Wirtschaftsweise korrigieren Prognose deutlich nach unten

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Das Worst-Case-Szenario vom März-Gutachten war noch zu optimistisch: Die Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose nach unten korrigiert. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Die Wirtschaftsweisen haben in dieser Woche eine aktualisierte Prognose vorgelegt und ihre Einschätzungen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Konjunkturentwicklung spezifiziert.

Demnach rechnet der Sachverständigenrat für das laufende Jahr mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums um 6,5 Prozent. Damit fällt der Ausblick nun deutlich pessimistischer aus als noch im März, als die Wirtschaftsexperten zuletzt eine Einschätzung abgaben.

März-Prognose war zu optimistisch

Damals waren die Sachverständigen noch davon ausgegangen, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2020 um 2,8 Prozentpunkte schrumpfen würde – dies war das als am wahrscheinlichsten angenommene Szenario, ausgehend von einem fünfwöchigen Lockdown. Im schlimmsten Fall rechneten die Wirtschaftsweisen mit einem Rückgang um 5,4 Prozent. Auch dieser Wert war jedoch offenbar noch zu optimistisch.

Die Sachverständigen begründen ihre neuerliche Korrektur nach unten insbesondere damit, dass die einschränkenden Maßnahmen länger gedauert hätten als angenommen – und sie zudem die globalen Effekte unterschätzt hatten.

Außenhandel liegt brach

Als Exportnation ist die deutsche Wirtschaft auf einen florierenden Außenhandel angewiesen. Andere Länder – innerhalb wie außerhalb Europas – waren von den Auswirkungen der Pandemie jedoch noch weitaus härter betroffen als Deutschland, sodass die Wirtschaft dort eine noch heftigere Vollbremsung hinlegte.

Das wiederum hat bedeutende Rückwirkungen auf die hiesigen Geschäftsentwicklungen, denn wenn die Absatzmärkte im Ausland reihenweise wegbrechen, werden deutsche Exporteure ihre Waren nicht mehr los. Selbst Unternehmen, die vergleichsweise mit einem blauen Auge davongekommen sind, stehen also mitunter vor größeren Herausforderungen aufgrund der einbrechenden Globalwirtschaft.

USA härter getroffen als angenommen

Besonders deutlich haben sich die Wirtschaftsweisen mit Blick auf die USA verschätzt. Hier hatte Corona in den vergangenen Monaten deutlich heftigere Auswirkungen als zunächst angenommen. Die Infektionswelle erfasste die Vereinigten Staaten erst relativ spät, dafür aber umso heftiger – nicht zuletzt, weil US-Präsident Donald Trump lange Zeit versuchte, das Problem kleinzureden.

Doch trotz des pessimistischen Ausblicks für das laufende Jahr sehen die Experten auch ein Licht am Horizont. So rechnen sie mit einer Erholung der Konjunktur ab dem Sommer 2021. Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach im kommenden Jahr um rund 4,9 Prozentpunkte zulegen, ab dem darauffolgenden Jahr könnte das Niveau von vor der Coronakrise wieder erreicht werden.

Unsicherheiten auch bei neuer Prognose

All diese Schätzungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn aktuell ist nicht absehbar, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland und weltweit weiterentwickeln wird. Gesundheitsexperten warnen eindringlich vor einer zweiten Infektionswelle, und bis es einen Impfstoff oder wirksame Medikamente gegen Covid-19 gibt, können noch Monate, im schlimmsten Fall Jahre vergehen.

Etliche Industriezweige, die vom engen Personenkontakt leben, wie beispielsweise die Veranstaltungsbranche, liegen weiterhin am Boden, ohne ein erkennbares Ende der Einschränkungen. Die drohenden reihenweisen Firmenpleiten, vor denen unterschiedliche Branchenverbände warnen, könnten auch die aktuellen Prognosen als noch zu optimistisch enttarnen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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