Wirecard: Bafin verbietet Leerverkäufe

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin verbietet neue Leerverkäufe der Wirecard-Aktie. Die Aktie legt daraufhin deutlich zu. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

In der vergangenen Woche habe ich Ihnen hier im Schlussgong zwei Mal ausführlich über die Kurskapriolen der Wirecard-Aktie und den Hintergründen berichtet. Heute gab es erneut kursrelevante Neuigkeiten, die in diesem Fall für ein zweistelliges Plus bei der Wirecard-Aktie sorgten.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse beim deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard untersagt. Ab sofort ist es verboten, neue Netto-Leerverkaufspositionen auf Wirecard einzugehen oder bereits bestehende zu erhöhen. Das teilte die in Bonn ansässige Behörde mit.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA habe ihr dafür grünes Licht gegeben, heißt es. An der Börse kam diese Meldung gut an. Die Wirecard-Aktie legte daraufhin zweistellig zu und war damit Spitzenreiter im DAX. Nun möchte ich Ihnen erläutern, was genau hinter den sogenannten Leerverkäufen steckt.

Das sind Leerverkäufer bzw. Short-Seller

Bei Leerverkäufen wetten Investoren (Leerverkäufer bzw. Short-Seller) auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie verkaufen beispielsweise Aktien, die sie sich etwa bei Fonds ausgeliehen haben. Der Plan dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben.

Den Differenz-Betrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückgabekurs streichen die Leerverkäufer als Gewinn ein. Die Fonds machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktien langfristig im Bestand halten wollen. Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten die Fonds von den Leerverkäufern eine Leihgebühr.

Das, was ich Ihnen gerade beschrieben habe, sind sogenannte gedeckte Leerverkäufe. Gedeckt deshalb, weil der Leerverkäufer sich vor dem Verkauf der Aktien tatsächlich leihweise damit eingedeckt hatte.

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So funktionieren ungedeckte Leerverkäufe

Anders ist es bei ungedeckten Leerverkäufen, die gelegentlich auch als nackte Leerverkäufe bezeichnet werden: Dabei verkaufen die Leerverkäufer Papiere, mit denen sie sich zuvor nicht eingedeckt haben. Im Extremfall könnte ein besonders pessimistischer Leerverkäufer dabei eine große Menge Aktien eines Unternehmens auf den Markt werfen, die es gar nicht gibt.

Durch das große Angebot erzeugt er massiven Druck auf die Kurse, weil das Angebot dadurch künstlich erhöht wird. Solche Geschäfte können die Kurs-Ausschläge bei dem Basiswert (in unserem Fall: eine Aktie) drastisch beschleunigen; auch nach oben.

Denn sobald der Anleger die Aktien wieder zurückkaufen möchte, um den Leerverkauf zu beenden, treibt er den Kurs ungewollt in die Höhe. Das war beispielsweise bei der Übernahme-Schlacht zwischen Porsche und VW der Fall. Die Folge: Die VW-Aktie kostete zwischenzeitlich über 1.000 Euro. Dieses Phänomen wird als Short-squeeze bezeichnet.

Solche Deals sind möglich, weil eine Lieferpflicht für die Papiere meist erst nach Tagen besteht. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe jedoch verboten.

Für Sie als mittel- bis langfristig orientierte Privatanleger ist das Thema Leerverkäufe jedoch nur eine Art Randnotiz. Denn: Leerverkäufer agieren im Gegensatz zu Ihnen eher kurzfristig. Daher können Sie die Leerverkäufer und ihre Leerverkäufe getrost ignorieren.

Abschließend zu Wirecard: Hätte die Deutsche Börse Wirecard erst gar nicht in den DAX aufgenommen, wäre den DAX-Anlegern diese Achterbahnfahrt erspart geblieben. Aufgrund der Vorgeschichte musste mit Angriffen auf Wirecard gerechnet werden.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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