Windeln.de-Aktie: Online-Händler vermasselt Börsengang

Diese Woche wagte der auf Kleinkinder-Produkte spezialisierte Online-Händler Windeln.de den Sprung auf das Börsenparkett.

Die Eckdaten waren eigentlich nicht schlecht, wenn da nicht die hohe Bewertung gewesen wäre. So verlor der Kurs am Tag der Erstnotiz knapp 20% an Wert.

Wie sind die Zukunfts-Perspektiven des Internet-Unternehmens? Wer steckt eigentlich hinter dem Konzern? Ist die Bewertung durch den Kurssturz schon attraktiv?

Konzern glänzt mit hohem Umsatz-Wachstum

Das 2010 gegründete Unternehmen aus Grünwald bei München legte ein strammes Wachstum hin:

In den vergangenen 3 Jahren kletterten die Erlöse von gut 21 Mio. € auf zuletzt 101 Mio. €. Unterm Strich fiel jedoch ein Verlust von 9,8 Mio. € an. Seit der Gründung sind Verluste über rund 34,5 Mio. € aufgelaufen.

Das Unternehmen betont, dass der Online-Shop windeln.de, der für über 88% der Umsätze steht, bereits profitabel ist.

Die Verluste kommen primär von der Tochtergesellschaft windelbar.de, auf der Restposten verkauft werden und die nur 9% der Erlöse beisteuert.

Um das Wachstum zu finanzieren, sind die Investment-Bank Goldman Sachs und die Deutsche Bank vor dem Börsengang eingestiegen.

Beide Banken sind weiterhin mit 12,8% bzw. 11,1% am Unternehmen beteiligt. Weitere Großaktionäre sind die Wachstums-Finanzierer DN Capital (24,3%) und Acton Capital (19,5%).

Management mit E-Commerce-Erfahrung

Auch wenn windeln.de noch Verluste schreibt, bringt das Management einiges an Erfahrung mit:

So kommt, Konstantin Urban, einer der Firmengründer, von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Dort hat Urban das Internet-Beteiligungsgeschäft als Geschäftsführer geleitet und Firmen wie Parship und Experteer groß gemacht.

Nach dem Börsengang hält das Management über ihre eigene Vermögens-Verwaltung übrigens noch 13% an der Firma.

China ist wichtiger Markt

Mit 17 Mio. Geburten im Jahr ist China ein wichtiger Markt für windeln.de. Hier haben sich die Münchener frühzeitig positioniert.

Mittlerweile kommt mehr als die Hälfte der Umsätze aus China. Insgesamt 146.000 Kunden stammen aus dem Reich der Mitte (von insgesamt 496.000).

Dabei ist das wichtigste Produkt Milchpulver. Nach den Skandalen um verunreinigte Babymilch greifen immer mehr chinesische Mütter auf europäische Produkte zurück.

Geld aus Börsengang soll in Wachstum fließen

Insgesamt flossen dem Unternehmen beim Börsengang gute 100 Mio. € zu. Damit soll das weitere Wachstum forciert werden.

Gerade erst wurde das tschechische Unternehmen Feedo für rund 11 Mio. € (plus umsatzabhängige Zahlungen) übernommen. Die Strategie von windeln.de ist der Zukauf von Wachstum und das Heben von Skalen-Effekten.

Geplant ist auch die Ausweitung des Produkt-Sortiments auf Kleidung und Produkte für ältere Kinder. Hier erhofft sich der Konzern höhere Margen.

Interessante Positionierung, aber immer noch zu teuer

Windeln.de hat ein paar interessante Vorteile gegenüber anderen E-Commerce-Unternehmen:

Zum einen liegt die Retouren-Quote mit 6% extrem niedrig (im Modebereich bei über 40%). Das reduziert die Logistik-Kosten.

Zum anderen kann die Firma sehr gezielt die Produkte bewerben. Durch die Bestellungen weiß windeln.de genau, in was für einem Alter die Kinder sind und kann passende Werbung verwenden.

Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht: Mit Rossmann und DM setzen jetzt auch zwei Schwergewichte auf den Online-Handel.

Fazit

Trotz Kurseinbruch ist windeln.de mit knapp 380 Mio. € bewertet. Das entspricht dem 3,8-fachen Umsatz. Gewinne dürften ohnehin frühestens in 2017 anfallen – also einiges an Vorschusslorbeeren.

Weiterer Druck könnte in knapp 1/2 Jahr aufkommen. Denn dann läuft die Haltefrist für die Altaktionäre aus.

8. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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