Wincor Nixdorf: Kurssprung nach Übernahmeangebot

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Jetzt also doch: Das MDax-Unternehmen Wincor Nixdorf steht vor einer Übernahme durch den US-Konkurrenten Diebold. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die im MDax gelistete Wincor-Nixdorf-Aktie legte heute einen gewaltigen Kurssprung hin. Der Grund dafür: Ein milliardenschweres Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Diebold. Der Geldautomaten- und Kassensystem-Hersteller Wincor Nixdorf galt schon seit längerem als Übernahmekandidat.

Bereits im Juni diesen Jahres hatte es an der Börse Spekulationen gegeben, dass Diebold den deutschen Wettbewerber Wincor Nixdorf übernehmen wolle. Damals konkretisierte sich dieses Thema jedoch nicht.

Jetzt – rund 4 Monate später – wird es ernst. Erfahren Sie jetzt die aktuellen Details und Hintergründe der geplanten Wincor-Nixdorf-Übernahme.

Diebold legt Übernahmeangebot vor

Der US-Konzern Diebold legt eine Offerte in Höhe von 1,73 Mrd. Euro für das ostwestfälische MDax-Unternehmen Wincor Nixdorf vor. Damit beträgt das Angebot je Aktie 52,50 Euro.

Diese Offerte ist allerdings noch nicht bindend. Denn: Die Prüfung der Bücher ist noch nicht abgeschlossen. Außerdem ist noch völlig unklar, wie hoch die Barkomponente ausfallen wird.

Auch das werde erst nach der Prüfung der Bücher entschieden. Hintergrund: Diebold will den Aktionären von Wincor Nixdorf eine Mischung aus Barabfindung und Diebold-Aktien bieten.

Da hinter der geplanten Übernahme noch einige Fragezeichen stehen, lag der Kurs der Wincor-Nixdorf-Aktie heute noch deutlich unterhalb der von Diebold unverbindlich gebotenen 52,50 Euro. Dennoch verbuchte die Wincor-Nixdorf-Aktie heute in der Spitze einen Aufschlag von 22% im Vergleich zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

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Die Hintergründe der geplanten Übernahme

Sollte der Deal am Ende klappen, würden sich dadurch die Nummer 2 und die Nummer 3 der Branche zusammenschließen.

Diebold ist bisher stark auf dem nordamerikanischen Markt vertreten und könnte bei einer Übernahme die Präsenz in Europa deutlich stärken. Insofern würde die Übernahme zum einen Sinn machen und zum anderen sollte sich der Gegenwind der Kartellbehörden in Grenzen halten.

Wincor Nixdorf und Diebold liegen aktuell – wie bereits erwähnt – auf den Plätzen 2 und 3 der Branche und damit hinter dem US-Konzern NCR. Durch einen Zusammenschluss von Diebold und Wincor Nixdorf könnte NCR (unter Berücksichtigung der jüngsten Zahlen) umsatzmäßig zwar nicht vom Thron gestoßen, sehr wohl aber stärker angegriffen werden.

Meine Einschätzung sollte sich bewahrheiten

Am 16. Juni des laufenden Jahres, als ich Ihnen über die damaligen Übernahmegerüchte rund um Wincor Nixdorf berichtete, schrieb ich folgendes: “Da die Aktie von Wincor Nixdorf aus fundamentaler Sicht eher leicht überbewertet als günstig ist, winken Wincor-Aktionären kurzfristige Gewinne zunächst nur im Falle einer Übernahme.”

Diese Einschätzung sollte sich bis hierhin bewahrheiten. Denn: In der Folge geriet die Aktie zunächst unter Druck. Doch wer zum damaligen Zeitpunkt bei Kursen um 36 eingestiegen ist, liegt heute bereits rund 25% im Plus.

Allerdings war es damals wie heute riskant, auf diesen Zug auszuspringen. Ich sehe auch heute noch mehr Risiken als Chancen bei Wincor Nixdorf. Sollte die Übernahme doch noch platzen, hieße es, zurück auf Los. Sollte die Übernahme klappen, ist – Stand heute – noch nicht klar, was Wincor-Nixdorf-Aktionäe tatsächlich erhalten.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.