Wirecard – raus aus dem DAX. Delivery Hero – rein in den DAX.

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Das beste Jahr war demnach 2014 mit einem Verlust pro Aktie von 50 Cent. 2019 lag der Verlust bei 3,68 Euro pro Aktie. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Jetzt wird alles gut. Die böse Wirecard musste heute den DAX verlassen. Da wurde nämlich just eine neue Regelung eingeführt: Insolvente Firmen dürfen nicht im DAX gelistet sein! Verrückt, aber diese Zeiten benötigen wir sogar solche Gesetze, damit nicht der größte Schrott im DAX verbleiben darf.

Jetzt wird alles anders. Delivery Hero konnte sich im hart umkämpften Ringen durchsetzen und darf sich ab heute DAX-Unternehmen nennen. Das ist in der Regel übrigens mehr Fluch als Segen für neue Konzerne. Denn diese werden jetzt richtig durchleuchtet und können fast nur verlieren.

War bei Wirecard übrigens auch so. Allzeithoch, ab in den DAX und danach nur noch runter. Gehen wir einmal davon aus, dass es bei Delivery Hero etwas anders laufen wird. Dennoch: Wir haben eine mehr als sportliche Marktkapitalisierung von 19,2 Milliarden Euro. Knapp hinter RWE und Fresenius und sogar noch vor Continental, der Deutschen Bank und Deutsche Wohnen.

Fundamentale Betrachtung von Delivery Hero

Wer da genau drin steckt, ist überaus schwierig auszumachen. Die Beteiligungen an dem Unternehmen wurden in der Vergangenheit gerne herumgereicht. Wer jetzt wirklich Anteile hat – da ist vermeintlich nicht einmal Wikipedia auf dem aktuellen Stand. Das verwässert natürlich den gesamten Konzern. Hier entstehen Schlupflöcher um Schulden zu verstecken, die erst Jahre später herauskommen.

Das muss bei Delivery Hero natürlich nicht zwingend der Fall sein. Es ist in der Geschichte aber schon öfter vorgekommen, dass Unternehmen auf diese Weise getrickst haben. Insofern schadet ein wenig Vorsicht nicht.

Dazu kommt auch, dass Delivery Hero bislang noch kein einziges Jahr einen Gewinn ausgewiesen hat. Das beste Jahr war demnach 2014 mit einem Verlust pro Aktie von nur 50 Cent. 2019 lag der Verlust bei 3,68 Euro pro Aktie. Gleichzeitig steigen die Umsätze, es wird ja schließlich auch wie verrückt expandiert. Das ist definitiv in der aktuellen Zeit ein Pluspunkt. Lieferanten gehören zu den Gewinnern der Krise.

Chartanalyse Delivery Hero

Wir sehen hier im Tageschart eine leckere Wolfe Wave. Wobei, ganz so chic ist sie gar nicht. Schließlich läuft die Linie durch die Punkte 1 und 4 nicht Richtung Süden.

Sollte die Welle aber doch zünden, wäre das nächste Ziel bei der pinken Linie um 82,50 Euro. Das sind aus heutiger Sicht rund 14 Euro minus. Eine derartige Strecke gehört schon fast zum guten Ton. So etwas überreicht der DAX gerne als Begrüßungsgeschenk.

Es gibt Analysten, die malen die Zahlen deutlich düsterer. Aber das passt meiner Meinung nach noch nicht zur derzeitigen Situation. Wir haben immer noch das Thema Pandemie. Gut, vielleicht sind die Bestellungen nicht mehr so hoch wie im April 2020, aber solide Zahlen wird Delivery Hero jetzt für das 2. Quartal wahrscheinlich liefern können. Und das ist alles, was zählt.

Nichtsdestotrotz – achten Sie darauf, dass neue Werte im DAX sofort Spielball der großen Player werden. Alleine der gehandelte Umsatz war heute schon etwa zehnmal so viel wie an normalen Tagen außerhalb des DAX.

Eine Bewertung von 19 Milliarden Euro und vermutlich ohne oder nur minimalem Gewinn, ist kein Grund jetzt einzusteigen. Warten Sie eine Runde ab. Attraktive Einstiege sehen anders aus.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.