Wirecard-Geschädigte: Das können Sie tun

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Was Wirecard-Geschädigte tun können, und was ich Wirecard-Aktionären und Interessenten aktuell rate. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Der Skandal um das Noch-DAX-Mitglied Wirecard ist der traurige Höhepunkt in 32 Jahren DAX-Geschichte. Besonders bedauerlich ist, dass dort überproportional viele Privatanleger investiert waren und sind und dass diese Wirecard auch noch überdurchschnittlich hoch in ihren Portfolios gewichtet hatten.

Bereits vor 2 Wochen habe ich Ihnen an dieser Stelle geschrieben, dass das Drama um Wirecard fast nur Verlierer kennt: die Aktionäre, die Besitzer der Wirecard-Anleihen, die Deutsche Börse, die Finanzaufsicht, die Wirtschaftsprüfer von EY und die Aktienkultur.

Ich habe mir die Wirecard-Aktie in den vergangenen Jahren dutzendfach angesehen. Letztendlich hat mein Bauchgefühl immer gegen einen Wirecard-Einstieg gesprochen. Die Bilanz war zu kompliziert und die Wachstumsraten waren zu schön. Ich hatte das Gefühl, dass Wirecard etwas nachhilft, aber wenn es stimmt, dass große Teile der Bilanz einfach nur erfunden wurden, ist das auch für mich ein Schock!

Was hat der Wirtschaftsprüfer in den vergangenen Jahren geprüft? Der Fall Wirecard zeigt aus meiner Sicht ganz eindeutig, dass Börsenaufsicht, Finanzaufsicht und die Bilanzprüfung reformiert werden müssen. Das sollte dafür sorgen, dass sich so ein Skandal nicht wiederholt.

Was aber können Anleger tun, die mit ihren Aktien und Anleihen von Wirecard viel Geld verloren haben? Dieser Frage möchte ich jetzt nachgehen.

Ohne Klage wird es keinen Schadenersatz geben

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellt fest, dass es im Falle von Wirecard ohne Klage keinen Schadenersatz geben wird. Eine Klage ist für Anleger das Mittel der Wahl. Geschädigt sind übrigens nicht ausschließlich Aktionäre, sondern auch Besitzer von Wirecard-Anleihen oder von auf Wirecard-Aktien beruhenden Derivaten, erläutert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Betroffene Anleger können sich unter der Mailadresse wirecard@dsw-info.de für einen eigens geschaffenen Informationsdienst anmelden, mit dem die Schutzvereinigung über die weiteren Schritte informiert. Neben der DSW finden Sie auch bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (sdk) Hilfe in Sachen Wirecard. Die Adresse lautet hier: www.sdk.org

Mit einer Klage direkt gegen Wirecard sollte nicht allzu viel zu holen sein, da der Insolvenzantrag bereits gestellt wurde. Eine Klage gegen den zuständigen Wirtschaftsprüfer, ein Unternehmen mit mehreren Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, könnte schon mehr bringen. Hinsichtlich der potenziellen Anspruchsgegner wird zum jetzigen Zeitpunkt keine der involvierten Adressen ausgeschlossen, so die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Wirecard-Aktie: Kursziel 0 Euro

Abschließend möchte ich meine Empfehlung von vor 2 Wochen noch einmal wiederholen: Seien sich sehr vorsichtig mit der Wirecard-Aktie! Am Ende dürften die Aktionäre wie im Grunde bei jeder Insolvenz leer ausgehen.

Im Falle einer Insolvenz werden immer die Gläubiger (also die Fremdkapitalgeber) zuerst bedient. Als Aktionär sind Sie Eigenkapitalgeber und werden nachrangig behandelt.

Was viele übersehen: Wirecard hat aus heutiger Sicht rund 4 Mrd. Euro Schulden. Stand jetzt sehe ich nicht, wie auch nur die Fremdkapitalgeber (Banken, Besitzer der Anleihen) ansatzweise komplett bedient werden können. Das Kursziel der Aktie bleibt bei 0 Euro.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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