Willkommen im Lockdown

Deutschland Aktien shutterstock_401691988 gopixa

Seit gestern steht das Land wieder still – doch die meisten ahnen, dass weder Monatswechsel noch Weihnachtsfest das Ende markieren. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Willkommen im Lockdown Light – seit gestern steht das öffentliche Leben wieder weitgehend still, sind Zuschauer wieder aus dem Fußballstadion verbannt, ebenso Künstler von der Bühne und Gastronomen von der Theke.

Geöffnet bleiben jedoch – im Gegensatz zur beispiellosen ersten Version des Lockdowns vom Frühjahr – Schulen, Kitas, Industriebetriebe und der Einzelhandel. Noch einmal wollte man der Bevölkerung solch umfassende Einschnitte nicht zumuten, und das obwohl die Fallzahlen zuletzt deutlich höhere Rekordwerte erreichten und auch der Lockdown im Frühjahr in Deutschland vergleichsweise „light“ ausfiel, gemessen an den Einschnitten in vielen Nachbarstaaten.

Dieser Lockdown wird nicht „light“

Doch auch wenn diesmal zunächst mehr geöffnet bleiben soll: Die kommenden Wochen werden wohl alles andere als leicht. Im Gegensatz zum letzten Mal steht nicht der Sommer vor der Tür, der zum Flanieren im Freien einlädt, wo das Infektionsrisiko erheblich geringer ist als im geschlossenen Raum. Nein, diesmal sind es die dunklen, kalten Wintermonate, die auch außerhalb von Pandemiezeiten vielen Menschen aufs Gemüt schlagen und in diesem Jahr noch schwerer fallen dürften.

Da hilft es wenig, dass die Maßnahmen zunächst bis Ende November befristet sind. Die Mehrheit ahnt es bereits: Sollten die Infektionszahlen bis Anfang Dezember nicht deutlich gesunken sein, werden die Maßnahmen verlängert, womöglich gar verschärft. Irgendwie Weihnachten möglich machen, das gilt derzeit als politisches Ziel, um wenigstens irgendein Licht im Dunkel anbieten zu können.

Weihnachten als Superspreading-Event?

Doch die Bundeskanzlerin sprach nicht umsonst vor wenigen Tagen von „vier harten Monaten“, die dem Land bevorstehen. Allzu verfrühte großzügige Lockerungen würden die Fallzahlen wieder in die Höhe schnellen lassen und einen erneuten Lockdown notwendig machen – der kommt zum Jahreswechsel möglicherweise ohnehin, denn auch ein Weihnachten im kleineren Familienkreis hat das Potenzial, zum Superspreading-Ereignis zu werden und das Virus wieder überregional zu verbreiten. Corona reist mit, wenn die Familie aus Berlin die Großeltern in Bayern besucht und umgekehrt.

Die bittere Wahrheit ist: Die Einschränkungen werden auch Ende November nicht vorbei sein, sondern allenfalls unterbrochen werden. Irgendeine Form von Lockdown, ob nun „light“ oder „premium“, wird uns wohl durch den Winter begleiten und immer wieder begegnen, solange weder ein Impfstoff noch ein erfolgreicher Therapieansatz gefunden, zugelassen und großflächig verfügbar sind.

Wo die Pandemie Chancen bietet

An diese neue Realität muss sich nicht nur die Gesellschaft gewöhnen, auch die Wirtschaft muss sich umstellen – und vielleicht bietet die Krise diesbezüglich auch langfristige Chancen. So haben viele Arbeitgeber im Zuge der Pandemie feststellen dürfen, dass ihre Belegschaft auch aus dem Home Office zu produktivem Arbeiten imstande ist oder internationale Konferenzen auch virtuell realisiert werden können. Beides spart Reisewege, und damit Zeit und Kosten.

Auch eine Beschleunigung der Ausstattung von Bildungseinrichtungen mit digitaler Infrastruktur und entsprechend geschultem Lehrpersonal bietet vielversprechende Potenziale. Aber auch stets aufgefüllte Seifenspender, Desinfektionsmöglichkeiten und frisch gelüftete Klassenzimmer sind für viele Schulen leider schon eine Verbesserung – die hoffentlich auch über Lockdown und Infektionsgeschehen hinaus erhalten bleibt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz