Wohnungen vom Discounter…

Wie Aldi 2000 Wohnungen in Berlin bauen will und warum das Konzept bundesweit umgesetzt werden sollte. Innerstädtische Verdichtung beinhaltet viele Optionen – vielleicht auch für Ihre Liegenschaft. (Foto: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

Wenn es um Neubauprojekte in den deutschen Ballungszentren geht, hören wir unisono, wie teuer die Errichtung von Gebäuden geworden ist, wie groß bürokratische Belastungen seien und dass in der Folge die Mieten entsprechend hoch sein müssen, da es sonst nicht lohne, Wohnraum zu schaffen.

Umso erstaunlicher die Ansage des Diskounters Aldi!

Discount-Miete

Im hochpreisigen Berlin will Aldi 2000 Wohnungen errichten, wobei die maximale Miete bei 10 Euro nettokalt liegen soll und 30% sogar zu 6,50 Euro angeboten werden.

Und diese Mieten sogar  innerhalb des S-Bahnringes, wo selbst Bestandswohnungen nicht unter 12 bis 14 Euro zu haben sind.

Die Lage der Wohnungen ist genauso zentral wie die Aldi-Märkte in der Hauptstadt selber.

Denn genau dort werden die Wohnungen gebaut, auf den Aldi-Märkten.

Dazu werden diese zunächst abgerissen, und entsprechend neue Gebäude auf den Aldi eigenen Grundstücken errichtet – nur diesmal nicht als Flachbau, sondern als mehrgeschossige Wohngebäude mit einem Aldi-Markt im Erdgeschoss.

Aldi greift damit ein wichtiges Thema auf, welches an vielen Stellen diskutiert wird und nicht nur Freunde hat:

Innerstädtische Verdichtung

Es gibt eine Vielzahl von Überlegungen, die unter dem Konzept innerstädtischer Verdichtung fallen. Eine davon ist, dass die typischerweise als Flachbauten konzipierten Verbrauchermärkte in Innenstadtlagen eine pure Verschwendung von Wohnraum darstellen – besonders in den unter angespannten Wohnungsmärkten leidenden Metropolstädten.

Aldi kann rechnen

Es ist meines Erachtens eine win-win Situation, wenn Aldi ein solches Konzept umsetzt. Zum einen profitiert Aldi von neuen Märkten mit deutlich größerer Verkaufsfläche. Die alten Märkte mit rund 800qm Verkaufsfläche erweitern sich in den neuen Gebäuden erheblich, womit der Diskounter seine Produktvielfalt erweitern kann.

Davon profitiert Aldi und der Kunde.

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Darüber hinaus entsteht sehr preiswerter Wohnraum in hochpreisigen Metropolen.

Auch davon profitiert Aldi als Vermieter, aber auch der Mieter.

In der Stellungnahme von Aldi zu diesem Thema sind mir zwei weitere Aussagen aufgefallen:

Zum ersten, über langsame Genehmigungsverfahren könne man nicht klagen, im Gegenteil, der Bauantrag sei zügig bearbeitet worden.

Das hört man selten!

Zum zweiten, in Berlin gäbe es einen Trend zur fußläufigen Kundschaft, weswegen der teilweise Wegfall von Parkplätzen aufgrund größerer Grundrisse nicht störe.

Es ist richtig, dass die Mischbebauung, also der Mix aus Wohnen und Einkaufen, vor allem Lebensmittel, der richtige Weg ist, innerstädtische Gestaltung vorzunehmen. Früher gab es den Tante-Emma-Laden an jeder Ecke, dann den Supermarkt auf der grünen Wiese und heute den Supermarkt fußläufig.

Dachgeschossausbau sinnvoll?

Pauschal den leider etwas negativen Begriff der innerstädtischen Verdichtung abzulehnen, halte ich daher für falsch.

Dazu gehört auch der vielerorts erleichterte Dachgeschossausbau, der tausende neue Wohnungen schaffen könnte. Manch ein Bestandshalter sollte die Gunst der Stunde nutzen und prüfen, ob es in seinem Bestand sinnvolle Optionen gibt.

Einfach mal dazu bei seiner Kommune nachfragen.


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Von: Andreas Sell. Über den Autor

Andreas Sell ist heute als Investor, Geschäftsführer verschiedener Grundstücksgesellschaften, Beiratsmitglied einer Münchener Fondsgesellschaft und Autor tätig.