Wirecard: Gewinnprognose rauf, Aktie runter

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Zahlungsabwickler Wirecard trotz starker Zahlen und positivem Ausblick abermals DAX-Schlusslicht. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

In den vergangenen Jahren haben speziell im Technologiesektor einige Aktien phantastische Kursgewinne feiern können. Die Kurse sind hier zum Teil deutlich schneller gestiegen als die Gewinne der Unternehmen.

Nehmen wir exemplarisch einen sehr beliebten Technologie-Wert aus Deutschland unter die Lupe: Der DAX-Aufsteiger Wirecard konnte in den vergangenen 3 Jahren an der Börse um rund 230% zulegen. Bei Kursen um 200 Euro erreichte die Wirecard-Aktie in der Spitze ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 70.

Das Gewinnwachstum liegt im laufenden Jahr voraussichtlich bei rund 25%. Das Problem: Bei Wachstumsunternehmen sollten KGV und Gewinnwachstum in etwa im Gleichklang laufen. Das Verhältnis von 25% Gewinnwachstum und KGV 70 passt einfach nicht. Wirecard muss jetzt entweder das Gewinnwachstum zeitnah stark steigern, oder das KGV muss durch sinkende Kurse auf das normale Maß gestutzt werden.

Auf Dauer geht es nicht gut, wenn das KGV weit über dem Gewinnwachstum notiert. Der Kursrückgang von 200 auf rund 150 Euro ist daher Teil einer gesunden Korrektur. Wenn Wirecard, wie von den Analysten erwartet, den Gewinn 2019 um weitere 30% steigert, reichen die jetzt erreichten rund 150 Euro wieder für eine fundamental angemessene KGV-Bewertung.

Bert Flossbach, Fondsmanager und Mitbegründer der Fondsgesellschaft Flossbach von Storch (FvS), hat es sehr nett formuliert: Die „Ü30-Party“ mit KGVs weit über 30 ist zu Ende. Viele Titel mit sehr hohen KGVs seien laut Flossbach „entlüftet“ worden. Etwas weiter entlüftet wurde heute auch die Wirecard-Aktie nach Vorlage der endgültigen 9-Monats-Zahlen.

Gut ist nicht gut genug

Obwohl Wirecard-Chef Markus Braun die Ergebnisprognose von Wirecard heute im Zuge der Zahlenvorlage ein weiteres Mal angehoben hat, gab die Wirecard-Aktie weiter nach und rutschte zeitweise sogar unter die 150-Euro-Marke.

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In Anbetracht einer starken Geschäftsentwicklung werde der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im laufenden Geschäftsjahr auf 550 bis 570 Mio. Euro steigen, kündigte das jüngst in den DAX aufgestiegene Unternehmen am Morgen an.

Zuvor hatte der Zahlungsabwickler eine Spanne von 530 bis 560 Mio. Euro angepeilt. Damit bestätigte Wirecard auch die Schätzungen der Analysten, die für dieses Jahr mit einem EBITDA von 565 Mio. Euro rechnen.

Darüber hinaus sagte Braun: „Wir erwarten sowohl für das 4. Quartal 2018 als auch für das kommende Geschäftsjahr 2019 eine starke Beschleunigung des Geschäfts.“ Im 3. Quartal 2018 kletterte der Umsatz um 34,8% auf 547,1 Mio. Euro. Das EBITDA stieg um 36,3 Prozent auf 150,1 Mio. Euro.

Sowohl die jüngsten Zahlen als auch der Ausblick fielen damit durchweg positiv aus. Der Markt reagierte dennoch mit Abschlägen bei der Wirecard-Aktie. Man könnte also sagen, dass in diesem Fall gut nicht gut genug ist.

Oder anders ausgedrückt: Bei dem noch immer sehr hohen KGV-Bewertungsniveau bei Wirecard hätte das Wachstum noch rasanter ausfallen müssen. Gibt die Aktie aber noch weiter nach und sinkt deutlich unter die 150-Euro-Marke, wird ein Einstieg langsam auch für fundamental orientierte Anleger interessant.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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