Wirecard: Short-Seller haben derzeit schlechte Karten

Im Februar 2016 tauchte eine Studie auf, in der für die Aktie des deutschen TecDax-Unternehmens Wirecard ein Kursziel von 0 € angegeben wurde.

Die Wirecard-Aktie verlor daraufhin an einem einzigen Tag mehr als 20% an Wert. Es wurde damit ein Börsenwert von mehr als 1 Mrd. € ausgelöscht.

Geldwäsche, illegales Glücksspiel, Betrug: Mit diesen Anschuldigungen riss das Researchhaus Zatarra die Aktie von Wirecard in die Tiefe.

Doch der Angreifer ist ebenso undurchsichtig wie die Investoren hinter der Attacke.

Der Zahlungs-Abwickler Wirecard wehrte sich seinerzeit ebenfalls mit harten Bandagen:

„Wir nehmen an, dass die Verbreitung des Berichts unseren Aktienkurs negativ beeinflussen sollte“.

Das sagte eine Wirecard-Sprecherin – eine kriminelle Handlung, die, sofern sie sich nachweisen lässt, Sanktionen nach sich ziehen dürfte.

Tatsächlich ist bis heute niemand in diesem Zusammenhang verurteilt worden, es dürfte aber Folgendes klar sein:

dass sich US-amerikanische Hedgefonds hinter dieser Attacke verbergen, die mit Wetten auf fallende Kurse bei Wirecard Geld verdienen wollten und etwas nachgeholfen haben, damit die Kurse auch tatsächlich fallen.

Wirecard hat sich von der Attacke inzwischen erholt

Inzwischen aber hat sich die Wirecard-Aktie sehr gut von dieser Attacke erholt und notiert mittlerweile sogar wieder über dem Niveau, auf dem die Aktie vor der Short-Attacke lag.

Da aber noch immer sehr viele Leerverkäufer bei Wirecard am Werke sind, droht jetzt sogar ein sogenannter „Short-Squeeze“.

Bevor ich Ihnen erkläre, was ein „Short-Squeeze“ ist, muss ich Ihnen zunächst erläutern, was Leerverkäufe sind. Zunächst einmal müssen Sie unterscheiden zwischen gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen.

So funktionieren Leerverkäufe

Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Leerverkäufer verkaufen beispielsweise Aktien, die sie sich vorher etwa bei Fonds ausgeliehen haben.

Der Plan dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben.

Den Differenz-Betrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer als Gewinn ein.

Die Fonds machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktien langfristig im Bestand halten wollen. Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten die Fonds von den Leerverkäufern eine Leihgebühr.

Das, was ich Ihnen gerade beschrieben habe, sind sogenannte „gedeckte“ Leerverkäufe.

„Gedeckt“ nenntman diese deshalb, weil der Leerverkäufer sich vor dem Verkauf der Aktien tatsächlich leihweise damit eingedeckt hatte.

Anders ist es bei „ungedeckten“ Leerverkäufen, die gelegentlich auch als „nackte“ Leerverkäufe bezeichnet werden:

Dabei verkaufen die Leerverkäufer Papiere, mit denen sie sich zuvor nicht eingedeckt haben.

Im Extremfall könnte ein besonders pessimistischer Leerverkäufer dabei eine große Menge Aktien eines Unternehmens auf den Markt werfen, die es – im Grunde genommen – gar nicht gibt.

Durch das große Angebot erzeugt er massiven Druck auf die Kurse, weil das Angebot dadurch künstlich erhöht wird.

So funktioniert ein „Short-Squeeze“

Solche Geschäfte können die Kurs-Ausschläge bei dem Basiswert (in unserem Fall: eine Aktie) drastisch beschleunigen – auch nach oben.

Denn sobald der Anleger die Aktien wieder zurückkaufen möchte, um den Leerverkauf zu beenden, treibt er den Kurs ungewollt in die Höhe.

Das war beispielsweise bei der Übernahme-Schlacht zwischen Porsche und VW der Fall.

Die Folge: Die VW-Aktie kostete zwischenzeitlich über 1.000 €. Dieses Phänomen wird als „Short Squeeze“ bezeichnet. Solche Deals sind möglich, weil eine Lieferpflicht für die Papiere meist erst nach Tagen besteht.

Ausblick: In der kommenden Woche erfahren Sie an dieser Stelle, warum ich Leerverkäufe nicht generell verurteile und welche deutschen Aktien derzeit die Lieblinge der Leerverkäufer sind.

1. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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