Wirecard-Skandal: Finanzausschuss berät Konsequenzen

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Die Vergangenheit aufarbeiten und für die Zukunft neue Regeln aufstellen – darum wird es gehen im Finanzausschuss nächste Woche. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Die Ära Wirecard endet am heutigen Freitag, zumindest im Dax. Ab Montag wird die Aktie des insolventen Zahlungsdienstleisters im Leitindex durch Anteilsscheine des Essenslieferdienstes Delivery Hero ersetzt.

Doch damit ist die Geschichte dieses Wirtschaftskrimis noch lange nicht vorüber. In der kommenden Woche wird der Finanzausschuss des Bundestages zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um dem Fall weiter nachzugehen. Auch ein Untersuchungsausschuss zu Wirecard ist alles andere als ausgeschlossen.

Organisierte Nicht-Zuständigkeit

Wer wusste wann was, wer trug welche Verantwortung, welche Versäumnisse hat es gegeben und welche rechtlichen, personellen oder sonstigen Konsequenzen hat das Ganze für die beteiligten Firmen und Institutionen? Um diese Fragen wird es in erster Linie gehen bei der Aufarbeitung des Skandals um Bilanzfälschung im großen Stil, die scheinbar jahrelang niemandem aufgefallen war, weder den Wirtschaftsprüfern von EY, noch der Finanzaufsicht Bafin.

Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Hinweise gegeben, die auf Ungereimtheiten bei Wirecard hindeuteten. Immer wieder wurden diese Verdachtsmomente von den Unternehmensverantwortlichen, aber auch von Seiten der Politik forsch zurückgewiesen. Es handele sich um reine Spekulationen, um Angriffe von Short Sellern, die aus einem volatilen Aktienkurs Profit schlagen wollten.

Doch ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtete bereits vor längerer Zeit über Auffälligkeiten. Doch statt dem näher nachzugehen, lehnten sich die Prüfer auf deutscher Seite zurück und sonnten sich in vermeintlicher Nicht-Zuständigkeit.

Wie ein roter Faden zieht sich die organisierte Nichtverantwortung durch die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals. Luftbuchungen in Höhe von fast 2 Milliarden Euro, immerhin einem Viertel des Geschäftsvolumens, sollen niemandem aufgefallen sein.

Mehr Kompetenzen für die Bafin?

Bei der Bafin fühlt man sich nicht zuständig. Man sei schließlich lediglich für die Wirecard Bank – und somit einen kleinen Zweig des Gesamtunternehmens – verantwortlich gewesen. Formal stimmt das auch. Dennoch wirft diese Praxis Fragen auf.

Am Ende dürfte bei der parlamentarischen Aufarbeitung im Finanz- und gegebenenfalls im Untersuchungsausschuss auch die Frage in den Vordergrund rücken, welche Lehren aus dem Debakel für die Zukunft zu ziehen sind – etwa klarere Regeln für Fintech-Unternehmen, die derzeit als Zwitter zwischen Finanz- und  Technologieunternehmen nicht klar einem Prüfungsbereich zugeordnet werden. Aber auch eine Ausweitung der Kompetenzen der Bafin ist denkbar.

Börse passt Dax-Regeln an

In Frankfurt geht es mit den Konsequenzen etwas schneller als in Berlin: Hier hat die Deutsche Börse bereits ihre Regeln angepasst. Eigentlich hätte die Wirecard Aktie nämlich noch regulär bis September im Dax gelistet sein sollen – ein Zustand, mit dem jedoch niemand wirklich glücklich war, sodass die Regularien nun verändert wurden.

Sollte künftig ein Dax-Konzern in die Pleite rutschen, wird dessen Aktie innerhalb von zwei Handelstagen aus dem Leitindex entfernt. Analog gilt dies auch für die gesamte Dax-Familie, also MDax, SDax und TecDax.

Welche Konsequenzen man in Berlin aus dem Skandal ziehen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht zeichnet sich kommende Woche schon etwas mehr ab.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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