Wirecard fliegt endlich aus dem DAX

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Die DAX-Betreibergesellschaft Deutsche Börse reagiert auf die Wirecard-Insolvenz und passt das DAX-Regelwerk an. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Seit Bekanntwerden des großen Bilanz-Skandals bei dem DAX-Unternehmen Wirecard hatte ich hier im Schlussgong einige Male über das Unternehmen berichtet. Unter anderem schrieb ich Ihnen, dass die Deutsche Börse als Betreiber des DAX und der anderen großen Indizes das Regelwerk anpassen sollte, damit Insolvenz-Unternehmen schneller ausscheiden.

Während Wirecard nach dem Insolvenzantrag bereits aus einigen Indizes ausgeschlossen wurde (darunter Stoxx Europe 600), wäre das Unternehmen nach dem alten Regelwerk bis Ende September im DAX geblieben. Ein Trauerspiel!

Nun hat sich die Deutsche Börse zum Glück bewegt und das Index-Regelwerk angepasst. Deshalb wird Wirecard noch im August aus dem DAX fliegen. Spät, aber besser jetzt im August als erst Ende September. Und zukünftig wird sich ein solches Trauerspiel nicht wiederholen. Die Deutsche Börse kann und wird schneller reagieren. Schauen wir auf das neue Regelwerk:

Neues Regelwerk für den DAX

Gemäß den neuen Bestimmungen werden insolvente Unternehmen nun mit einer Frist von zwei Handelstagen aus den DAX-Auswahlindizes (DAX, MDax, SDax und TecDax) herausgenommen. Dies teilte die Betreibergesellschaft der DAX-Familie, die Deutsche Börse, gestern Abend mit. Die Regeländerung tritt ab dem 19. August in Kraft.

Die Änderungen im DAX und im TecDax, die sich daraus ergeben, sollen am Abend des 19. August mitgeteilt werden und am Freitag, den 21. August, nach Börsenschluss umgesetzt werden. Falls Sie sich fragen, warum es auch im TecDax zu einer Änderung kommt: Wirecard ist derzeit neben dem DAX auch im Technologie-Index TecDax gelistet.

Grundlage der Berechnung für die Indexanpassungen sei die Rangliste vom 31. Juli sowie die weiteren Vorgaben im Regelwerk, so der Indexbetreiber. Favoriten für einen Aufstieg in den DAX sind derzeit Delivery Hero und Symrise. Den Platz von Wirecard im TecDax würden nach derzeitigem Stand LPKF Laser oder Stratec Biomedical einnehmen.

Bei dem DAX-Aufstiegsfavoriten Delivery Hero und Symrise handelt es sich um einen  Essenslieferdienst (Delivery Hero) und einen Spezialisten für Duft- und Geschmacksstoffe (Symrise). Bei LPKF Laser und Stratec Biomedical handelt es sich um einen Maschinenbauer (LPKF) und ein Medizintechnik-Unternehmen (Stratec).

Wirecard-Kursziel immer noch bei 0 Euro

Abschließend möchte ich meine Empfehlung, die ich in den vergangenen Wochen bereits gegeben habe, noch einmal wiederholen: Seien sich sehr vorsichtig mit der Wirecard-Aktie! Am Ende dürften die Aktionäre, wie im Grunde bei jeder Insolvenz, leer ausgehen.

Im Falle einer Insolvenz werden immer die Gläubiger (also die Fremdkapitalgeber) zuerst bedient. Als Aktionär sind Sie Eigenkapitalgeber und werden nachrangig behandelt.

Was viele übersehen: Wirecard hat aus heutiger Sicht rund 4 Mrd. Euro Schulden. Stand jetzt sehe ich nicht, wie auch nur die Fremdkapitalgeber (Banken, Besitzer der Anleihen) ansatzweise komplett bedient werden können. Das Kursziel der Aktie bleibt bei 0 Euro. Daher ist die Wirecard-Aktie auch bei Kursen zwischen 1 und 2 Euro viel zu teuer.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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