Finanzamt: Wie man vermögenswirksame Leistungen nutzt

Wann sich vermögenswirksames Sparen für Sie lohnt

„Vermögenswirksame Leistungen“ (VL) stehen Ihnen als Arbeitnehmer zu, egal ob Sie Arbeiter, Angestellter oder Beamter sind. Dabei sind die auf freiwilliger Basis vom Arbeitgeber gezahlten Beträge unabhängig von der Höhe Ihres Einkommens. Sie liegen je nach den getroffenen tariflichen Vereinbarungen zwischen 0 und 78 DM monatlich.

Die Differenz bis zum Höchstbetrag können sie aus eigenen Mitteln aufstocken, damit Sie auch in den vollen Genuss einer zweiten Vergünstigung kommen, der staatlichen „Arbeitnehmersparzulage“.

Als Arbeitgeber nutzen Sie die Zahlung von vermögenswirksamen Leistungen zur Bindung der Mitarbeiter an Ihren Betrieb.Eine der besten Investitionen ist aber die Ausgabe von Belegschaftsaktien (siehe S.008).

Beachten Sie die Einkommensgrenzen bei der Sparzulage des Staates

Dafür gilt jedoch folgende Einschränkung: Wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen als Arbeitnehmer 27.000/ 54.000 DM für Ledige/Verheiratete überschreitet, wird im entsprechenden Jahr keine staatliche Zulage geleistet. Bemessungsgrundlage ist das zu versteuernde Einkommen, also Ihr Jahreseinkommen, das um individuelle Werbungskosten,Sonderausgaben und Freibeträge vermindert wurde.

Die staatliche Arbeitnehmersparzulage beträgt 10% auf die geleistete Sparsumme von maximal 936 DM pro Jahr.Als Sparer erhalten Sie somit höchstens 93,60 DM jährlich vom Staat.

Übersteigt Ihr Einkommen die genannten Beträge von 27.000/54.000 DM Jahreseinkommen,sollten Sie trotzdem den Sparvertrag weiterlaufen lassen.Sie verschenken sonst die vermögenswirksame Leistung Ihres Arbeitgebers.

Diese Anlageformen werden mit einer 10%igen Zulage gefördert

Durch das 5.Vermögensbildungsgesetz wird die staatliche Förderung in der privaten Vermögensbildung auf das Sparen in Produktivvermögen konzentriert.Deshalb gibt es die Zulage von einheitlich 10% auf die vermögenswirksamen Leistungen nur noch für die folgenden Sparvarianten:

Geförderte Anlageformen:

  • Aktien des arbeitgebenden Unternehmens (Belegschaftsaktien); Anteile an Aktienfonds mit mindestens 70% Aktienanteil; Wandelschuldverschreibungen,die vom Arbeitgeber ausgegeben werden; Wandelschuldverschreibungen,die an der Börse zum amtlichen Handel oder zum geregelten Markt zugelassen oder in den Freiverkehr einbezogen sind; Gewinnschuldverschreibungen, die nicht von Kreditinstituten ausgegeben wurden; Genossenschaftsanteile an inländischen Genossenschaften; GmbH-Anteile an inländischen Gesellschaften; stille Beteiligungen am Unternehmen des Arbeitgebers mit Gewinnanteil; gesicherte Darlehensforderungen gegen den Arbeitgeber Bausparverträge

Keine staatliche Arbeitnehmersparzulage wird gewährt für Spareinlagen,die keine Vermögensbeteiligungen sind. Dazu zählen beispielsweise Einmalanlagen auf einen Sparvertrag,Einzahlungen auf einen Rentensparvertrag oder Anteile an Rentenfonds.

Oft wird die Kapitallebensversicherung genannt,die vom Staat bezuschusst würde.Dies ist aber nicht der Fall.Dennoch können Sie die vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers auf eine Lebensversicherung einzahlen wie auch auf andere Sparverträge,die von den Kreditinstituten angeboten werden.So beispielsweise auf einen 7jährigen Sparvertrag mit einer abschließenden Bonus-Zahlung.

