Wir erleben aktuell keine neue Technologieblase

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Einige Anleger haben derzeit Angst vor einer neuen Technologieblase. In einigen Bereichen sehe ich Warnzeichen. Eine flächendeckende Blase sehe ich allerdings nicht. (Foto: mariakray/Shutterstock)

In den vergangenen Tagen und Wochen konnte ich immer wieder von einer neuen Technologieblase lesen. Die US-Technologiebörse Nasdaq hat den Rückschlag durch Corona bereits aufgeholt und neue Höchststände erreicht.

Angesichts dieser Rekordjagd ziehen manche Analysten und Investoren Parallelen zum Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende. Aus meiner Sicht hinkt dieser Vergleich jedoch. Zugegeben: Es gibt spektakuläre Einzelfälle, bei denen man sicherlich von einer Blase sprechen kann. Das beste Beispiel dafür ist Tesla.

Trotz durchwachsener Nachrichten, die nur im Vergleich zu einigen klassischen Autobauern noch relativ gut wirkten, ging die hoffnungslos überbewertete Aktie des Elektroauto-Herstellers in den vergangenen Monaten regelrecht durch die Decke. Der Grund dafür sind Zocker. Viele Kleinanleger sind in der Corona-Krise auf den Aktienmarkt aufmerksam geworden und haben den zwischenzeitlichen Rückschlag als Chance wahrgenommen.

Grundsätzlich ist das durchaus positiv. Allerdings treibt diese Entwicklung auch seltsame Blüten. Viele sehen den Aktienmarkt nicht als gute Möglichkeit, um langfristig attraktive Renditen zu erzielen, sondern eher als Börsencasino.

US-Plattform Robinhood zieht Zocker an

Auf der US-Plattform Robinhood tummeln sich inzwischen mehr als 10 Mio. Trader. Stürzt sich die Masse dieser Zocker auf einen Wert, kommt es häufig zu absurden Kurssprüngen. Zu den beliebtesten Aktien der Robinhood-Trader zählt auch Spartan Energy. Mitte Juli verdoppelte sich der Aktienkurs innerhalb von nur drei Tagen. Nur einen Tag später stand er wieder 40% tiefer.

Auch vor Pleitekandidaten wie Hertz machen die Zocker nicht halt. Vor der Insolvenz des Autovermieters hielten 3.500 Robinhood-Kunden Hertz-Aktien. Mitte Juni waren es 50-mal so viele. Die immense Nachfrage ließ den Aktienkurs zeitweise nach oben schießen. Mit solchen Spekulationen ist ein langfristiger Börsenerfolg ausgeschlossen.

90% der Hobby-Daytrader verlieren Geld

Nicht umsonst verlieren 90% aller Hobby-Daytrader Geld. Deshalb bin ich mir sicher, dass die meisten Freizeit-Zocker, die diese wilden Kurssprünge auslösen, in wenigen Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden sein werden.

Der Grund für die allgemeine Rekordjagd an der Nasdaq sind jedoch nicht die Zocker-Werte, sondern vor allem die hoch gewichteten Aktien von Apple, Amazon, Microsoft oder Alphabet.

Deren starke Entwicklung ist gut begründet. Denn die Digitalisierung, der Megatrend schlechthin im Technologiebereich, erlebt durch Corona einen enormen Schub. Und davon profitieren dank ihrer starken Stellung ganz besonders die Schwergewichte im Technologiebereich.

Zwischenzeitliche Rücksetzer sollten Sie einkalkulieren

Selbstverständlich sollten wir nach der jüngsten Rally zwischenzeitliche Rücksetzer einkalkulieren. Dennoch sehe ich gute Chancen, dass sich die positive Entwicklung im Technologiesektor längerfristig fortsetzt.

Davon abgesehen sollten Sie ohnehin nicht alles auf eine Karte setzen, sondern sich mit einer ausgewogenen Mischung breit aufstellen. Keine Aktie sollte ein Depot-Gewicht von mehr als 10% haben. Eine ausgewogene Mischung finden Sie in meinen Börsendiensten. Aber auch hier im Schlussgong stelle ich Ihnen immer wieder interessante Investments aus allen Bereichen vor.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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