Wird Weizen das bessere Heizöl? Absurde Marktlage!

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Die Überproduktion an Weizen sorgt für einen irren Effekt. Es ist aktuell rentabler mit Weizen zu heizen, als es für Lebensmittel zu verwenden. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Heute einmal ein Rohstoff-Thema, denn schließlich können Sie den Weizen Future auch an der Börse handeln. Eines vorweg: Der Preis von Weizen fällt seit Ende 2012. Inzwischen kostet er nur noch halb so viel, wie vor rund fünf Jahren. Im folgenden Chart von tradingscharts.com sehen Sie den Kursverlauf.

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Angegeben wird dabei der Preis pro 5.000 Scheffel Weizen. Ein Scheffel oder auch „Bushel“ genannt, entspricht 27,2155 kg. An der Börse Globex lautet das Kürzel für den Weizen Future „CBOT“.

Günstiger Preis und Überversorgung

Diese Kombination ergibt diese schrille Situation. Es lohnt sich nicht mehr Weizen in Brot umzuwandeln. Als Energielieferant ist er wertvoller. Das stammt von keinem abgedrehten Investmentfonds oder verrückten Daytrader. Nein, dieses Statement kommt offiziell von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen kurz UFOP. Aktuell liegt der Preis von Brotweizen bei etwa 150 Euro pro Tonne und ist damit sehr erschwinglich.

Weizen das bessere Heizöl?

Entscheidend ist hier natürlich auch der Preis von Heizöl. Wenn Sie Weizen verbrennen, haben Sie natürlich nicht denselben Brennwert wie bei Öl. Aber es ist vergleichbar. Sie müssen umgerechnet eine Tonne Weizen verbrennen, um denselben Energiewert wie 400 Liter Heizöl zu haben. Öl liefert also etwa zweieinhalb mehr Energie, ist aber teurer.

Und so sieht die aktuelle Situation aus: Weizen kostet pro Tonne 150 Euro. Wenn Sie es aber verbrennen, liefert es so viel Energie wie Heizöl im Wert von 220 Euro!

UFOP kritisiert mangelnde Biokraftstoffe

Hier genau setzt die Union für Förderung von Öl- und Proteinpflanzen an. In ihrem neuen Bericht möchte sie darauf aufmerksam machen, dass viele Landwirte damit die Chance hätten, ihre Biomasse ertragreich zu verkaufen. Doch dieses Bewusstsein sei bislang in der Gesellschaft noch nicht angekommen. Biomasse werde weiterhin vernachlässigt, wenn es um Energiegewinnung geht

Die Versorgungslage ist an den weltweiten Märkte mehr als ausreichend. Die globalen Erntemengen sehen keinerlei Knappheit. Gleichzeitig gibt es aber immer noch Hungerkrisen in bestimmten Regionen. Die UFOP führt diese aber auf militärische Konflikte, schlechte Staatsführung und Unwetter zurück. Ein weiterer Faktor sei die mangelnde Bereitschaft von reichen Nationen eine effektive Nahrungsmittelhilfe zu liefern.

Laut dem Bericht sollte weltweit mehr Weizen verbrannt werden anstatt Öl, um den Bauern wieder eine Existenz zu geben und Energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen.

Doch wie lange gilt diese Empfehlung? Was geschieht, wenn der Preis von Weizen wieder ansteigt und es sich damit nicht mehr lohnt, das Nahrungsmittel zu verbrennen? Es würde auch reichen, dass Heizöl im Preis fällt und somit wieder Weizen unterbietet.

Solange der Fokus auf der Versorgung mit Nahrung liegt, ist es vielleicht sogar eine gute Idee überschüssigen Weizen in Energie umzuwandeln. Schließlich bringt es nichts, wenn die Alternative bedeutet, dass die Landwirte auf ihrer Produktion sitzen bleiben und der Ertrag am Ende verrottet oder vernichtet wird.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.