SGL Carbon: Wird hier die Zukunft gehandelt?

Carbon ist der Werkstoff der Zukunft. Doch lässt sich damit Geld verdienen? – Wir haben hier die Aktie von SGL Carbon unter die Lupe genommen: (Foto: Eaum M / shutterstock.com)

Kennen Sie einen leidenschaftlichen Radfahrer?

Drehen Sie vielleicht selbst gerne in hautengen Hosen und leicht nach vorn gebeugter Haltung Ihre Runden auf dem Rennrad?

Egal, ob Sie selbst sportlich aktiv sind oder nur einen Rad-Enthusiasten kennen:

Dass Carbon eine immer wichtigere Rolle im Radsport spielt, haben Sie sicher schon mitbekommen.

Bei der Tour de France sind Räder aus Aluminium oder gar Stahl seit vielen Jahren Geschichte.

Der Stoff zeichnet sich durch seine Steifigkeit und Leichtigkeit aus.

Doch Carbon ist nicht nur ein Werkstoff, der Sportler-Herzen höher schlagen lässt, auch im Fahrzeugbau und in der Industrie geht es kaum mehr ohne Carbon.

Das ist SGL Carbon

Das ist ein Grund mehr, die Aktie von SGL Carbon einmal näher zu beleuchten:

SGL Carbon ist einer der weltweit größten Anbieter von Graphit- und Kohlenstoff-Erzeugnissen.

Die Wertschöpfungskette reicht von Carbonfasern bis hin zu Verbund-Werkstoffen.

Die Carbon- und Graphit-Produkte kommen überall hier zum Einsatz:

  • bei der Herstellung von Solarzellen,
  • in Windkraft-Anlagen,
  • in Flugzeugen
  • und im Automobil-Bereich.

Es läuft nicht rund beim carbon-Hersteller

2016 musste man den Konzern angesichts andauernder, hoher Verluste neu ausrichten und die finanziellen Voraussetzungen für die dessen Zukunftsfähigkeit schaffen.

Wichtige Schritte auf diesem Weg waren:

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  • eine Kapital-Erhöhung,
  • ein weiteres Sparprogramm
  • und der vereinbarte Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts mit Graphit-Elektroden .

Des Weiteren soll das Geschäft mit Kathoden noch in diesem Jahr verkauft werden.

Mit dem Verkaufs-Erlös sollen die Netto-Finanzschulden in Höhe von 449 Mio. € reduziert werden.

2016 betrug der Zins-Aufwand 48 Mio. €, was den Konzern neben den Verlusten aus dem nicht fortgeführten Graphit-Elektroden-Geschäft erneut in die Verlustzone rutschen ließ.

Carbonfasern und Spezialgraphit-Produkte werden künftig die Basis der Geschäftstätigkeit bilden. Laut Vorstands-Chef Köhler beginnt sich die Neuausrichtung auszuzahlen.

Zukunfts-Technologie ohne Kurs-Phantasie

Im 1. Quartal ist SGL auf den Wachstumskurs zurückgekehrt und die Profitabilität hat sich verbessert.

Der Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten stieg um 15,4%, das operative Ergebnis verbesserte sich um 36,4%. Aufgrund der Zinsbelastung wurde jedoch kein Gewinn verbucht.

Für 2017 erwartet SGL einen Umsatz-Anstieg im mittleren 1-stelligen Prozentbereich und überproportionale Zuwächse beim operativen Ergebnis (vor Sondereinflüssen).

Die Verbesserungen werden sich aller Voraussicht nach nicht im Ergebnis niederschlagen.

Fehlende Einmal-Effekte und der geplante vorzeitige Rückkauf einer Konzern-Anleihe wirken sich negativ aus.

Und so wird schließlich mit einem Verlust im mittleren 2-stelligen Millionen-Bereich gerechnet.

Die Aktie kommt einfach nicht in die Gänge; Verluste, Schulden und negative Sondereffekte belasten.

Auch wenn Carbon Zukunft hat; bei SGL ist wenig von einer positiven Zukunft zu sehen. Anleger sollten um die Aktie also einen Bogen machen!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.