Wincor Nixdorf-Aktie vor Kursschub?

Lange Zeit galt der Paderborner Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf als Überflieger an der Börse. Doch diese Performance gehört längst der Vergangenheit an. Zuletzt enttäuschte der Konzern immer wieder und bei der Aktie setzte zu Beginn des Jahres eine rasante Abwärtsbewegung ein.

Jetzt gibt es aber Nachrichten, die das Unternehmen wieder ins Blickfeld der Anleger rücken lassen und die Aktie aus der Seitwärtsbewegung rausreißen könnte.

Übernahme im Gespräch

Die Wincor Nixdorf zählt zu einem der weltweit führenden Anbieter von IT-Lösungen für Retail-Banken und Handelsunternehmen. Jetzt steht das Unternehmen offensichtlich vor einer Übernahme.

So wurde am Wochenende mitgeteilt, dass es derzeit Gespräche mit der US-Firma Diebold über einen möglichen Zusammenschluss gibt. Diebold hat seinen Sitz in North Canton (Ohio) und ist ein Hersteller von Hard- und Softwaresystemen für Selbstbedienungsautomaten – also in einem ähnlichen Segment tätig.

Einzelheiten des möglichen Deals sind ebenfalls schon bekannt: So besteht das Übernahmeangebot wohl aus einer Kombination aus Barmitteln und Diebold-Aktien. Dies würde einem Wert von 52,50 Euro je Aktie der Wincor Nixdorf AG entsprechen und bedeutet damit einen gehörigen Aufschlag gegenüber dem Schlusskurs von Freitag.

Noch ist „abwarten“ angesagt

Doch noch ist dieser Übernahmeversuch alles andere als bereits in trockenen Tüchern. So gibt es noch weitere Prüfungen und es darf abgewartet werden, wie lange dieser „Poker“ sich hinziehen wird.

Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, so würde die Digitalisierung der Bankenbranche allerdings einen erheblichen Schritt nach vorne machen. Und dies sogar international. Denn während Wincor Nixdorf in Europa stark ist, ist Diebold Marktführer in den USA.

Wie erwähnt, könnte diese Übernahme das schwache Umfeld des Segments, was die Aktie stark beutelte, vergessen machen. Seit Jahren kämpfen die Unternehmen gegen eine schwache Nachfrage gegenüber Geldautomaten.

Diesbezüglich haben die Paderborner sogar ein Sanierungsprogramm gestartet, das vorsieht, dass von den rund 9.200 Arbeitsplätzen rund 1.100 Stellen gestrichen werden sollen. Zudem ist eine Konzentration auf das Softwaregeschäft vorgesehen.

Die letzten Zahlen belegen die Schwäche eindrucksvoll: So sind in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2014/2015 sowohl Umsatz als auch das operative Ergebnis (mit einem Minus von fast 50% auf 40 Mio. Euro) deutlich zurückgegangen. Die Erlöse sanken um 2% auf 1,76 Mrd. Euro.

Kurzfristiger Kursschub kann auch länger anhalten

Ich rechne damit, dass es zum Wochenauftakt einen deutlichen Schub für die Aktie gibt. Möglicherweise ist dies der Beginn eines Aufwärtstrends: Denn nicht nur die Übernahmefantasie spricht für die Aktie. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 und einer Dividendenrendite von mehr als 4% ist der Wert auch recht attraktiv bewertet.

19. Oktober 2015

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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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