursgewinne erwarten, bei einer schlechten Marktverfassung gehen diese Papiere meist zuerst in den Keller.

Spezialwerte für Spezialisten

Spezialwerte sind Aktien von kleineren Unternehmen, die oft nur an Regionalbörsen gehandelt werden oder deren Notierung nicht im amtlichen Handel, sondern im geregelten Markt stattfindet. Diese Werte haben einen „engen“ Markt.

Das heißt: Es sind nicht so viele Stücke im Umlauf, der Umsatz ist weitaus geringer als bei den Standardwerten, sodass eine gezielte Nachfrage zu recht hohen Kurssprüngen führen kann.

Besonders wenn solche Werte von Fachzeitschriften zum Kauf empfohlen werden, bezahlen unerfahrene Anleger bei einem unlimitierten Kauf häufig einen sehr hohen Preis. Sie sollten daher für solche Werte unbedingt nur limitierte Kaufaufträge geben.

Spezialwerte laufen nicht immer mit dem Markt. Im Gegensatz zu Standardwerten sind hier die Kursabweichungen gegenüber der allgemeinen Börsentendenz größer, sowohl in Richtung Kursgewinne als auch in Richtung Kursverluste.

Wenn Sie sich in Spezialwerten engagieren wollen, sollten Sie vor dem Kauf die „Fundamentals“ des Unternehmens genau unter die Lupe nehmen. Dazu gehören beispielsweise Gewinnerwartung, Absatzchancen neuer Produkte, Verhältnis Eigen- zu Fremdkapital, flüssige Mittel und Wachstumschancen.

Turnaround-Werte für Spekulanten

Turnaround-Werte oder Kurs-Umschwung-Aktien sind das Salz in der täglichen Börsensuppe. Wer gerne spekuliert, mit hoher Risikoneigung ausgestattet ist und einige Zeit warten kann, hat sich mit solchen Werten schon oft eine goldene Nase verdienen können.

Solche Werte haben vielleicht gerade 30 bis 50 % ihres Kurswertes eingebüßt, wie von Mai 1994 bis Mai 1995 beispielsweise Continental und einige andere.

Kapitalflussrechnung – Schneller Finanz-Check für AnlegerDie Kapitalflussrechnung offenbart die Finanzierungskraft von Unternehmen. Ein anhaltend positiver Cashflow bietet gute Perspektiven. › mehr lesen

Gewinnrückgänge oder ein Verlustausweis haben bei solchen Aktien wieder zu einem vernünftigen „Einstiegskurs“ geführt. Ob ein Turnaround gelingt, lässt sich leider nicht immer allgemein vorhersagen.

Gerade bei solchen Werten gilt Kostolanys Börsenspruch ganz besonders: „Das an der Börse verdiente Geld ist Schmerzensgeld. Erst kommt der Schmerz, dann kommt das Geld.“

Mit den klassischen Turnarounds von Continental oder Puma wird heute noch an Börsenstammtischen auf die Vergangenheit angestoßen und gehofft, dass solche Gelegenheiten wiederkommen.

Sie kehren ständig wieder, nur müssen Sie als Anleger auch den Mut aufbringen, die Gelegenheit zu ergreifen und auf bessere Zeiten zu hoffen.

Kennzahlen, die über Erfolg und Misserfolg mitbestimmen

Um einen Vergleichsmaßstab für deutsche und internationale Aktien zu bekommen, werden drei Bewertungskriterien herangezogen, die Aussagen zulassen über Rendite, Substanz und längerfristigen Erfolg eines Unternehmens:

  • Dividendenrendite als Dividende in % des aktuellen Börsenkurses

  • Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) als Verhältnis von aktuellem Börsenkurs zu geschätztem Ergebnis je Aktie

  • Cashflow als Liquiditätsüberschuss des Unternehmens einschließlich Abschreibungen.

Hohe Dividendenrendite bei Chemieaktien

Im Gegensatz zur festen Verzinsung des Kapitals bei Anleihen bietet die Anlage in Aktien mehrere Ertragsmöglichkeiten:

  • die Erzielung von Dividenden als laufende Gewinnausschüttungen

  • Realisierung von hohen Kursgewinnen

  • besondere Ausschüttungen oder Bezugsrechte.

