WincorNixdorf-Übernahme: Diebold meldet Vollzug

Die Übernahme des Kassensysteme-Herstellers WincorNixdorf durch den US-amerikanischen Rivalen Diebold ist jetzt auch formal über die Bühne gegangen.

Nachdem Ende Juli die letzte ausstehende Genehmigung eingeholt werden konnte, war  auch mit einem zeitnahen Deal-Abschluss gerechnet worden.

Ab Morgen werden Sie dann das Unternehmen aus dem SDAX nicht mehr unter WincorNixdorf sondern unter DieboldNixdorf finden.

Aktie des Übernahme-Kandidaten inzwischen über Angebotspreis

Aktionäre, die das Übernahme-Angebot aus November 2015 angenommen hatten, bekommen jetzt je WincorNixdorf-Aktie 39,98 € in bar sowie 0,434 Diebold-Aktien.

Zum Zeitpunkt der Angebots-Abgabe lag der Wert bei rund 52,50 € – nach einer kleinen Kursrally im Juli und August heute ebenfalls.

Der Kurs der WincorNixdorf-Aktie – die Teil meines Börsendienstes „Übernahme-Gewinner“ ist – notiert inzwischen rund 7% über dem Angebotspreis.

Offenbar rechnen einige Investoren auf weitere Wertsteigerungen nach dem Deal (keine Kaufempfehlung).

Dies könnte in Zusammenhang mit den zu erwarteten Synergien stehen, welche die Effizienz von WincorNixdorf steigern könnte.

Zudem waren die Zahlen für das jüngste Geschäfts-Quartal stark. Die große Mehrzahl der Analysten bleibt aber skeptisch und empfiehlt den Ausstieg (keine Verkaufs-Empfehlung).

Steuer für Privat-Anleger: Annahme-Quote nur knapp erreicht

Die Übernahme wäre beinahe nicht zustande gekommen, obwohl die überwältigende Mehrheit den Deal wollte. Diebold verlangte für einen erfolgreichen Deal eine Annahme-Quote von 2/3.

Das ist soweit nicht ungewöhnlich, doch in Deutschland wurde der Baranteil des Mischangebots bei Privat-Anlegern besteuert. Damit war eine Angebots-Annahme für Privat-Anleger uninteressant.

An der Börse war die Aktie nämlich stets mehr wert – was völlig verständlich ist, da internationale Anleger und Groß-Investoren nicht von der Steuer betroffen waren.

Wie bei anderen Übernahmen auch, gab es zusätzlich noch Index-Fonds, die auch nicht das Angebot annehmen konnten.

Am Ende entschieden nur 1,3% über den Ausgang der Übernahme. Ohne den Steuer-Irrsinn wäre das Ergebnis deutlich eindeutiger ausgefallen.

Trotz hohem Synergie-Potenzial: Nicht alle Analysten vom Deal überzeugt

Die Übernahme wurde von vielen Beobachtern als äußerst positiv bewertet.

Hauptgrund ist die wachsende Wichtigkeit von Online-Bezahldiensten oder Kreditkarten und der damit verbundene geringere Bargeld-Bedarf in den westlichen Ländern.

Kritiker bemängeln, dass zwei zusammengebundene Ziegelsteine auch nicht besser schwimmen, doch so dramatisch ist die Situation mit Sicherheit nicht.

Wincor konnte im zurückliegenden 3. Quartal bei Umsatz und Ergebnis kräftig zulegen und die Restrukturierung trägt sichtbare Früchte.

Zusammen mit Diebold sollen jährlich 160 Mio. Dollar Synergien gehoben werden – die Effizienz könnte also weiter steigen.

Unternehmen kündigen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an

WincorNixdorf kündigte bereits an, dass man nach der Mehrheits-Übernahme durch Diebold sich dem neuen Großaktionär unterordnen werde.

Dafür wird ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag geschlossen, der dem Großaktionär einige Vorteile ermöglicht. Aber auch die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten profitieren von dem Vertrag.

Denn der Vertrag regelt die jährliche Gewinn-Beteiligung für die Wincor-Aktionäre, die dann unabhängig von der Geschäfts-Entwicklung fließen wird. Dies macht den Aktienkurs im Verhältnis zu „normalen“ Aktien ziemlich stabil.

Die Einzelheiten des Vertrags (Höhe der Abfindung und Gewinn-Beteiligung) stehen allerdings noch nicht fest. Darüber wird zeitnah auf einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden.

Je nachdem wie der Vertrag aussieht, könnte es dann noch einmal sehr schwankungsstark mit der DieboldNixdorf-Aktie zugehen.

15. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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