Beispiel:Regelmäßige vermögenswirksame Einzahlungen,die mit einem Sparzins von 3,5% verzinst werden, ergeben zuzüglich eines Abschlussbonus von 14% eine Rendite von über 6%.Allerdings wird der genannte Sparzins in der Regel nicht über die gesamte Laufzeit garantiert,sondern den Kapitalmarktzinsen angepasst.

Sie sollten vor dem Abschluss solcher Verträge unbedingt Vergleiche anstellen.Sogenannte Direktbanken oder Verbraucherbanken bieten Ihnen häufig bessere Konditionen an als Ihre Hausbank!

Der Löwenanteil der vermögenswirksamen Leistungen fließt auf Bausparverträge oder in Aktienfonds.Dies rechnet sich besonders dann,wenn über die gesamte Laufzeit die staatliche Arbeitnehmersparzulage gewährt wird.

Vermögenswirksame Leistungen sind mittelfristige Anlagen,denn die gesamte Laufzeit beträgt mindestens sieben Jahre. Der Vertrag muss sechs Jahre lang angespart werden und ruht dann ein Jahr,bevor Sie über die Gesamtsumme verfügen können.In besonderen Ausnahmefällen (beispielsweise beim Tod des Sparers,bei Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit) können Sie über die Beträge aber auch bereits vor Ablauf der 7jährigen Sperrfrist verfügen.

Wann das Bausparen für Sie die richtige Anlageform Ihrer VL ist

Sie liegen mit Ihren Einkünften unter den Einkommensgrenzen von 27.000/54.000 DM Jahreseinkommen und bekommen die staatliche Arbeitnehmersparzulage: Wenn Sie keinerlei Risiko eingehen wollen,mit einer etwas niedrigeren Rendite zufrieden sind und in der Zukunft den Bau eines Eigenheims oder den Kauf einer Immobilie planen,hat ein Bausparvertrag Priorität.

Diese Vor und Nachteile des Bausparens sollten Sie beachten:

+ für Eigenheiminteressenten langfristige Planungsmöglichkeit + Zinsen für Bauspardarlehen sind niedrig + sehr sichere Anlageform

  • – Tarifangebot der einzelnen Bausparkassen sehr unterschiedlich

  • – Sparzinsen in der Ansparphase niedrig/tarifabhängig

  • – Zeitpunkt der Zuteilung nicht genau kalkulierbar

– Nebenkosten bei Abschluss und Zuteilung müssen berücksichtigt werden

Aktienfonds verschaffen Ihnen beste Renditen

Sie sind bereit,ein gewisses Risiko einzugehen in der Hoffnung auf eine höhere Rendite:Dann sollten Sie Ihre vermögenswirksamen Leistungen in einem Aktienfonds anlegen.Denn die Rendite solcher Fonds liegt bei mittelfristiger Anlagedauer von wenigstens fünf Jahren in der Regel deutlich höher als die anderer Sparformen.

Das Risiko,das Sie beim Kauf einer einzelnen Aktie eingehen,wird reduziert durch die breite Streuung des Fondsvermögens und ein erfahrenes Fondsmanagement. Dies ist keine Garantie für schnell steigende Kurse.Sollte es kurz vor Fälligkeit der Fondsanteile an der Börse fallende Kurse geben, muss allerdings die Bereitschaft bestehen,die Fondsanteile noch längere Zeit zu behalten,bis sich die Börse wieder erholt hat.

Die ständige Anlage eines festen Betrages – beispielsweise 78 DM monatlich – sorgt beim Kauf der Aktienfonds für den sogenannten CostaverageEffekt:Sie verhalten sich auf diese Weise sozusagen antizyklisch,weil bei fallenden Anteilspreisen automatisch mehr Anteile und bei steigenden Anteilspreisen weniger Anteile gekauft werden.

Wenn beispielsweise Ihr Arbeitgeber monatlich 52 DM beisteuert,investieren Sie selbst lediglich 26 DM.Bei einer durchschnittlichen Rendite von 7%,wie Sie sie mit Aktienfonds mittlerer Qualität über einen Zeitraum von fünf und mehr Jahren durchaus erwirtschaften können,werden daraus in sieben Jahren runde 7.500 DM.Zählen Sie noch die staatliche Zulage von jährlich 93,60 DM hinzu,die Sie erhalten,wenn Sie unter der Einkommensgrenze bleiben, werden daraus sogar 8.155 DM.

