WLTP: Prüfzyklus belastet noch die Autoindustrie

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Lesen Sie jetzt, was hinter dem neuen Abgasprüfverfahren WLTP steckt und wie es sich auf das aktuelle Zahlenwerk von BMW ausgewirkt hat. (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

Der Wahlkampf in den USA ist endlich vorbei. Die Aktienmärkte reagieren heute positiv auf den Wahlausgang. Die Hoffnung: Nach den vielen scharfen Wahlkampfreden kann US-Präsident Donald Trump jetzt zeitnah eine Einigung im Handelsstreit suchen und finden.

Dann würde ein großer temporärer Belastungsfaktor an der Börse verschwinden. Um einen weiteren Belastungsfaktor, der kurzzeitig eine wichtige deutsche Wirtschaftsbranche ausbremst, kümmern wir uns jetzt im Schlussgong.

Wenn Sie Besitzer eines Autos sind, werden Sie sicherlich schon festgestellt haben, dass Sie im Normalfall einen wesentlich höheren Kraftstoffverbrauch hinnehmen müssen als im Prospekt angegeben ist. Das war früher anders und soll sich nun auch wieder ändern.

Dies soll mit Hilfe eines neuen Prüfverfahrens geschehen. Dieses Prüfverfahren heißt WLTP. WLTP steht für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure. Dabei handelt es sich um einen neuen Mess-Standard für den Kraftstoff- und Stromverbrauch bei Kraftfahrzeugen, bei dem die Verbrauchswerte näher an der Realität gemessen werden.

Dadurch werden auch Abgaswerte wie Kohlendioxidemissionen realistischer bewertet. Das neue Mess-Verfahren gilt seit dem 1. September 2018 und stellt die Autobauer derzeit vor besondere Herausforderungen, unter denen auch deren Zulieferer im zurückliegenden Quartal gelitten haben und noch eine Weile leiden werden.

Es handelt sich dabei jedoch nur um temporäre Herausforderungen. Denn wenn die Umstellung einmal erfolgt ist, kehrt wieder Normalität ein. Die Neuzulassungen, die zuletzt rückläufig waren, werden dann wieder steigen. Ich rechne sogar mit einem sprunghaften Anstieg, da es zu einem Nachholeffekt kommen dürfte.

Heute hat der deutsche Premium-Autobauer BMW aktuelle Zahlen vorgelegt, die vor allem durch WLTP belastet wurden. Diese Zahlen möchte ich Ihnen jetzt im Detail vorstellen.

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BMW: Zahlenwerk von WLTP negativ beeinflusst

BMW legte zuletzt den Rückwärtsgang ein. Die Einführung neuer Abgasprüfverfahren (WLTP) und Rückstellungen haben dem Unternehmen im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch beschert.

Unterm Strich fuhr BMW einen Gewinn von 1,41 Mrd. Euro ein. Das sind fast 24% weniger als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn (EBIT) schrumpfte sogar um über 26% auf 1,85 Mrd. Euro.

Wegen des neuen WLTP-Abgasverfahrens in Europa lieferten sich zahlreiche Autobauer regelrechte Rabattschlachten. BMW wollte sich daran nicht beteiligen und nahm dafür in Kauf, weniger Autos zu verkaufen.

Ich halte die Strategie, keine übermäßigen Rabatte zu geben, für genau richtig. Damit verzichtet BMW kurzfristig auf Umsatz, macht sich aber nicht nachhaltig die Preise und damit auch die Gewinnmargen kaputt.

Ebenfalls positiv ist, dass BMW den Rückstand auf den Erzrivalen Daimler beim PKW-Absatz in diesem Jahr voraussichtlich verkürzen wird. Bis Ende September lagen die Münchner nur knapp 149.000 Fahrzeuge hinter den Stuttgartern. 2017 waren es zu diesem Zeitpunkt fast 180.000 Autos.

Insgesamt lieferte BMW im 3. Quartal 507.000 Fahrzeuge aus und legte damit beim Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,5% zu. Der Umsatz kletterte um knapp 5% auf 24,76 Mrd. Euro. Ohne WLTP und die vergleichsweise hohen Rückstellungen für Gewährleistungsfälle (679 Mio. Euro) würde BMW auf ein operativ gutes Quartal zurückblicken.

Meine Einschätzung: Da es sich um temporäre Belastungsfaktoren handelt, wird BMW schon ab dem laufenden 4. Quartal auf der Ergebnisebene wieder zulegen können. Sobald das Unternehmen seine alte Profitabilität wieder erreicht, sollte die Aktie deutlich höher notieren.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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