Wirecard fliegt aus dem DAX und andere rücken nach

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Die Deutsche Börse hat ihr Regelwerk geändert. Ergebnis: Die Wirecard-Aktie fliegt schon am 21. August aus dem DAX. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

In den vergangenen Wochen haben mich einige Leser meiner Börsendienste gefragt, warum Wirecard trotz der Insolvenz immer noch im deutschen Leitindex DAX geführt wird. Die Antwort ist einfach: Es gab im umfangreichen Index-Regelwerk der Deutschen Börse keine Bestimmung, die besagt, dass ein insolventes Unternehmen sofort aus dem Dax genommen werden muss.

Neues Regelwerk macht DAX-Ausschluss möglich

Demnach wäre Wirecard also aufgrund des mittlerweile sehr niedrigen Börsenwertes bzw. Marktkapitalisierung erst zum nächsten regulären Kontrolltermin am 21. September aus dem DAX genommen worden. Doch die Deutsche Börse als Betreiber des DAX hat auch aufgrund des Drucks der Marktteilnehmer das eigene Regelwerk geändert.

Künftig werden insolvente Unternehmen mit einer Frist von zwei Handelstagen aus sämtlichen Indizes der DAX-Familie (DAX, MDax, SDax und TecDax) herausgenommen. Diese neue Regel tritt morgen in Kraft. Somit wird Wirecard schon nach Handelsschluss des 21. August 2020 nicht mehr in der DAX-Familie gelistet werden.

Delivery Hero steigt voraussichtlich in den DAX auf

Da Wirecard im Rahmen eines sogenannten Fast Exit aus dem DAX ausscheidet, rückt das MDax-Unternehmen nach, welches im Ranking der Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien und dem durchschnittlichen Börsenumsatz der vergangenen zwölf Monate vorne liegt.

Entscheidend ist hier die von der Deutschen Börse (bzw. des DAX-Dienstleisters Stoxx Ltd.) allmonatlich veröffentlichte Rangliste mit dem Stand Ende Juli. Eine weitere Bedingung ist, dass der Aufsteiger in beiden Kriterien (Marktkapitalisierung und Börsenumsatz) mindestens auf Rang 35 liegen muss.

Die letztgenannte Voraussetzung erfüllt Restaurant-Lieferdienst und Corona-Gewinner Delivery Hero. Die Berliner liegen bei der Marktkapitalisierung auf Rang 27 und beim Börsenumsatz auf Platz 33.

Der Duftstoff- und Aromen-Hersteller Symrise hat (Stand Ende Juli) zwar eine höhere Marktkapitalisierung als Delivery Hero (Rang 25), liegt aber beim Börsenumsatz mit Rang 38 jenseits des Ausschlusskriteriums von 35. Daher wird Delivery Hero voraussichtlich den am Freitag frei werdenden Platz im DAX einnehmen. Ganz klar ist das aber noch nicht.

Aixtron rückt in den MDax auf

Nachrücker in den MDax wird der Spezialmaschinenbauer Aixtron aus dem rheinländischen Herzogenrath. Das bisherige SDax-Unternehmen lag Ende Juli bei der Marktkapitalisierung auf Platz 91 und beim Börsenumsatz auf Rang 80. Somit liegt Aixtron bei beiden Kriterien mindestens auf Rang 95 und erfüllt auch dieses Aufstiegskriterium.

Im SDax gibt es zwar einige Kandidaten, wie z. B. Ado Properties, Talanx, Hypoport, Shop Apotheke, Fielmann und Encavis, die bei der Marktkapitalisierung zum Teil deutlich vor Aixtron liegen. Aber all diese Unternehmen erreichen beim Börsenumsatz nur Platzierungen jenseits von Rang 95 und kommen daher für einen Aufstieg in den MDax nicht in Frage.

Aufsteiger auch im SDax und TecDax

Für Aixtron wird die Hornbach Baumarkt AG aus dem pfälzischen Bornheim neu im SDax gelistet werden. Da Wirecard aktuell auch noch im TechDax gelistet und auch aus diesem Index der Technologieunternehmen herausfliegen wird, muss hier ebenfalls ein Nachfolger gefunden werden. Nach dem Regelwerk der Deutschen Börse wird dies die LPKF Laser & Electronics AG aus dem niedersächsischen Garbsen sein.

Investment in DAX-Aufsteiger kann sich lohnen

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob sich eine Investition in die Aufsteiger der unterschiedlichen DAX-Indizes lohnen kann, lautet meine Antwort grundsätzlich ja. Denn häufig (aber nicht immer) ist der Aufstieg mit einem Kursanstieg verbunden. Das liegt vornehmlich daran, dass Indexfonds (ETFs) Aktien der Aufsteiger in ihr Portfolio aufnehmen müssen.

Da es aber weder pauschal so ist, dass die Aufsteiger sich in der Folge positiv entwickeln, noch so, dass die Absteiger sich in der Folge dauerhaft negativ entwickeln, sollten Sie auch nicht pauschal die Aufsteiger kaufen und die Absteiger verkaufen. Prüfen Sie vor dem Kauf oder Verkauf stets die fundamentalen Daten!

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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