Wie Sie mit einfachen Mitteln starke Aktien finden

Mann Kurse Zettel Rechner Tisch – Rawpixel.com – shutterstock_613049738

Die Relative Stärke nach Levy ist für Sie als Anleger ein gutes Hilfsmittel, um Aktien zu finden, die sich in starken Trends bewegen. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Wenn Sie Börsenberichte und -analysen verfolgen, ist Ihnen sicherlich schon einmal der Begriff „Relative Stärke“ begegnet. Was steckt dahinter? Vereinfacht gesagt: Eine Aktie, die relative Stärke zeigt, entwickelt sich besser als der Gesamtmarkt. Doch dahinter steckt mehr.

Verschiedene Relative-Stärke-Konzepte

Mit dem Begriff „Relative Stärke“ können unterschiedliche Ansätze gemeint sein. So finden Sie in Charts häufig den von Welles Wilder entwickelten Relative-Stärke-Index (RSI) eingeblendet. Dies ist ein technischer Indikator, der sich zwischen 0 und 100% bewegt. Der RSI zeigt an, ob eine Aktie überkauft oder überverkauft ist. Zur Generierung von Kauf- und Verkaufssignalen eignet sich der RSI aber weniger gut.

Ein weiteres Konzept der relativen Stärke funktioniert folgendermaßen. Sie teilen den Kurs einer Aktie durch den Indexstand. Tun Sie dies regelmäßig, können Sie im Laufe der Zeit erkennen, wie sich die betreffende Aktie im Verhältnis zum Index entwickelt. Steigt der berechnete Relative-Stärke-Wert im Zeitverlauf, entwickelt sich der Titel besser als der Index. Tendiert der Wert nach unten, ist die Aktie eher schwach.

Dieser Ansatz ist zwar durchaus interessant, für Anleger, die nicht über eine professionelle Chart-Software verfügen, aber schwierig umzusetzen.

Bewährtes Konzept: Die Relative Stärke nach Levy

Das dritte – meines Erachtens interessanteste – Konzept ist die Relative Stärke nach Levy (RSL). Der Amerikaner Robert Levy stellte seinen Ansatz bereits 1967 vor. Es basiert auf der Annahme, dass eine überdurchschnittliche Entwicklung auch künftig andauert, also dass sich ein bestehender Trend fortsetzt.

Weil sein Ansatz deutlich bessere Ergebnisse als der Gesamtmarkt brachte, sorgte Levy seinerzeit für Furore in der Finanzbranche. Und tatsächlich funktioniert der Ansatz auch heute noch. Vor dem Hintergrund, dass nachhaltige Trends oft lange andauern, ist die Relative Stärke nach Levy für Sie als Anleger eine gute Möglichkeit, besonders trendstarke Aktien zu finden.

So wird die Relative Stärke nach Levy berechnet

Berechnen können Sie die Relative Stärke nach Levy, indem Sie den aktuellen Aktienkurs durch den durchschnittlichen Schlusskurs der vorangegangen Wochen teilen. Levy verwendete dazu den Durchschnitt der vergangenen 27 Wochen, was ungefähr einem halben Jahr entspricht.

Je nach Anlagehorizont lässt sich der Betrachtungszeitraum jedoch variieren. Wer langfristiger orientiert ist, kann beispielsweise den aktuellen Kurs durch den Durchschnitt der Schlusskurse der vergangenen zwölf Monate teilen.

Wenn Sie diese Berechnung durchführen, erhalten Sie als Ergebnis die Relative Stärke einer Aktie, die grob um 1 pendelt. Liegt der Wert über 1, ist eine Aktie relativ stark. Liegt der RSL unter 1, ist sie tendenziell schwach.

Gutes Hilfsmittel zur Aktienauswahl

Den Aufwand, die RSL selbst zu berechnen, können Sie sich sparen. In vielen Chart-Tools im Internet ist die Relative Stärke nach Levy enthalten. Auch in einigen Börsenmagazinen finden Sie im Kursteil bei den jeweiligen Aktien die RSL. Bitte achten Sie darauf, dass die RSL manchmal auch als Prozentzahl angegeben wird. In diesem Fall wird die RSL noch mit 100 multipliziert. RSL-Werte von deutlich über 100% signalisieren dann eine hohe Trendstärke.

Für Sie als Anleger kann das Konzept von Levy ein gutes Hilfsmittel bei der Aktienauswahl sein. Wenn Sie sich auf die Titel konzentrieren, die einen RSL-Wert von über 1 (bzw. über 100%) aufweisen, setzen Sie automatisch auf starke Papiere mit einem intakten Aufwärtstrend, die Ihnen überdurchschnittlich gute Gewinnchancen bieten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.