Windreich-Insolvenz: Jetzt erreicht die Krise auch die Windkraft-Branche

Windkraft ist der größte alternative Energieträger in Deutschland. Aber das Off-Shore-geschäft hat riesige Probleme – das zeigt jetzt auch eine neue Insolvenz. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Energiewende in Deutschland fordert ihr nächstes Opfer: Jetzt muss die Windreich AG Insolvenz anmelden.

Damit ist beim Windpark-Entwickler nun nach fast 15 Jahren endgültig die Luft raus. Über Jahre hinweg hat das Unternehmen mit seinem Gründer Willi Balz hohe Schulden angehäuft.

Dabei hat das Geschäftsmodell nicht nur viele Investoren bei Anleihen überzeugt. Auch Banken wie die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin waren bei der Windreich AG stark involviert – vor allem bei den Anleihen. Die Bedingungen hörten sich auch gut an:

So wurde die 2010er Anleihe mit Laufzeit bis März 2015 mit einem ordentlichen Coupon von 6,5% ausgestattet. Und bis März 2013 wurden die Kuponzahlungen auch planmäßig durchgeführt.

Dennoch sackte schon seit Anfang 2012 der Kurs immer weiter ab: Jetzt steht die Anleihe nur noch bei 12% und damit schauen jetzt viele Investoren in die Röhre. Es ist noch nicht klar, ob und wie die Anleihen noch bedient werden.

Immerhin hat Windreich jetzt drei Monate Zeit die Dinge zu ordnen und vielleicht sogar noch zu einem positiven Abschluss zu bringen.

Durch das neue Insolvenzverfahren in Eigenregie, das nun durchgeführt wurde, hat Windreich drei Monate Schutz vor den Gläubigern. Gleichzeitig müssen die Geschäfte nicht dem Insolvenzverwalter übergeben werden.

In diesen drei Monaten kann Windreich einen Käufer für das Unternehmen suchen, der dann einen Plan für die Einigung mit den Gläubigern aufsetzen kann. Wenn das aber nicht gelingt, droht dann eben nach drei Monaten die Insolvenz.

Mit Windreich gerät der größte Anbieter von Off-Shore Anlagen in die Krise

Für das Geschäft mit Offshore-Windparks bedeutet die Windpark Insolvenz nun einen klaren Rückschlag: Immerhin gehören von den Top 8 Windparks in Deutschland drei zur Windreich AG.

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Sicherlich bietet speziell dieser Sektor große Chancen, weil die Schwankungen beim Wind auf See deutlich geringer sind als bei klassischen Windparks. In der Praxis ist also die Effizienz der Offshore-Windparks sehr hoch.

Das hat zunächst auch viele Investoren angelockt – aber jetzt fehlen die Anschlussfinanzierungen. Einige Windparks in der Nordsee sind zwar in der Planung schon weit fortgeschritten.

Doch die tatsächliche Fertigstellung und dann die Einspeisung der Energie ins Stromnetz steckt noch ganz am Anfang.

Die Off-Shore Windenergie hat unbestrittene Vorteile – doch sie kann sich gegen die etablierte On-Shore Technologie nicht wirklich durchsetzen.

Dies erinnert mich stark an das Verhältnis von Photovoltaik und Solarthermie bei der Ausnutzung der Sonnenenergie. Grundsätzlich bietet die Solarthermie die Chance flächendeckend und im großen Maßstab Solarkraft zu nutzen.

Doch durch das bestehende Fördermodell für Photovoltaik ist diese weniger effiziente Form der alternativen Energieerzeugung besser gefördert worden und hat auch mehr Investoren überzeugt.

Die Solarthermie hat sich bislang nicht durchsetzen können, weil die Investoren das Risiko scheuen. Ähnlich könnte sich die Lage bei der Off-Shore Technologie der Windkraft entwickeln.

Es ist gut möglich, dass mit der Windreich Insolvenz aus dem Off-Shore-Geschäft erst einmal die Luft heraus ist.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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