Wie Sie Stoppkursen richtig anwenden um Ihre Gewinnchancen an der Börse zu erhöhen

Das sollte Ihnen zum Thema Stopps in „Fleisch und Blut“ übergehen – Warum Sie einer Aktie nie mehr als 10 % bis 12 % Spielraum geben dürfen. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Vor allem in meiner Anfangszeit tat ich mich sehr schwer damit, wenn ein Aktieninvestment nicht die erwarteten Gewinne gebracht hat. Damals wollte ich den „Glauben“ an eine Aktie einfach nicht so schnell verlieren. Deshalb habe ich oft Stopps nicht beachtet oder sogar im Verlust nachgekauft. Das hat sich jedoch fatal auf meine Performance ausgewirkt, denn ich habe im Depot im Laufe der Zeit etliche Verliereraktien angesammelt. Sobald ich dieses Verhaltensmuster jedoch erkannt und korrigiert habe, bin ich auf die Erfolgsstraße eingebogen.

Das sollte Ihnen in „Fleisch und Blut“ übergehen

Ausstopper sehe ich mittlerweile als „Kosten des Geschäfts“, mit dem ich mir seit vielen Jahren meinen Lebensunterhalt verdiene. Es ist trotz sorgfältiger Recherche schlichtweg utopisch jedes einzelne Mal den richtigen Einstieg zu erwischen, denn auch die Börse und die anderen Anteilseigner reden stets ein Wörtchen mit.

Und letztendlich geht es bei Aktien immer nur um Angebot und Nachfrage. Darüber hinaus bin ich mir bewusst, dass mir keine Aktie etwas schuldig ist. Dieses Verständnis macht es mir mental sehr einfach, Aktien, die sich nicht wie erwartet verhalten, rasch abzustoßen. Ich möchte, dass Ihnen diese Sichtweisen ebenfalls in „Fleisch und Blut“ übergehen, denn dann meistern Sie eine der wesentlichen Herausforderungen der Börse.

Warum Sie einer Aktie nie mehr als 10 % bis 12 % Spielraum geben dürfen

Sie sollten einer Aktie maximal 10 % bis 12 % Spielraum geben. Das hat vor allem mathematische Gründe. Z.B. lässt sich ein Rücksetzer von -10 % bereits durch den Kursanstieg einer neuen, starken Aktie von +11 % wieder ausbügeln. Lassen Sie eine Aktie jedoch beispielsweise -33 % ins Minus laufen, so benötigen Sie bereits +50 % Kursgewinn um den Verlust wieder wett zu machen. Bei -50 % sind dazu bereits +100 % notwendig u.s.w.. Die Mathematik spielt unter -10 % klar gegen Sie.

Deshalb sind für mich persönlich -10 % die Grenze unter der ich auch schwankungsfreudige Wachstumsaktien unter keinen Umständen mehr halte. Da ich pro Wert stets 10 % des Depotwerts investiere kostet mich ein Ausstopper gerade mal 1 % Performance (10 % von 10 % Depotanteil). Das macht ein sorgfältig ausgewähltes Depot an einem guten Tag auch mal doppelt oder dreifach wieder wett. Falls Sie nicht ganz sicher sind, ob Sie den Einstieg richtig erwischt haben, dann können Sie auch 12 % geben, aber viel mehr sollten es nicht sein.

Neue Top-Werte bieten stets höhere Gewinnwahrscheinlichkeiten

Dazu kommt folgendes: Geht eine Aktie in eine Korrektur über, so wächst bei vielen Aktionären das Unbehagen. Bei einer anschließenden Aufwärtsbewegung werden dann zahlreiche Anteilseigner wieder aussteigen, sobald dies verlustfrei möglich ist. Diese zusätzlichen Verkaufsorders verhindern oder erschweren einen weiteren Kursanstieg. Deshalb lasse ich Ausstopper stets von neuen Top-Werten wett machen, die nach einem erfolgreichen Chartausbruch keinen Überhang an Verkaufsaufträgen und nur glückliche und zufriedene Aktionäre haben. Mit dem Einstieg in einen neuen Top-Wert haben Sie also langfristig weitaus bessere Aussichten auf Gewinne, als wenn Sie an der alten Aktie festhalten und die Verluste aussitzen. Glauben Sie mir, diese Strategie zahlt sich langfristig in barer Münze aus.

Sehen Sie sich als Waren-Händler

Sehen Sie es einmal so: Ein Händler kauft Ware ein, um diese teurer weiterzuverkaufen. Manchmal erweist sich ein Produkt trotz guter Marktforschung als Ladenhüter. Dann ist ein gewinnbringender Verkauf nicht möglich und es ist besser die Ware zum selben Preis oder mit kleinem Verlust abzustoßen. Es macht dann natürlich keinen Sinn, dieselbe Ware nochmal nachzubestellen oder für die nächste Saison einzulagern. Statt Lagerhüter zu horten, ist es doch viel klüger das Geschäftskapital in neue vielversprechende Artikel mit dem Potenzial zum Verkaufsschlager zu investieren.

Was Sie beim Platzieren eines Stopps auf jeden Fall beachten sollten

Der Abstand Ihres Stopps kommt natürlich immer auch auf das Chance-Risiko-Verhältnis an. D.h. ein durchschnittlicher Gewinn sollte Ihnen je nach Trefferquote mindestens doppelt bis dreimal so viel einbringen als das was Sie ein Ausstopper kostet. Riskieren Sie 10 %, so sollte Ihr Gewinnziel bei mindestens +20 % bis +30 % Gewinn liegen. Bei 5 % Risiko mindestens bei +10 % bis +15 % Profit u.s.w.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Setzen Sie Ihre Stopps bitte niemals an sehr offensichtliche Stellen also beispielsweise bei geraden Marken wie 50,00 USD oder wenige Cents unterhalb einer Chartunterstützung, die ein „Blinder mit Krückstock“ erkennt. Also z.B. horizontale Unterstützungslinien oder Aufwärtstrendlinien, die den Kurs bereits mehrmals aufgefangen haben. Denn an solchen Marken haben in der Regel sehr viele Amateure ihre Stopp-Orders platziert.

Die Profis wissen das, so dass sie die Kurse hin und wieder gezielt darunter drücken, um große Mengen Aktien günstig zu erwerben, man spricht auch vom „Abfischen“ der Stopps. In vielen Fällen geht es dann postwendend wieder nach oben und die Privatanleger schauen in die Röhre, ärgern sich und schimpfen über Stoppkurse… Geben Sie in Fällen in denen Ihr prozentualer Stopp an einer markanten Stelle liegen würde also lieber ein bis zwei Prozent mehr (oder weniger) Spielraum. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Trading-Woche.


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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.