Besonders die beschriebenen Standardwerte sind bekannt für eine gewisse Dividendenkontinuität. Der Aktionär kann also in etwa kalkulieren, mit welchem Ertrag er Jahr für Jahr rechnen darf.

Die Dividendenausschüttung ist innerhalb der Branchen jedoch sehr verschieden. Als Grundlage der Dividendenbeurteilung dient in der Aktienanalyse die Dividendenrendite. Sie stellt eine Beziehung her zwischen den ausgeschütteten Erträgen einer Aktie, also den Dividenden, und dem aktuellen Kurs der Aktie.

Hohe Dividendenrenditen müssen mit Vorsicht betrachtet werden, denn die Höhe einer Dividende wird durch den Beschluss der Hauptversammlung festgelegt, die damit den Gewinn für das vergangene Geschäftsjahr verteilt.

Die bereits ausgeschüttete Dividende ist demnach für den aktuellen Börsenkurs uninteressant, denn ausschlaggebend sind allein die zukünftigen Gewinnerwartungen. Eine hohe Dividende ist für einen Aktienbesitzer kein Trost, wenn der Kurs kräftig nachgibt.

Das KGV als Preismaßstab

Doch die Dividendenausschüttung stellt nur einen Teil des erzielten Gewinns dar. Welche Gewinne eine Gesellschaft wirklich erwirtschaftet hat, wird im Ergebnis je Aktie ausgedrückt und vergleichbar gemacht.

Wird der aktuelle Börsenkurs zu diesem Gewinn ins Verhältnis gesetzt, erhalten Sie eine weitere Kennzahl, das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV).

Mit dieser Kennzahl kann festgestellt werden, wie billig oder teuer eine Aktie im nationalen oder internationalen Vergleich abschneidet.

Bei einem Vergleich unterschiedlicher KGVs von Einzelwerten oder Branchen sind zwei Schlussfolgerungen möglich: Liegt die Bewertung der Aktie wie bei BASF unter dem durchschnittlichen KGV der Chemiebranche, könnte dies als fundamentale Unterbewertung interpretiert werden.

Die Aktie wird als „billig“ angesehen und somit zum Kauf empfohlen.

Eine andere Interpretation mahnt eher zur Vorsicht: Eine niedrige Bewertung wird als Zeichen einer kommenden Gewinnabschwächung gesehen, und damit wäre die Aktie ein klarer Verkaufskandidat.

Wie Sie hieraus erkennen können, ist das KGV allein kein Hinweis auf eine „preiswerte“ und somit kaufenswerte Aktie. Ein weiterer Schwachpunkt ist die geringe Aussagefähigkeit des KGV in Hinsicht auf zukünftige Kurserfolge des betrachteten Unternehmens.

Das KGV sollte Ihnen weniger als Kaufargument denn als Vergleichsmaßstab innerhalb von Branchen und Nationalitäten dienen. Wer das KGV als Messlatte überschätzt und nur auf „billige“ Aktien schaut, übersieht dabei völlig, dass gerade die Nebenwerte oder die optisch sehr teuren Turnaround- Kandidaten die interessanteren Kurssprünge aufweisen.

Der Cashflow und das KCFV als Messlatte

Eine weitaus aussagekräftigere Kennzahl als das KGV ist der aus den USA stammende Begriff des „Cashflow“ (übersetzt: fließende Barmittel). Er gibt Auskunft über die von einem Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum erwirtschafteten Mittel.

Darunter sind jene Beträge zu verstehen, die einer AG für Dividenden, Investitionen und für die Tilgung vorhandener Schulden langfristig zur Verfügung stehen. Diese Kennzahl dient somit zur Beurteilung der Finanz- und Ertragskraft einer Unternehmung.

In der einfachsten Form wird der Cashflow definiert als die einem Unternehmen frei zur Verfügung stehenden Mittelzugänge einschließlich der Abschreibungsrückflüsse. Also:

Cashflow = Jahresreingewinn + Abschreibungen

Die Berücksichtigung der Abschreibungen geht von dem Gedanken aus, dass sie als Gradmesser für die Zukunftsaussichten und die Investitionsfreudigkeit zu deuten seien. Die Anschaffung vieler abschreibungsfähiger Güter erhöht den Abschreibungsbedarf, der zwar zunächst gewinnmindernd wirkt, langfristig gesehen aber eine höhere Rendite erwarten lässt.

