Wie Trumps Abschottungspolitik US-Firmen gefährdet

Von Apple bis Harley Davidson: Auch US-Unternehmen zittern vor Trumps Handelspolitik. Die Strafzölle dürften schon bald Wirkung zeigen. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Es kam, wie befürchtet – und zum Teil noch schlimmer. Seit Donald Trump als amtierender US-Präsident im Weißen Haus sitzt, hat er einen Großteil seiner Wahlversprechen wahrgemacht und damit nicht nur viel diplomatisches Porzellan auf dem internationalen Parkett zerstört, sondern auch innerhalb der USA die Gräben vertieft, die die Gesellschaft spalten.

Etliches erfahrenes Politpersonal, das in wichtigen Funktionen hinter den Kulissen, in Ministerien und Behörden tätig war, fiel bereits den ersten Monaten seiner Präsidentschaft zum Opfer. Nun gibt es kaum noch kritische Berater, die Trump von irgendetwas abbringen könnten – und so dürften wohl schon bald weitere Strafzölle folgen.

Eskalationsspirale und kein Ende in Sicht

Bereits vor einigen Wochen hat der mächtigste Mann der Welt seine Drohungen wahrgemacht und beispielsweise Stahlimporte mit Strafzöllen belegt. Er schürt Handelskonflikte mit langjährigen Partnern, sowohl jenseits des Atlantiks auf europäischer Seite als auch jenseits des Pazifiks im asiatischen Raum.

Welche tiefgreifenden Auswirkungen diese Form der wirtschaftspolitischen Abschottung noch haben wird, dürfte sich bereits in den Unternehmensbilanzen des zweiten Halbjahres abzeichnen. Die EU und China reagierten zudem ihrerseits mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte, ein Ende der Eskalationsspirale ist nicht in Sicht.

Harley Davidson, der berühmte amerikanische Motorradhersteller, der bislang stolz mit seinen US-Standorten warb, hat bereits angekündigt, die Produktion aus den USA ins Ausland zu verlagern – denn das Unternehmen wäre gleich doppelt betroffen: Zum einen würde der Export der Zweiräder teurer, zum anderen steigen jedoch auch schon die Produktionskosten durch den dafür notwendigen Import von Bauteilen aus dem Ausland.

Dieses Land wird den Rohstoffmarkt auch in der Zukunft bestimmenChina ist sowohl Konsument als auch ein großer Produzent: Das Land spielt bei vielen Rohstoffen eine vorherrschende Rolle. › mehr lesen

Vor einem ähnlichen Dilemma steht man auch im Silicon Valley. Das iPhone, Verkaufsschlager und wichtigstes Standbein des Kultkonzerns Apple, wird bekanntlich zu großen Teilen in China gefertigt. Foxconn gilt als einer der wichtigsten Zulieferer – und sieht nun ebenfalls seine internationalen Geschäfte bedroht.

EU und China rücken näher zusammen

Ob der ausufernde Handelsstreit langfristig tatsächlich zur existenziellen Bedrohung einzelner Großunternehmen führt, wird sich zeigen. Eine Folge der trump’schen Abschottungspolitik ist jedenfalls bereits erkennbar: Die handelspolitischen Verflechtungen zwischen Europa auf der einen Seite und China auf der anderen Seite werden nun noch enger geknüpft als dies in den vergangenen Jahren ohnehin schon der Fall war.

Ausgerechnet das von einer kommunistischen Einheitspartei geführte Reich der Mitte setzt sich nun ein für die Sicherung eines freien Welthandels, gemeinsam mit Europa und gegen die USA – man muss sich diese Tatsache auf der Zunge zergehen lassen, sie wäre noch vor zehn oder zwanzig Jahren undenkbar gewesen.

Einen Gefallen tut Trump sich und der US-Wirtschaft damit jedenfalls langfristig nicht. Doch womöglich glätten sich die Wogen auch bereits im Herbst wieder etwas, wenn die Midterm-Wahlen überstanden sind. Andererseits dauert es dann auch schon nicht mehr lang, bis der andere Wahlkampf in den Startlöchern steht: derjenige, bei dem sich Trump aller Voraussicht nach um eine zweite Amtszeit bewerben dürfte.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.