Windkraft: Vestas wird von Siemens vom Thron verdrängt

Die Siemens-Tochter Gamesa hat es geschafft und ist im vergangenen Jahr am bisherigen Marktführer Vestas vorbeigezogen. (Foto: fokke baarssen / shutterstock.com)

Siemens ist erstmals die weltweite Nummer 1 in der Windkraft-Industrie.

Die Siemens-Tochter Gamesa zog 2017 am bisherigen Platzhirsch Vestas vorbei. Demnach wurden Siemens-Gamesa-Rotoren an Land und auf See mit einer Leistung von 9,52 Gigawatt (GW) installiert. Vestas kam auf 7,71 GW. Die chinesische Goldwind konnte den dritten Platz behaupten, während die RE-Sparte von General Electric vom zweiten auf den vierten Platz rutschte.

Die Unternehmen haben es geschafft, ihre strategische Stellung zu verbessern und ihren Marktanteil zu konsolidieren. Das ist überlebenswichtig, denn der Welt-Windmarkt ist zuletzt kaum noch gewachsen. Im vergangenen Jahr wurden Anlagen mit einer Leistung von 56 GW installiert – nur 2 mehr als 2016. Im Jahr 2015 waren es noch 63 GW gewesen.

Vestas leidet wie seine Wettbewerber unter der schwächeren Nachfrage und dem Preisverfall. 2017 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zurück. Auch das operative Ergebnis lag rund 13% unter dem Vorjahreswert. Allerdings erhöhte sich der Auftragsbestand auf 11.176 Megawatt (MW).

Argentinien ist ein Schlüsselmarkt für Vestas

Nachdem Vestas im vergangenen Jahr sein Geschäft in Asien-Pazifik und China neu strukturiert hat, soll jetzt die Präsenz in Lateinamerika mit einer neuen Montage- Anlage verstärkt werden. Insgesamt sollen in Argentinien rund 300 direkte und indirekte Arbeitsplätze durch die neue Fabrik entstehen. Der Markt für Windkraftanlagen hat in Argentinien ein großes Wachstumspotenzial, neue Installationen sollen 2025 rund 10 GW erreichen.

Vestas ist bereits seit 1991 im Land aktiv. Argentinien ist für Vestas ein Schlüsselmarkt in Lateinamerika. Die argentinische Regierung hatte 2015 mit dem RenovAr ein Programm gestartet, das im Jahr 2020 rund 20% des Energiebedarfes mit erneuerbaren Energien decken will.

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Nordex reagiert mit Kostensenkungen auf Marktveränderungen

Nordex steht weiter unter Druck. Mit der Übernahme der Acciona Windpower wollte Nordex wachsen und den Abstand zum dänischen Marktführer Vestas verkürzen. Stattdessen ging der Umsatz im Geschäftsjahr 2017 von 3,4 auf 3,1 Mrd. € zurück. Insgesamt errichtete Nordex 2,7 GW und erreichte damit in etwa das Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis fiel um 15%. Der Konzern hat 2017 genutzt, um sich auf die neuen Marktbedingungen einzustellen.

Die Strukturkosten wurden nachhaltig gesenkt und die neuen, deutlich effizienteren Produkte beschleunigt auf den Markt gebracht. Das sollte sich 2018 im Zahlenwerk bemerkbar machen.

2G Energy befindet sich auf einem guten Weg

Bei 2G Energy hat sich 2017 das Geschäft solide entwickelt. Der Umsatz erreichte das obere Ende der Prognose. Dank eines hohen Auftragsbestands und eines lebhaften Auftragseingangs zu Jahresbeginn zeigte sich das Management optimistisch für die Entwicklung im Jahr 2018.

Erfreulich ist, dass das Geschäft mit erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) sowohl im In- als auch im Ausland anzieht. 2G erhielt erste Anfragen für autarke Inselversorgungskonzepte in Deutschland sowie größere Aufträge aus Frankreich, Japan und Italien. Das Erdgasgeschäft könnte sich als Wachstumstreiber etablieren. Erste Umsätze erzielte 2G zudem mit der neuen Onlineplattform für Ersatzteile.

2G befindet sich auf einem guten Weg. Die Internationalisierung schreitet voran und dürfte das Wachstum stützen.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.