Wincor Nixdorf: Vorstand erteilt US-Konkurrenten klare Absage

Bereits im April 2015 gab es Gerüchte um eine mögliche Übernahme des im MDax notierten Unternehmens Wincor Nixdorf. Der in Paderborn ansässige Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen stand nach Medienberichten zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Übernahme durch einen Finanzinvestor.

Die Aktie von Wincor Nixdorf reagierte damals mit einem deutlichen Tagesplus von 17%. In den folgenden Tagen löste sich der hohe Tagesgewinn allerdings wieder in Luft auf. Der Grund: Ein Dementi von Wincor Nixdorf. Das Unternehmen teilte mit, dass es zwar eine Option sei, sich zum Verkauf zu stellen – aber eben auch nicht mehr.

Neue Übernahmegerüchte sorgten für neuen Kursanstieg

Am Mittwoch vergangener Woche gab es dann wieder ein deutliches Tagesplus für die Wincor-Nixdorf-Aktie. Die Aktie stieg in der Spitze um über 10%. Der Grund dafür waren erneut Übernahmespekulationen.

Gerüchten zufolge hätte Wincor Nixdorf mit dem US-Konkurrenten Diebold über einen Zusammenschluss verhandelt. Doch wieder folgte ein Dementi seitens des MDax-Unternehmens. Vorstandschef Eckard Heidloff sagte im Interview mit der „Börsen-Zeitung“: „In diesem Fall ergibt 1+1 weniger als 2“.

Soll heißen: Ein Zusammenschluss zwischen Wincor Nixdorf und Diebold macht aus Heidloffs Sicht wenig Sinn. Daher glaubt er auch nicht an eine mögliche feindliche Übernahme durch den US-Konkurrenten. Nach seiner Einschätzung würde ein Zusammenschluss beide Unternehmen wegen des hohen Restrukturierungsaufwands lähmen.

Dass sich zuletzt Marktspekulationen häuften, liegt nach Einschätzung von Heidloff daran, dass Nixdorf im Rahmen des eingeleiteten Restrukturierungsprogramms mit Wettbewerbern über Kooperationen und Partnerschaften spricht.

Wincor Nixdorf hat andere Pläne

Wincor Nixdorf will im Rahmen der Restrukturierung das Thema „Bargeldloses Bezahlen“ verselbständigen und für Dritte öffnen. Der Paymentbereich, der zuletzt einen Umsatz von 50 Mio. Euro erzielte, soll als eigenständiges Unternehmen ausgegründet werden.

An dieser Ausgliederung will Wincor Nixdorf künftig 51% der Anteile halten und das Unternehmen damit „beherrschen“. Die restlichen 49% der Anteile sollen mittelfristig an die Börse gebracht werden.

Die Paymentsparte von Wincor Nixdorf wächst sehr stark. Bis zum Geschäftsjahr 2017/2018 wird diese Sparte nach Aussage von Heidloff auf ein Umsatzvolumen von 150 Mio. Euro kommen. Die Ausgründung soll bereits am 30. September des laufenden Jahres erfolgen.

Fazit: Kurzfristige Gewinne winken nur im Falle einer Übernahme

Da die Aktie von Wincor Nixdorf aus fundamentaler Sicht eher leicht überbewertet als günstig ist, winken Wincor-Aktionären kurzfristige Gewinne zunächst nur im Falle einer Übernahme. Da eine Übernahme allerdings nur eine Option ist und nicht zwangsläufig forciert wird, ist von deutlichen kurzfristigen Kurssteigerungen nicht auszugehen.

Wenn das Unternehmen sich und vor allem die eigene Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern kann, sind mittel- bis langfristig aber auch ohne eine Übernahme weitere Kurssteigerungen möglich. Dazu könnte auch die Ausgliederung der Paymentsparte beitragen.

16. Juni 2015

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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