Wirtschaftsklima in der Eurozone trübt sich spürbar ein

Ganz Europa leidet ja aktuell unter einer historischen Hitzewelle. Gleichzeitig trübt sich aber das Wirtschaftsklima immer weiter ein. (Foto: maradon 333 / shutterstock.com)

Der Hochsommer in Europa scheint derzeit alle historischen Rekorde zu brechen. Fakt ist, dass in Portugal aktuell Temperaturen von über 45 Grad gemessen werden. Also, nochmals zehn Grad mehr als in deutschen Landen.

Wirtschaftsklima kühlt ab

Während ganz Europa unter der Hitzewelle leidet, kühlt sich gleichzeitig das Wirtschaftsklima in der Eurozone merklich ab. Erst in der vergangenen Woche kamen aus München vom ifo-Institut alles andere als beruhigende Nachrichten. Prof. Fuest, Präsident des ifo-Institituts und Nachfolger von Prof. Hans-Werner Sinn, gab bekannt, dass das ifo Wirtschaftsklima im Juli 2018 von 31,1 auf 19,6 Saldenpunkte gefallen sei.

Seit 1981 befragt das ifo Institut ja im vierteljährlichen Turnus Experten aus einer Vielzahl von Ländern zur Konjunkturentwicklung und zu anderen Wirtschaftsdaten in ihrem jeweiligen Beobachtungsgebiet. Die Ergebnisse für den Euroraum basieren im Juli 2018 auf den Meldungen von 367 Experten.

Massive Verschlechterung bei den Konjunkturerwartungen

Und jene Experten gaben gleich doppelt schlechte Meldungen ab. Zum einen verschlechterte sich die Einschätzung zur aktuellen Lage. Und zum anderen trübten sich auch die Erwartungen spürbar ein. Diese fielen auf den geringsten Stand seit Ende 2012. Das ist schon erheblich und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Herr Fuest merkte an, dass das in Summe auf eine konjunkturelle Abschwächung im gesamten Euroraum hindeuten würde.

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Das Wirtschaftsklima verschlechterte sich laut ifo jedenfalls in den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone. Allerdings variiere das Ausmaß der Abschwächung. In Deutschland, Italien und den Niederlanden hätten die Experten insbesondere ihre Erwartungen stark nach unten korrigiert.

Der Lageindikator sei in diesen drei Ländern ebenfalls gesunken, aber noch im relativ positiven Bereich. Höchst beachtlich ist auch, dass in Italien, dem großen Krisenland im Süden des Kontinents, die aktuelle Lagebeurteilung schon jetzt negativ ausfällt. Und das in einer Zeit, in der der mächtige EZB-Chef, der ja aus Italien stammt, immer noch von einem Aufschwung in der gesamten Eurozone redet.

Ja, liebe Leser, das war es dann wohl mit dem Aufschwung in Europa. Signifikant ist jedenfalls, dass die Experten zum ersten Mal seit Ende 2012 mit stagnierenden Investitionen rechnen. Die aktuelle Zoll- und Protektionismusdebatte führe ferner zu einer deutlichen Verschlechterung der Exporterwartungen. Und last but not least sei angemerkt, dass die befragen Experten eine Inflationsrate von „nur“ 1,7 Prozent im Euroraum in diesem Jahr erwarten. Das liegt ja weiter unterhalb der Zielmarke der Euro-Notenbank. Von galoppierender Inflation kann da wahrlich nicht die Rede sein!


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.