Wird Frankfurt zum größten Brexit-Profiteur?

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Der Finanzplatz Frankfurt steigt im internationalen Ranking deutlich auf und hängt Standortwettbewerber wie Paris oder Luxemburg ab. (Foto: JMiks / shutterstock.com)

Wie sehr die Zeit rast, wird dieser Tage beim Blick aus dem Fenster deutlich: Noch vor wenigen Wochen war es abends um 22 Uhr noch taghell, inzwischen beginnt die Nacht bereits zur Tagesschau. Der Herbst hat begonnen. Es ist der letzte Herbst, in dem Großbritannien noch der Europäischen Union angehört.

Denn voraussichtlich im März 2019 ist es soweit: Dann soll das Votum der britischen Volksbefragung vom 23. Juni 2016 umgesetzt werden und das Vereinigte Königreich die Staatengemeinschaft offiziell verlassen.

Furcht vor ungeordnetem Brexit

Noch immer wird unter Hochdruck verhandelt, noch immer geht es nur schleppend voran, noch immer sind die Fronten verhärtet und wichtige Fragen ungeklärt. Doch die Zeit drängt. Gelingt es den Unterhändlern nicht, sich auf gemeinsame Rahmenbedingungen zu verständigen, droht ein ungeordneter, „harter“ Brexit – den nicht nur viele Bürger, sondern auch viele Firmen fürchten.

Es geht um Reisefreiheit, Zölle und Grenzkontrollen, um Aufenthaltsgenehmigungen für Briten auf dem Festland und EU-Bürger auf den britischen Inseln, um internationalen Güterverkehr – und nicht zuletzt um Finanzgeschäfte. London gilt nach wie vor als wichtigster Finanzplatz Europas. Doch etliche Großbanken und Finanzdienstleister stärken nun ihre Positionen in anderen europäischen Ländern, nicht zuletzt aufgrund der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten für die Zeit nach März 2019.

Frankfurt legt im internationalen Ranking zu

Im Rennen darum, wer am stärksten vom Brexit profitiert, konnte Frankfurt zuletzt punkten: In einem vielbeachteten internationalen Ranking, dem Global Financial Centres Index, der zweimal im Jahr erscheint, stieg die Mainmetropole zuletzt von Rang 20 auf Rang 10 auf – und hängt Konkurrenten wie Paris damit deutlich ab. Die französische Hauptstadt schaffte es gerade einmal auf Rang 23 und verbesserte sich damit um einen Platz, Luxemburg liegt auf Platz 21 leicht davor.

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Finanzplatz Frankfurt im europäischen Standortwettbewerb kürzlich stärkere Unterstützung zu. Am Main rechnet man mit tausenden neuen Arbeitsplätzen durch den Brexit, wenn Banken, Kanzleien und andere Größen aus der Finanzbranche ihre Präsenz ausbauen.

Pub-Kette streicht Jägermeister von der Karte

In Großbritannien wirft der bevorstehende EU-Austritt unterdessen ebenfalls seine Schatten voraus. So hat die Pub-Kette JD Wetherspoon angekündigt, verschiedene Getränke aus EU-Ländern von der Karte zu streichen, darunter auch den Jägermeister aus Niedersachsen.

Bereits ab Ende September wird der Kräuterschnaps neben anderen EU-Produkten nicht mehr zu haben sein in den rund 880 Lokalen der Kette. Stattdessen setzt deren Chef Tim Martin, überzeugter Brexit-Befürworter der ersten Stunde, auf Produkte aus den USA und anderen Drittstaaten – sicherheitshalber, denn sollte es tatsächlich zum ungeregelten EU-Austritt kommen, ist Chaos vorprogrammiert.

Martin selbst will davon jedoch nichts wissen. Er verweist auf Blindverkostungen. Bei diesen hätten die neuen Produkte nun einmal besser abgeschnitten als diejenigen, die aus dem Sortiment fliegen. Es ist eben alles eine Frage des Geschmacks.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.