Wirecard-Aktie: Da ist doch was im Busch!

Es gibt Unternehmen an der Börse, bei denen man als Außenstehender oder Anleger eine relativ klare Vorstellung dessen hat, was die Firma so tut, um ihr Geld zu verdienen: BMW? Baut Autos. Lufthansa? Transportiert Fluggäste und Frachtware rund um den Globus. Adidas? Verkauft Sportartikel. Und so weiter.

Doch dann gibt es auch Unternehmen, bei denen auf den ersten Blick weniger klar ersichtlich ist, wie das Geschäftsmodell eigentlich funktioniert. Das ist besonders häufig bei solchen Firmen der Fall, die einerseits nicht selbst Waren produzieren und andererseits mit Verbrauchern und Endkunden keinen direkten Kontakt haben, die also irgendwie im Hintergrund agieren und dort offenbar eine wichtige Rolle einnehmen.

Wenig transparentes Geschäftsmodell

Wirecard ist ein solches Unternehmen. Der Finanzdienstleister ist tätig im Kontext von Bezahldiensten, die im Internet oder auch von mobilen Endgeräten aus abgewickelt werden. Von der aktuell viel diskutierten Abschaffung des Bargeldes würde Wirecard dementsprechend sehr profitieren.

Da es aber noch nicht soweit ist und gerade die Deutschen noch sehr an ihren Scheinen und Münzen hängen, setzt das Unternehmen aus dem Münchener Vorort Aschheim vor allem auf internationale Expansion. Diverse Zukäufe wurden in den vergangenen Jahren getätigt, insbesondere in Fernost und Südamerika. Doch so richtig blicken viele trotzdem nicht durch.

Betrugsvorwürfe sorgen für Kursrutsch

Das zeigt sich unter anderem an den immer wieder aufflackernden Vorwürfen gegen das Unternehmen. Die Schlagworte Geldwäsche und Betrug stehen im Raum, bislang vorgetragen allerdings von Quellen, die ihrerseits ebenfalls als undurchsichtig bezeichnet werden müssen. Wirecard weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

An der Börse allerdings braucht es oftmals keinen gerichtsfesten Beweis – schon ein solches Gerücht kann genügen, um eine Aktie zum Absturz zu bringen. Das hat auch Wirecard gerade erst wieder schmerzlich erfahren müssen. Um mehr als 20 Prozent ist das im TecDax gelistete Papier in der vergangenen Woche binnen eines Handelstages eingebrochen, was vor allem auf klassische Short-Seller zurückzuführen ist. Binnen weniger Stunden wurde auf diese Weise rund eine Milliarde Euro verbrannt.

Analysten halten Wirecard die Treue

Nicht wenige vermuten dahinter eine gezielte Attacke, um mit fallenden Kursen Geld zu machen. Angriffen wie diesem war Wirecard auch in der Vergangenheit schon mehrfach ausgeliefert. Unternehmenschef Markus Braun reagierte darauf, indem er selbst Firmenaktien im Wert von mehreren Millionen Euro kaufte.

Auch die Anleger scheinen inzwischen besänftigt, die Wirecard-Aktie konnte sich von ihrem Absturz auf 31,88 Euro wieder etwas erholen und notierte zuletzt bei gut 38 Euro. Noch vor wenigen Monaten kostete sie allerdings rund 10 Euro mehr.

Analysten ließen sich von dem Spektakel unterdessen nicht beirren. Sie sehen das Unternehmen wie auch die Aktie weiterhin auf Wachstumskurs und sprechen mehrheitlich Kaufempfehlungen aus. Das Kursziel bewegt sich dabei meist zwischen 50 und 55 Euro. Es gibt also auch nach dem rasanten Anstieg der vergangenen Jahre offenbar noch Luft nach oben.

2016-03-02 Wirecard

5. März 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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