Wirtschaftsweise mit Jahresgutachten: Die unberechenbaren Jahre

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Das Jahr 2020 war unberechenbar. Gleiches gilt für 2021, nur dass man es diesmal vorher weiß. Die Wirtschaftsweisen raten in die Zukunft. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Vergangene Woche haben die Wirtschaftsweisen ihr Jahresgutachten vorgelegt – für eines der unberechenbarsten Jahre der letzten Dekaden.

Die Corona-Pandemie hat die Welt zu einer Vollbremsung gezwungen, gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Reisepläne wurden über den Haufen geworfen, Anschaffungen gecancelt, stattdessen stehen Konjunkturhilfen, Kurzarbeit und Kredite zur Überbrückung der schlimmsten Wochen auf dem Programm.

Vor allem im Frühjahr, als das Virus noch neu war und die dadurch ausgelöste Erkrankung wenig erforscht, und sich eine Nation nach der anderen in den Lockdown begab, ging es auch für die Wirtschaft bergab. Für die deutsche Wirtschaft gilt das umso mehr, als sie bekanntlich stark exportgetrieben ist. Im März, April, Mai jedoch brachen die internationalen Lieferketten ebenso in sich zusammen wie die globalen Absatzmärkte.

Starkes Sommerquartal rettet Jahreskonjunktur auf Finanzkrisenniveau

Kein Wunder also, dass Beobachter und Konjunkturexperten von einem verheerenden Wirtschaftseinbruch für das Gesamtjahr ausgingen. Zur Jahresmitte hin lagen die Schätzungen bei einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von teils mehr als 6 Prozent.

Auch die Wirtschaftsweisen – ein Sachverständigenrat, der die Bundesregierung in ökonomischen Fragen berät – hatte im Juni noch mit einem Minus von 6,5 Prozent gerechnet. Das Sommerquartal bis Ende September verlief dann allerdings für viele Branchen besser als befürchtet. Im jetzt vorgestellten Jahresgutachten wurde die Prognose dementsprechend ein Stück weit nach oben korrigiert auf minus 5,1 Prozent. Das entspricht in etwa dem Rückgang während der globalen Finanzkrise 2009.

Damit bescheinigen die Experten den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung eine gewisse abfedernde Wirkung. Ohne die beherzten Konjunkturpakete, die kurzfristig Milliardenbeträge freigaben, wäre der Absturz wohl noch deutlich verheerender ausgefallen.

Leichte Erholung 2021 – vielleicht

Für das kommende Jahr erwarten die Wirtschaftsweisen derzeit ein Wachstum von 3,7 Prozent, eine Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau wird jedoch erst 2022 für realistisch erachtet. Beides ist allerdings stark davon abhängig, wie sich die Pandemie in den kommenden Monaten weiterentwickelt.

Hoffnung auf bessere Zeiten machten zuletzt Meldungen mehrerer Pharmaunternehmen, deren Impfstoffe in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse lieferten und nun offenbar kurz vor einer Zulassung stehen. Allerdings dürfte es Monate, wenn nicht gar Jahre dauern, bis ein hinreichend großer Teil der Bevölkerung geimpft werden kann und das Virus seinen Schrecken verliert.

Sollte es in der Zwischenzeit zu weiteren Verschärfungen der beschränkenden Maßnahmen kommen, könnte das die konjunkturelle Erholung wieder empfindlich ausbremsen. Mit dem Teil-Lockdown im November versucht die Bundesregierung nun, gezieltere Maßnahmen zu ergreifen und nur bestimmte Wirtschaftszweige in die Zwangspause zu schicken.

2021: Unberechenbar mit Ansage

Ob das allerdings auf Dauer ausreichen wird, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, ist die eine offene Frage. Eine weitere lautet, wie es in den restlichen Ländern klappt: Bricht die Nachfrage im europäischen Binnenmarkt oder in den USA ein, wirkt sich auch das direkt auf die deutsche Konjunkturentwicklung aus.

Der Westen ächzt derzeit unter der zweiten Corona-Welle, eine wirkliche Verbesserung der Gesamtsituation ist über die Wintermonate eher nicht zu erwarten. Besser läuft es in Fernost: In China, Japan und weiteren Staaten in der asiatisch-pazifischen Region gilt die Pandemie bereits als weitgehend überwunden oder zumindest erfolgreich eingedämmt. Hier läuft auch die Wirtschaft schon wieder einigermaßen rund.

Unterm Strich aber bleibt festzuhalten: Auch das aktuelle Gutachten der Wirtschaftsweisen kann nicht mehr sein als eine Momentaufnahme. Das kommende Jahr wird ähnlich unberechenbar wie 2020 – nur mit Ansage.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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