Die Qual der Wahl bei Investmentfonds im allgemeinen und Aktienfonds im besonderen macht es Ihnen als Anleger bei Ihrer Entscheidung aber nicht ganz einfach.Weit über 150 verschiedene in der Bundesrepublik zugelassene Fonds erfüllen die Voraussetzungen des Vermögensbildungsgesetzes und investieren mindestens zu 70% in Aktien.Wenn Sie bei Ihrer Hausbank nachfragen,wird man Ihnen in der Regel die hauseigenen Fonds zum vermögenswirksamen Sparen anpreisen.Darauf sollten Sie sich aber nicht ohne weiteres einlassen,sondern Ihre eigene Wahl treffen.Als Anhaltspunkt für die Auswahl eines Aktienfonds mit ansprechender Rendite sollte Ihnen die Wertsteigerung der letzten fünf Jahre dienen. Vergangenheitsrenditen lassen sich zwar nicht einfach auf die Zukunft übertragen.Sie geben Ihnen aber wichtige Hinweise auf die Leistungsfähigkeit des Fondsmanagements.

Gut abgeschnitten haben im internationalen Vergleich der letzten 5 Jahre neben dem FTFrankfurterEffektenfonds einige Aktienfonds der Investmentgesellschaften DWS (Deutsche Bank) und DIT (Dresdner Bank).

Der jährlich aktualisierte „Fondsreport“ des „GeldanlageBerater“ bietet Ihnen eine wertvolle Hilfe bei der Auswahl der richtigen Fonds.Sie werden dort zum Beispiel folgende Fonds finden,die im 5JahresZeitraum zu den besten der besten gehören:

GBFondsreport

  • den Ring-Aktienfonds,der in Aktien großer und kleiner Unternehmen investiert und einen Auslandsanteil von bis zu 20% haben darf;

  • den Investa,der im wesentlichen in Standardwerten am deutschen Aktienmarkt anlegt;

  • den Provesta,der sich statt dessen auf deutsche und europäische Nebenwerte konzentriert.

Trotz langfristig guter Erträge sollten Sie dennoch bedenken:Der Ausgabeaufschlag von meist 5% und die Depotgebühren mindern den Ertrag.Kommt es an der Börse einmal ganz schlimm,können zeitweilig auch

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Verluste entstehen.Deshalb sollte bei einer Anlage in Aktienfonds bei Fälligkeit des Vertrages noch etwas Luft vorhanden sein.Dann können Sie je nach Börsenlage entscheiden,auch noch für zwei oder drei weitere Jahre im Fonds investiert zu bleiben,bis sich die Kurse wieder erholt haben.

Wie Sie mit Belegschaftsaktien 2stellige Renditen erzielen

Viele große Unternehmen wie beispielsweise Siemens, DaimlerBenz oder die Großchemie bieten ihren Mitarbeitern eine Firmenbeteiligung in Form von Belegschaftsaktien an.Diese Aktien werden meist weit unter dem aktuellen Börsenkurs ausgegeben.Dies gilt auch für Genussscheine oder Gewinnschuldverschreibungen.Wenn Sie in solchen Betrieben arbeiten,sollten Sie auf jeden Fall zugreifen.

Beispiel: So nutzen Sie den Steuerfreibetrag auf Belegschaftsaktien

Tipp

Ihr Arbeitgeber gewährt Ihnen für Ihre Beteiligung einen Preisnachlass von 500 DM auf die Belegschaftsaktien.Dieser gilt steuerrechtlich als zusätzlicher Arbeitslohn und muss versteuert werden. Gleichzeitig gewährt der Gesetzgeber einen steuerlichen Freibetrag von 300 DM pro Jahr,der unabhängig vom Einkommen ist.Angenommen,Sie würden Aktien im Gesamtwert von 900 DM erwerben,die Ihnen der Arbeitgeber zu einem Wert von 400 DM überlässt,sind vom Preisnachlass 300 DM steuerfrei. Nur die Differenz von 200 DM ist steuer- und sozialabgabepflichtig.

