Windkraft-Aktien: Nordex, PNE Wind und Vestas

Nordex befindet sich mit seiner strategischen Neuausrichtung auf dem richtigen Weg.

Im 1. Halbjahr hat die Gruppe den Umsatz um 57% auf 661 Mio € erhöht. Dieser positive Trend geht auf das wachsende Geschäft in Europa zurück, wo Nordex 93% von seinem Umsatz erzielt hat.

Dagegen ging die Bedeutung der Vertriebsregionen Amerika und Asien zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich von -13,1 Mio € auf +15 Mio €. Hauptgründe hierfür waren die gestiegene Produktivität, der erfolgreiche Vertrieb neuer Turbinen und technischer Lösungen sowie unterschiedliche Kostensenkungsmaßnahmen.

Nordex schließt schwach ausgelastete Werke

In diesem Zusammenhang hat Nordex entschieden, die nur schwach ausgelasteten Werke in den USA und in China zu schließen. Nach Steuern erwirtschaftete Nordex wieder einen Gewinn in Höhe von 1,3 Mio €.

Mit einer leicht auf 28,4% gestiegenen Eigenkapitalquote verfügt die Gruppe weiterhin über eine stabile Bilanz. Die flüssigen Mittel betrugen 174,7 Mio €, und die Netto-Verschuldung lag bei niedrigen 18 Mio €. Das Neugeschäft entwickelte sich weiterhin schwungvoll.

So stieg der Auftragseingang nochmals um 61% auf 839 Mio € und erreichte damit eine neue Rekordmarke. Wesentliche Erfolge erzielte der Konzern dabei in seiner Stammregion EMEA, aus der 86% der neuen Aufträge stammen.

Ausblick positiv

Vor dem Hintergrund der positiven Geschäftsentwicklung hat der Vorstand seinen Ausblick für 2013 erhöht und geht jetzt von einem Umsatz in Höhe von 1,3 bis 1,4 Mrd € aus. Das Ziel für die EBIT-Marge hat Nordex auf 2,5 bis 3,5% nach oben angepasst. Der eingeschlagene Weg überzeugt.

Unternehmensporträt

Nordex ist einer der technologisch führenden Anbieter von Windkraftanlagen und profitiert besonders vom Trend zur Großanlage. Das Produktprogramm reicht bis zur derzeit größten Serien-Windkraftanlage der Welt (N80/2.500 kW). Damit verfügt Nordex über praxiserprobte, effiziente Hochleistungs-Windturbinen für das Festland. Das Unternehmen ist weltweit in 18 Ländern mit Büros und Tochtergesellschaften vertreten.

PNE Wind AG investiert kräftig

Der Umsatz von PNE Wind lag im 1. Halbjahr mit 21,7 Mio € um 77% über dem – allerdings sehr schwachen – Vorjahreswert. Da das Unternehmen kräftig in die Entwicklung von Offshore- und Onshoreprojekten investiert, reichte das aber nicht aus, um die Kosten zu decken. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei -5,6 Mio €.

In den ersten sechs Monaten 2013 hat PNE vor allem Vorleistungen im Rahmen der Projektentwicklung erbracht, die Fortschritte spiegeln sich aber noch nicht adäquat in der Gewinn- und Verlustrechnung wider. Dieses Bild soll sich im 2. Halbjahr ändern.

Das Management geht unverändert davon aus, dass der dänische Energiekonzern DONG die finale Investitionsentscheidung für einen der von PNE erworbenen Offshore-Windparkprojekte treffen wird, das würde zu einer Meilensteinzahlung in zweistelliger Millionenhöhe führen.

Außerdem soll ein Projektpaket mit einer Gesamtnennleistung von 180 MW in Deutschland an Investoren ganz oder teilweise veräußert werden. Das sind die beiden Haupttreiber für die Unternehmensprognose, die unverändert bei einem operativen Ergebnis von 45 bis 57 Mio € im 2. Halbjahr liegt.

Offshore-Aktivitäten werden verstärkt

PNE treibt die Offshore-Aktivitäten weiter voran und hat über seine Tochtergesellschaften „Atlantis“ drei Offshore-Projekte in der Nordsee von der Bard Engineering GmbH erworben.

Als Kaufpreis werden zunächst 17 Mio € fällig, weitere Teilzahlungen können beim Erreichen bestimmter Meilensteine anstehen. Auf den Flächen können 240 Windenergieanlagen der Fünf-Megawatt-Klasse errichtet werden. Die Aktie hat sich gut entwickelt.

Unternehmensporträt

Die PNE Wind AG plant, konzipiert und errichtet Windkraftanlagen zur Stromerzeugung. Seit dem Jahr 2000 ist das Unternehmen, außer im Kerngeschäft Windkraft, auch in den Bereichen Sonne und Biomasse aktiv und erzeugt Strom und Wärme mittels Biomassekraftwerke, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen. PNE Wind sieht die Zukunft in Offshoreanlagen auf hoher See, in Wasserkraft und Geothermie.

Vestas Wind Systems mit neuem Vorstand

Vestas hat sich von seinem langjährigen Vorstandsvorsitzenden getrennt und den schwedischen Telekom-Manager Anders Runevad zu seinem Nachfolger ernannt. An der Börse hatte Engel, der den Konzern seit 2005 geführt hat, schon lange das Vertrauen der Investoren verloren.

Ein neuer Vorstand läutet hoffentlich die Wende ein. Der Windturbinenhersteller muss wieder auf Kurs gebracht werden. Dem alten Manager hatte man das nicht mehr zugetraut. Engel hat zu spät auf die Krise in der globalen Windindustrie reagiert und zu lange die Produktionskapazitäten erhöht.

2011 beschloss das Management dann einen harten Sparplan, der bis Ende dieses Jahres eine Kostenreduktion von mehr als 400 Mio € bringen soll – in erster Linie durch Abbau von Personal.

Jetzt ist viel zu tun. Denn der Umsatz ging im 2. Quartal um 25% auf 1,18 Mrd € zurück. Nach einem Verlust von 8 Mio € im Vorjahreszeitraum stand jetzt unterm Strich ein dickes Minus von 62 Mio €. Hoffnung macht das gefüllte Auftragsbuch.

Vestas auf dem Wege der Erholung

Vestas hat im 2. Quartal wieder Neuaufträge für gut 1.600 Megawatt eingesammelt – ein Plus von 74% zum Vorjahr. Aber auch der freie Cashflow konnte spürbar erhöht werden. Deutlich verbessert werden muss die Rentabilität. Eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC) von knapp 2% ist nicht akzeptabel.

Der Konzern hofft, dass das Geschäft in Amerika wieder deutlich anziehen wird und will eine Turmfabrik in Colorado, die eigentlich verkauft werden sollte, jetzt doch behalten. Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten erwarten wir eine durchschnittliche Kursentwicklung und erhöhen die Timing-Einstufung auf 3 Sterne.

Unternehmensporträt

1979 installierte Vestas die erste Windenergieanlage. Seitdem spielt das Unternehmen eine aktive Rolle in der dynamischen Windenergiebranche. Vom Branchenpionier hat sich Vestas zum Marktführer in der Herstellung von hochtechnologischen Lösungen für Windenergie entwickelt.

Zum Kerngeschäft gehören die Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Vermarktung und Instandhaltung von Windenergieanlagen, die Windenergie in elektrischen Strom umwandeln.

4. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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