Wird HTC die nächste Nokia?

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Lieferengpässe, verlorene Patentklagen und ein Aktienkurs auf Mehrjahrestief. Für HTC kommt es momentan knüppeldicke. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Unglaublich, aber wahr, heute in drei Monaten ist der 1. Weihnachtsfeiertag. Die Geschenke sind dann schon ausgepackt und werden in Gebrauch genommen.

Der eine oder andere unter uns wird sich dann über ein neues Smartphone aus dem Hause HTC freuen, das ihm das freundliche Christkind hoffentlich unter den Weihnachtsbaum gelegt hat.

Sofern es denn eines der begehrten Geräte finden konnte. Denn HTC, die High Tech Computer Corporation (HTC) aus Taiwan steht vor einem Produktionsdesaster.

Für das im Juli vorgestellte neue Smartphone, das HTC One Mini fehlen die Gehäuse. Und dass, nachdem bereits Anfang des Jahres für das aktuellen Erfolgsmodells HTC One keine aus-reichende Menge an Kameras verfügbar war.

Auch das angekündigte Tablet-ähnliche HTC One Max lässt weiter auf sich warten. Hier tauchen zwar immer wieder neue Gerüchte und Bilder auf, aber auf eine Produktvorstellung und die Nennung eventueller Liefertermine wartet die HTC-Gemeinde bislang vergeblich.

Patentklagen verhindern Vorstellung des HTC One Max

Dass dies möglicherweise mit den anhängigen Patentklagen im Zusammenhang steht, die Nokia gegen HTC angestrengt hat, darf vermutet werden.

Klarheit, ob das neue One Max noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kommt oder nicht, wird es die kommenden Tage geben, denn gestern hat ein Gericht dem finnischen Kläger Recht gegeben und 2 Patentverletzungen durch HTC festgestellt.

Können sich Nokia und HTC nun nicht über einen finanziellen Ausgleich und künftige Lizenz-gebühren einigen, war es das mit der Markteinführung in den USA und dem dortigen Weihnachtsgeschäft.

Nokia kann dann ein Import- und Verkaufsverbot für die USA durchsetzen, von dem auch mehrere andere Smartphones des taiwanesischen Handyherstellers betroffen wären.

Beileibe keine rosigen Aussichten für HTC und die im vergangenen Jahr vollmundig angekündigte weltweite Marktoffensive, die werbetechnisch durch die Übernahme der Hauptsponsorentätigkeit der UEFA Champions League begleitet werden sollte.

Da hat man den Mund wohl zu voll genommen und die eigenen Möglichkeiten deutlich überschätzt.

Wer je mit taiwanesischen oder chinesischen Geschäftspartnern zu tun hatte, weiß, die Enttäuschung im Management muss tief sitzen, der „Gesichtsverlust“ droht, wenn es nicht langsam gelingt, das Steuer herumzureißen und den selbstgesteckten  Ansprüchen gerecht zu werden.

Erster Nettoverlust in der Firmengeschichte droht

Nicht dazu bei tragen die jüngsten Gerüchte, der Konzern stehe Ende des Monats vor einer Gewinnwarnung, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres drohe wegen der Produktions-engpässe ein Nettoverlust.

Der Quartalsgewinn sei im Vorjahresvergleich um -83% eingebrochen und führe nun zum ersten Verlustquartal in der Firmengeschichte.

O.K., es ist ein Gerücht, dem man in der Kürze schlecht nachgehen kann, es fehlen schlicht verlässliche Bilanz- und Quartalszahlen der vergangen 16 Jahre (HTC wurde 1997 gegründet), aber meist ist doch was dran an solchen Gerüchten, die Inside plaudern einfach zu gerne.

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Die Börse jedenfalls nimmt die Gerüchte ernst, die Anteilseigner in Europa verkaufen heute Morgen ihre HTC-Aktien und bringen den Kurs erneut unter Druck. Und das, nachdem dieser in den vergangenen Monaten und Jahren bereits nur eine Richtung kannte, nämlich abwärts.

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(anklicken zum Vergrößern)

Der Point&Figure-Chart, hier in der Chartcraft-Einstellung und in Ermangelung eines Heimatcharts in Euro (Börse Frankfurt) notierend, zeigt die Abwärtstendenz der HTC-Aktie, die nun schon mehr als drei Jahre anhält.

Denn im Hoch notierte HTC am April 2011 schon einmal bei 126,00 €, bevor es von hier ab kontinuierlich bergab ging und vor wenigen Wochen ein Allzeit-Tief bei 12,99 € markiert wurde.

Der niedrige Kurs lockte früh mutige Glücksritter an, die im krassen Widerspruch zu den dominierenden Point&Figure-Verkaufssignalen (rote Kreise) ihr Glück suchten.

Ja, es hat wirklich mit Glück und Wagemut zu tun, wenn Anleger angesichts der miesen Chartsituation in die Aktie einsteigen und auf bessere Zeiten „hoffen“.

Denn gegen den Kauf zum jetzigen Zeitpunkt spricht klar der Trend (rote Abwärtstrendlinien), aber auch das letzte Point&Figure-Kaufsignal (fetter roter Kreis) mit seinem Kursziel bei 7,00 €.

Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Und tatsächlich, es gibt, auch für mich, 2 gute Gründe, die HTC-Aktie weiter interessiert zu beobachten.

Zum einen besteht die Möglichkeit, dass der Boden hier im Bereich der 13,00 € nun tatsächlich gefunden wird, der dreifache Test zeigt die Unterstützungszone (grünes Rechteck). Gelingt es dann, die Marke bei 15,50 € nachhaltig zu überwinden, könnte es was werden, mit den Kursgewinnen.

Und dann sind da ja auch noch die Gerüchte im Umlauf, dass die chinesischen Hersteller Lenovo und Huawei an HTC interessiert sein könnten.

Beiden Unternehmen fehlt bislang die eigene Kompetenz und Marktdurchdringung im Handy- und Smartphonebereich, beide wurden bereits im Zusammenhang mit Nokia als Übernehmer heiß gehandelt, bevor dann doch Microsoft zum Zuge kam. Vielleicht sind sie ja diesmal ja schneller am Drücker.

Ich setzte HTC mal auf meine Beobachtungsliste. Wann und bei welchen Kursen sich dann eine gute Kaufgelegenheit bietet, erfahren Sie als Leser des Point&Figure-Trader natürlich exklusiv per Eilmitteilung.

Falls Sie noch nicht Leser meines Börsendienstes sind, melden Sie sich doch rasch an. Sie könnten sonst eine gute Gelegenheit verpassen!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.