Wirtschaftsstandort Österreich: Es gibt Verbesserungsbedarf

Österreich Symbolbild – Composer ado

Österreich glänzt mit hoher Exportkraft, Sicherheit und Lebensqualität, muss aber im Bildungssystem und Bürokratie nachbessern. (Foto: Composer / Adobe Stock)

Im jährlichen Deloitte-Ranking hat Österreich 2018 erneut den Einzug in die Europe Top 10 verpasst.

Während die Alpenrepublik mit einer hohen Exportkraft, Sicherheit und Lebensqualität punktet, gibt es im Bereich der Abgabenquote und Bürokratie deutlichen Verbesserungsbedarf. Das größte Defizit liegt laut Deloitte jedoch im Bildungssystem, das zu einem wesentlichen Fachkräftemangel führt und die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen deutlich bremst.

„Der Fachkräftemangel hemmt das Wachstum und die Zukunftsaussichten des Landes. Gleichzeitig bleibt jede Menge Potenzial am Arbeitsmarkt ungenutzt. Das hat zwei Gründe: Einerseits sind wir von echter Chancengleichheit weit entfernt, andererseits verlieren wir viele Talente bereits in einem unzeitgemäßen Bildungssystem“, so Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Österreich.

Österreich dennoch auf dem Wachstumspfad

Obwohl der österreichische Wirtschaftsstandort an Attraktivität verliert, blickt die Alpenrepublik auf ein wirtschaftlich sehr erfolgreiches Jahr zurück. Neben hohem Wachstum, einer sinkenden Arbeitslosenquote und Rekordexporten, hat eine belebte globale Konjunktur für solide Wirtschaftsdaten gesorgt. Es zeichnet sich ein bekanntes Bild ab: Der Privatkonsum, die Binnennachfrage und ein belebtes Exportgeschäft entwickelten sich dynamisch. Die öffentlichen Ausgaben spielten eine eher untergeordnete Rolle für das österreichische Wirtschaftswachstum.

Die wichtigsten Exportländer im Überblick

Mit nur knapp 9 Mio. Einwohnern ist Österreich von engen Handelsbeziehungen abhängig. Im vergangenen Jahr machten Exporte 54,5% des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte jeden Euros durch das Exportgeschäft erwirtschaftet wird. Rund 70% der Exporte landen innerhalb der Europäischen Union. Deutschland führt die Liste der wichtigsten Exportpartner bei Weitem an: Rund ein Drittel aller Exporte gehen nach Deutschland. Die USA haben sich mit 7,1% den 2. Platz erkämpft, gefolgt von Italien mit 6,5% auf dem 3. Platz. Trotz der großen politischen Unsicherheiten in Italien und der wirtschaftlichen Stagnation kletterten die Exporte nach Italien im vergangenen Jahr um 7,4% auf 9,8 Mrd. €.

Meine österreichischen Favoriten leben vom Export

Bei meinen österreichischen Favoriten sieht die Situation noch extremer aus. Denn Unternehmen wie CA Immo, FACC, Porr und UBM verdienen nur einen Bruchteil ihrer Gesamtumsätze am heimischen Markt. Mit einem Umsatzanteil je Unternehmen zwischen 40 und 60% ist die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wegweisend.

Unternehmen wie Porr und CA Immo profitieren aber auch maßgeblich von der Ostblocköffnung und den teilweise zweistelligen Wachstumsquoten. Eine gemeinsame Währung und offene Handelswege haben diesen Konzernen über die vergangenen Jahrzehnte den Weg zum internationalen Anbieter ermöglicht.

Privatkonsum ist Wachstumstreiber

Neben dem Export ist der Privatkonsum die zweite zentrale Stütze der heimischen Wirtschaft. 2018 haben österreichische Privatkonsumenten ihre Ausgaben noch einmal angekurbelt. Der Privatkonsum legte um 1,6% zu. Für 2019 und 2020 rechnet die Wirtschaftskammer Österreich mit einer anhaltenden Dynamik und Wachstumsquoten von jeweils 1,7%.

Gestützt wird diese Entwicklung durch die sinkende Arbeitslosenquote. Nachdem die Arbeitslosenquote bis 2016 auf fast 10% geklettert ist, meldet Österreich seither wieder freundlichere Arbeitsmarktzahlen. 2018 ging die Arbeitslosenquote von 8,5 auf 7,7%. Dieser Trend soll auch im laufenden und nächsten Jahr anhalten und somit den Privatkonsum weiter untermauern.

Kein Deflationsgespenst in Sicht

Österreich hat sich in Hinsicht auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zum Musterschüler entwickelt. Die EZB zielt auf eine Inflationsrate nahe – aber unter 2% ab. Die Alpenrepublik hat 2018 mit 1,9% den Nagel auf den Kopf getroffen. Anziehende Immobilien- und Lebensmittelpreise sorgten für einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Die Statistik Austria geht von einem ähnlichen mittelfristigen Verlauf aus. 2019 soll die Inflationsrate 1,7% betragen, 2020 dann wieder moderat auf 1,8% steigen.

Boomende Investitionen trotz rückläufigem EMI

Monatlich werden Einkaufsmanager wichtiger Unternehmen nach der Entwicklung von Kenngrößen wie Auftragseingang, Auftragsbestand, Einkaufsmenge und Einkaufspreisen befragt. Die Ergebnisse dieser Umfragen ergeben den Einkaufsmanagerindex (EMI), der im vergangenen Jahr kontinuierlich zurückgefallen ist.

Seit Anfang 2018 ist der EMI Österreich von 63 auf 50 Punkte im März 2019 gefallen; Werte über 50 signalisieren Wachstum, Werte unter 50 eine rückläufige Entwicklung. Dennoch zeigen sich die Unternehmen positiv gestimmt. Denn die Investitionen in Ausrüstung, Bau und Anlagen legten 2018 mit durchschnittlich 1,8% deutlich zu.

Fazit: Solides Wachstum bei eintrübendem Umfeld

Seitdem Österreich den Platz, der am langsamsten wachsenden Volkswirtschaft der Eurozone im Jahr 2015 eingenommen hat, sind knapp über 3 Jahre vergangen. Die Alpenrepublik hat ihren Weg zurück auf den Wachstumspfad gefunden, die Arbeitslosenquote sinkt, der Privatkonsum nimmt Fahrt auf und die Inflationsrate bewegt sich zwischen gesunden 1,6 und 1,9%. Mit insgesamt zehn 4- und 5-Sterne-Werten zählt Österreich zu einem der attraktivsten Märkte der Aktien-Analyse. Dennoch müssen Defizite in puncto Bürokratie, Abgaben- und Bildungssystem aufgearbeitet werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Meine kurz- und mittelfristige Prognose: Wachstum.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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