Wirecard Aktie: Nach Rekordhoch erneut unter Druck

Die Wirecard Aktie ist nach ihrem Rekordhoch wieder von Shortsellern attackiert worden. Anleger sollten sich davon nicht beunruhigen lassen. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Erneut ist die Wirecard Aktie von außen unter Druck gesetzt worden: Kaum war das Rekordhoch von 110 Euro erreicht, wetteten Shortseller vermehrt gegen das Papier und sorgten denn auch tatsächlich für sinkende Kurse.

Die Aktie fiel unter die Linie von 100 Euro zurück, konnte sich dann aber fangen – gestützt nicht zuletzt durch gute Quartalszahlen. Der Jahresumsatz kletterte um 45 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebitda) lag mit gut 412 Millionen Euro um 34 Prozent höher als im Vorjahr. Damit fielen die Zahlen unterm Strich sogar etwas besser aus als von Analysten im Schnitt erwartet worden war.

Erfolgreich im Hintergrund

Wirecard fungiert als Zahlungsanbieter im Hintergrund und tritt für Endkunden nicht so direkt in Erscheinung wie beispielsweise Paypal. Dennoch kann das Unternehmen vor allem durch die massiv steigenden Umsätze im Onlinehandel profitieren. Dort ist Wirecard stark verankert und baut seine Position stetig aus.

Positiv wurde zudem von Marktbeobachtern gewertet, dass sich die Wachstumsdynamik von Quartal zu Quartal beschleunigen konnte, es wurden mehr Neukunden gewonnen und auch das Umsatzwachstum entwickelte sich stetig positiv.

Wirecard Aktie: Trotz Rally noch Luft nach oben

Dementsprechend verwundert es wenig, dass viele Analysten dem Unternehmen und seiner Aktie auch mittelfristig gute Aussichten bescheinigen. Die Wirecard Aktie liegt mit rund 97 Euro auch nach dem jüngsten Kursrückschlag immer noch gut 110 Prozent über Vorjahresniveau.

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Trotz der bereits zurückliegenden fulminanten Rally sehen etliche Analysten weiteres Kurspotenzial für die im TecDax gelistete Aktie. Nach Vorlage der Bilanz bewegen sich die Kursziele der aktuellen Studien zwischen 100 Euro (Barclays) und 135 Euro (Goldman Sachs).

Zukunftsmarkt Onlinehandel

Fest steht: Onlinehandel ist weit mehr als ein vorübergehender Trend. Die Möglichkeit, per Mausklick alles und zu jeder Zeit bestellen zu können, hat das Einkaufsverhalten einer ganzen Generation revolutioniert und ist wohl kaum mehr rückgängig zu machen.

Alle Branchen, die in diesem Umfeld agieren, vom Zahlungsanbieter bis zum Paketzusteller, dürften sich also auf einen weiter wachsenden Markt in den kommenden Jahren einstellen. Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht, und so wird es entscheidend darauf ankommen, einmal etablierte Positionen am Markt zu verteidigen und mit kundenorientierten Lösungen zu punkten.

Von Shortseller-Attacken nicht verunsichern lassen

Wirecard scheint das bislang gut zu gelingen, wie die Entwicklung der vergangenen Monate und Jahre unterstreicht. Profitieren konnten dabei vor allem auch die Anleger: Wer vor fünf Jahren eingestiegen ist, konnte seinen Einsatz seither nahezu versechsfachen.

Allerdings gerät das Papier immer wieder durch Spekulanten unter Druck. Erst vor wenigen Monaten hatte eine Shortseller-Attacke dem Kurs empfindlich zugesetzt. Langfristig orientierte Anleger sollten sich davon jedoch nicht verunsichern lassen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.