Einmalzahlung

Die Ansparphase unterscheidet sich vom üblichen vermögenswirksamen Sparen,da Sie keine monatlichen Beträge ansammeln, sondern einmal jährlich Belegschaftsaktien erwerben und den Kaufpreis mit den vermögenswirksamen Leistungen verrechnen.

Beispiel : Wie Sie Ihre Rendite auf 12% hochhebeln

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Sie erwerben eine Vermögensbeteiligung im Gesamtwert von 1.236 DM.Der Rabatt beträgt 300 DM. Den ermäßigten Preis von 936 DM bezahlen Sie mit den vermögenswirksamen Leistungen.Eine Beispielrechnung,wenn Sie verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern und einem regelmäßigen monatlichen Bruttoeinkommen von 5.600 DM wären:

Tipp

Aus dem steuer- und sozialabgabefreien Rabatt von 300 DM ergibt sich eine Steuerersparnis von etwa 120 DM bei einem Grenzsteuersatz von 40%.Für die vermögenswirksamen Leistungen von 936 DM erhalten Sie die 10%ige staatliche Zulage,das sind nochmals 93,60 DM, also insgesamt 213,60 DM. Angenommen, der angelegte Betrag rentiert sich jährlich mit 6%,dann erzielen Sie am Ende der sechsjährigen Sperrfrist eine Summe von 1.850 DM.Dies entspricht einer jährlichen Rendite von etwa 12%.

Auch hier müssen Sie eine Sperrfrist berücksichtigen, die in der Regel sechs Jahre ab Erwerb der einzelnen Papiere beträgt.Das heißt,Sie müssen beim beabsichtigten Verkauf auf die unterschiedliche Freigabe achten.Die Sperrfrist beginnt jeweils am 1.Januar des Jahres,in dem der Kauf erfolgte.

Sperrfrist

Neben den gezahlten Arbeitnehmersparzulagen können Sie noch einen weiteren Steuervorteil in Anspruch nehmen.

Dieser Steuervorteil in Verbindung mit der Arbeitnehmersparzulage hebelt Ihre Rendite kräftig nach oben.

So verschenken Sie keine einzige Mark

  • Ganz gleich, ob Sie Auszubildender, Arbeiter, Angestellter oder Beamter sind: nutzen Sie auf jeden Fall das 936-DM-Gesetz für vermögenswirksame Leistungen aus.

  • Wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen unter 27.000 DM als Lediger oder 54.000 DM als Verheirateter liegt: Legen Sie 936 DM jährlich in einem Aktienfonds oder einem Bausparvertrag mit jeweils 10% Arbeitnehmersparzulage an. Lassen Sie sich den staatlichen Zuschuss von jährlich 93,60 DM nicht entgehen.

  • Wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen über den genannten Grenzen liegt: Legen Sie mindestens soviel vermögenswirksam an, wie der Arbeitgeberanteil an den 936 DM ausmacht. Wenn Sie auf eine vermögenswirksame Anlage verzichten, verschenken Sie bares Geld.

  • Wenn Ihr Arbeitgeber Belegschaftsaktien anbietet: Greifen Sie zu, und nutzen Sie den Freibetrag von 300 DM.

  • Wägen Sie Vor und Nachteile des Bausparens ab, und stellen Sie das höhere Risiko eines Aktienfonds den höheren Renditen gegenüber.

  • Verzichten Sie auf alle Angebote des grauen Kapitalmarktes, bei denen Ihnen stille Beteiligungen verkauft werden sollen.

  • Verträge, in die vermögenswirksame Leistungen einfließen, unterliegen üblicherweise einer siebenjährigen Sperrfrist. Während dieser Zeit darf über das Guthaben weder verfügt werden, noch darf es beliehen oder der Vertrag an Dritte verkauft oder weitergegeben werden.

  • Ausgezahlt wird die Sparzulage erst am Ende der Sperrfrist. Sie müssen sie spätestens im zweiten Jahr nach Abschluss des Sparvertrages beantragen.

Ein „Geldanlage-Berater“Beitrag von Karl-Heinz Bilitza. Er übt eine Lehrtätigkeit in Karlsruhe aus und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geld, Gold und Börse. Der Autor hält außerdem Vorträge und Seminare über Kapitalanlagen und Anlagenplanung.

15. Mai 1996

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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