Steigende oder fallende Cashflow-Raten lassen erkennen, in welchem Maße die Finanzierung aus dem Gewinn und die Finanzierung aus Abschreibungsrückflüssen erreicht werden konnte.

Eine ausführliche Cashflow-Analyse berücksichtigt neben Jahresgewinn und Abschreibungen auch noch die Zu- und Abgänge zu den Rücklagen sowie die Pensionsrückstellungen.

Ein KCFV von beispielsweise 4 bedeutet, dass bei gleichbleibenden Bedingungen innerhalb von vier Jahren der aktuelle Aktienkurs aus dem Finanzmittelzuschuss gedeckt werden kann.

Diese Kennzahl ist aussagekräftiger als das KGV, da die Steuern vom Einkommen neben den Abschreibungen und der Veränderung langfristiger Rückstellungen zusätzlich zum Jahresüberschuss aufgeschlagen werden.

Unter der Annahme, dass der Fiskus sich nicht hintergehen lässt und die Steuern vom Einkommen eine aussagefähige Größe sind, ist das KCFV eine interessante Messlatte für das in einer Aktie steckende Kurssteigerungspotenzial.

Im Klartext heißt das: Je kleiner das KCFV ist, umso attraktiver erscheint die Aktie. Dafür lässt sich folgende Erklärung liefern:

Da die Abschreibungen beim Cashflow eine entscheidende Rolle spielen, lässt sich daraus die Investitionsbereitschaft des Unternehmens ableiten. Hat eine Gesellschaft in den vergangenen Jahren enorme Summen in die Erneuerung der Produktionsanlagen investiert, können diese Investitionen später abgeschrieben werden.

Die Folge: Der Cashflow je Aktie steigt. Bedenken Sie, dass auch diese Kennzahl nur für einen Vergleich von Einzelwerten innerhalb einer Branche geeignet ist.

Eine sehr lohnintensive Branche wie das Dienstleistungsoder Bankengewerbe mit relativ geringen Abschreibungsmöglichkeiten hat in der Regel einen niedrigen Cashflow und damit ein höheres KCFV.

Industriezweige mit hohem Abschreibungsbedarf wie Maschinenbau oder Elektroindustrie haben wegen ihrer hohen Abschreibungen auch einen entsprechend hohen Cashflow bzw. ein niedriges KCFV.

Obwohl aussagekräftiger als das KGV, hat auch das Kurs- Cashflow-Verhältnis einen Schwachpunkt: die aktuelle Datenbeschaffung und die damit verbundene Schwierigkeit, die Ertragskraft einer AG als Entscheidungskriterium für den Aktienkauf zu betrachten.

Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass die mit dem niedrigsten KCFV bezeichneten Aktien in der Folgezeit mit zu den größten Kursgewinnern gehörten. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Sie diese Größe bei Ihrer Anlageentscheidung nicht vernachlässigen sollten.

Auch im internationalen Vergleich ist das Kurs-Cashflow- Verhältnis eine Größe, die von Analysten herangezogen wird, um Börsen mit Nachholbedarf ausfindig zu machen.

Die deutschen Werte zählen im internationalen Vergleich zu den „preisgünstigen“, weshalb sich hier häufig die Befolgung des Sprichworts bezahlt gemacht hat: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich!“

Weitere Kennzahlen zu den DAX-Werten mit Kurzbeschreibung der Fachbegriffe

Das „Handelsblatt“ veröffentlicht regelmäßig drei weitere Kennzahlen zu den 30 DAX-Werten. Dabei handelt es sich um die Volatilität, den Beta-Faktor und die Korrelation. An dieser Stelle soll eine Kurzbeschreibung dieser Fachbegriffe genügen. Weitere Einzelheiten erfahren Sie in einem späteren Fachbeitrag „Technische Aktienanalyse“.

Volatilität = Schwankungsbreite von Aktienkursen zur Kennzeichnung des Risikos einer Aktie Beta-Faktor = Kurschwankung einer Aktie im Verhältnis zur Veränderung des Gesamtmarkts, zum Beispiel zum DAX Korrelation = Kursentwicklung einer Aktie im Vergleich zum gesamten Aktienmarkt, zum Beispiel zum DAX.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.