Wirecard: Schnäppchenpreise nach Shortseller-Attacke

Gestern kamen die Aktienmärkte nochmals deutlich unter Druck. Das TecDAX-Schwergewicht Wirecard büßte sogar über 20% ein, nachdem eine anonyme Quelle Betrugsvorwürfe öffentlich gemacht hatte.

Das hört sich dramatisch an – und deshalb haben wahrscheinlich auch viele Anleger sicherheitshalber verkauft. Diese dürften sich aber schon bald darüber ärgern, denn das Ganze riecht doch nach einer (schlecht gemachten) Shortseller-Attacke, mit dem Ziel, an kurzfristig fallenden Kursen Geld zu verdienen. Aus meiner Sicht bietet das aktuelle Kursniveau eine hervorragende Einstiegsgelegenheit.

Studie mit Kursziel 0 Euro veröffentlicht

Am späten gestrigen Vormittag rutschte die Wirecard-Aktie urplötzlich von 42 auf 32 Euro ab. Auslöser war die Veröffentlichung einer Studie des vollkommen unbekannten Researchhauses Zatarra.

Darin warf ein anonymer Autor Wirecard Geldwäsche und betrügerisches Geschäftsgebaren vor. Aufgrund der dafür zu befürchtenden Sanktionen wurde ein Kursziel für die Wirecard-Aktie von 0 Euro genannt.

Natürlich dementierte Wirecard diese Anschuldigungen umgehend und kündigte rechtliche Schritte an. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Unternehmen mit derartigen Vorwürfen auseinandersetzen muss.

Schon 2008 und 2010 gab es ähnliche Versuche von sogenannten „Shortsellern“, den Aktienkurs zu drücken und damit Geld zu verdienen, In beiden Fällen erwiesen sich die Anschuldigungen als völlig haltlos und die Aktie konnte sich recht schnell wieder erholen.

Urheber der Studie ist höchst dubios

Bei einem genaueren Blick auf den Urheber der Studie offenbaren sich große Zweifel an dessen Seriosität: So wurde die Website von Zatarra Research erst vor einer Woche registriert, passenderweise durch die Firma „Perfect Privacy“.

Diese brüstet sich damit, dass die Betreiber der von ihr angemeldeten Seiten nicht zurückverfolgt werden können. Ein gutes Mittel, um sich einem möglichen Strafverfahren zu entziehen.

Gestern Nachmittag war die Website auch schon wieder abgeschaltet. Offenbar hat sie ihren Zweck bereits erfüllt. Wer auch immer dahinter steckt, dürfte richtig abgesahnt haben. Wirecard ist übrigens die einzige Aktie, mit der sich dieses angebliche Researchhaus bislang befasst hat.

Wirecard-Chef nutzt Kursrutsch zum Kauf eigener Aktien

Und noch etwas spricht dafür, dass an den Vorwürfen gegenüber Wirecard nichts dran ist: Wirecard-Chef Markus Braun hat über seine Beteiligungsgesellschaft innerhalb der vergangenen 12 Monate 920.000 Wirecard-Aktien in einem Gesamtwert von 35 Mio. Euro über die Börse gekauft.

Auch gestern nutzte er das günstige Kursniveau (im Schnitt rund 36 Euro) erneut zum Kauf von 120.000 eigenen Aktien. Würde so jemand handeln, der auch nur den geringsten Zweifel an den Geschäftspraktiken des eigenen Unternehmens hätte?

Einstiegsgelegenheit mit Rabatt

Für bereits in Wirecard investierte Anleger ist die Aktion ohne Frage ein Ärgernis. Für alle anderen bietet sie aktuell eine willkommene Einstiegschance. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es auch dieses Mal schnell wieder aufwärts mit der Wirecard-Aktie gehen wird.

Die Anschuldigungen aus dubioser Quelle – noch dazu mit offensichtlichem Motiv – haben den Aktienkurs von Wirecard kurzfristig um über 20% nach unten gedrückt. Für einen Weltmarktführer in einem Zukunftsmarkt mit kontinuierlichen Wachstumsraten von über 20% ist das schon ein satter Rabatt.

25. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Sascha Mohaupt. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt