William Hill: Übernahmegerüchte bei britischem Buchmacher kochen wieder hoch

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William Hill: Übernahmespekulationen hauchen Aktie des Traditionsbuchmachers wieder Lebensenergie ein. Zunehmende Regulierung macht Wettanbietern zu schaffen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Konsolidierung unter den europäischen Wettanbietern schreitet ungebremst voran. Vor allem neue Steuern und hohe Investitionen in Marketing und Technologie haben den Trend in den zurückliegenden Jahren befeuert. Wir haben bereits zahlreiche Deals gesehen. So schloss sich die irische Paddy Power 2015 mit der britischen Betfair zusammen und Ladbrokes schluckte den Konkurrenten Gala Coral bevor sie im im letzten Jahr selbst von GVC übernommen wurden.

Auch das britische Traditionsunternehmen William Hill war schon in eine ganze Reihe, bislang erfolgloser, Übernahmeversuche verstrickt. Vor geraumer Zeit zeigten Rank und 888 Interesse an einem Deal. Im letzten Jahr wurde mit der kanadischen Amaya über eine Fusion verhandelt, die ebenfalls scheiterte. Jetzt machen wieder Übernahmespekulationen die Runde. Laut Medienberichten soll der britische Buchmacher William Hill im vergangenen Herbst mit dem US-Kasinoriesen Caesars Entertainment Übernahmeverhandlungen geführt haben. Auch wenn die Gespräche offenbar am Preis gescheitert sind, wurde die Übernahmephantasie dadurch wieder angefacht.

Die Aktie reagiert mit einem Kursplus von 6% in den letzten Tagen. Kurzfristig für die Anleger erfreulich, langfristig aber nur ein Tropf auf den heißen Stein. Auf Sicht der vergangenen 12 Monate liegen die William Hill-Papiere nämlich mit 57% in der Verlustzone.

William Hill – ein britisches Traditions-Unternehmen

William Hill ist einer der größten europäischen Wettanbieter und blickt v. a. in Großbritannien auf eine lange Tradition zurück: Bereits 1934, als das Glücksspiel im Vereinigten Königreich noch verboten war, wurde das Unternehmen von seinem Namensgeber William Hill gegründet. Das erste Wettbüro wurde in London errichtet.

Da William Hill nur Dienste gegen Vorauszahlung anbot, konnte er das englische Justiz-System austricksen und seine Kunden konnten hauptsächlich per Scheck Wetten im Voraus abgeben. Heute beschäftigt der Konzern rund 16.600 Mitarbeiter und betreibt 2.300 lizensierte Wettbüros. Als größter Anbieter hat der Konzern einen Marktanteil von 25% im Vereinigten Königreich und in Irland.

Schwieriges Marktumfeld sorgt für Verluste

Im letzten Geschäftsjahr ging bei William Hill ein Umsatz von 1,62 Milliarden Pfund durch die Bücher. Das war ein kleiner Zuwachs von 2%. Unterdessen musste der Konzern einen Gesamtverlust von umgerechnet rund 922,1 Millionen Pfund vor Steuern bekanntgegeben. Auch in diesem Jahr befindet sich der Buchmacher in schwierigem Fahrwasser.

Die im April in Kraft getretenen Neuerungen zeigen massive Effekte auf die Geschäfte des Buchmachers in Großbritannien: Von den derzeit rund 2.300 William Hill-Wettstuben in Großbritannien sollen laut Angabe des Unternehmens 900 von der Schließung bedroht sein. Rund 4.000 Arbeitsplätze stehen somit auf der Kippe. Ursachlich sind die neuen Wettregeln, die von der britischen Regierung eingeführt wurden. So wurde der maximal mögliche Einsatz pro Spiel an Spielautomaten (vorwiegend Kasinospiele wie Roulette) von 100 auf 2 Pfund reduziert. Die Neuregelung, die dem Spielerschutz Rechnung tragen soll, führte immer wieder zu heftigen Reaktionen britischer Buchmacher.

Expansion in die USA soll es richten

Da in den USA die Regulierung im letzten Jahr gelockert wurde, suchen viele Wettkonzerne ihr Heil in der transatlantischen Expansion. Mit der Eldorado Resorts Gruppe, die 20% der William Hill-Anteile des US-Geschäfts hält, ist der Buchmacher bereits in sieben US-Bundesstaaten vertreten. Insgesamt operiert Eldorado in 17 Bundesstaaten der USA.

Mit der aktuellen Freigabe von Sportwetten durch den Senat dürfte der Bundesstaat Illinois ebenfalls zeitnah im Portfolio der Briten erscheinen. Auch New York berät momentan über die Ausgestaltung einer potenziellen Legalisierung des Sportwettengeschäfts. Die jüngsten Marktschätzungen beziffern das zukünftige Potenzial aus US-Sportwetten zwischen 5 und 19 Milliarden Dollar bis 2023. Im Vergleich dazu sind es in Großbritannien 5 Milliarden Pfund.

Bis dahin peilt William Hill einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den USA von 300 Millionen Pfund an. Ein Deal mit dem US-Unterhaltungsriesen Ceasars Entertainment könnte die Expansion in den USA deutlich beschleunigen.

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Online-Casino 888 bestätigt Übernahme-Interesse von William HillDer britische Glückspielanbieter 888 hat ein Übernahme-Angebot von William Hill erhalten. Ob der Deal stattfindet, ist allerdings fraglich. Verschiedene Steine müssen noch aus den Weg gerollt werden. › mehr lesen


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.