Würden Sie derzeit in deutsche Aktien investieren?

Der DAX kommt seit November einfach nicht „in die Gänge“. Wo liegen die Gründe dafür? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Stellen Sie sich doch bitte für einen Moment vor, Sie wären der Manager eines vermögenden Aktienfonds und hätten derzeit zu entscheiden, in welchem Land Sie am profitabelsten investieren sollten.

Mal ehrlich: Wären dann deutsche Aktien Ihre erste Wahl? Wohl kaum!

Und damit haben Sie eine erste Begründung, warum der DAX schon seit November des vergangenen Jahres nicht „in die Gänge kommt“.

Wir werden uns darüber hinaus heute mit der charttechnischen Lage auseinandersetzen.

Wichtiger Wirtschaftspartner seit 5 Monaten ohne Regierung …

Als Fondsmanager sind Sie in der Verpflichtung gegenüber den Anteilsinhabern, das Ihnen anvertraute Kapital in den Regionen zu investieren, welche die größten Kurssteigerungen versprechen.

Fakt ist: In Deutschland wurde am 23. September 2018 ein neuer Bundestag gewählt. Doch dem Auftrag des Volkes, eine neue Regierung zu bilden, kommen die Parteien seit nunmehr 5 (!) Monaten nicht nach!

Damit nicht genug, ist die Hoffnung auf eine Bundesregierung, die endlich auch mal etwas bewegt, schon im November geplatzt. Besser gesagt:

Die FDP beendete diese „Chance für Deutschland“ mit ihrem unerwarteten und frühen Ausstieg aus den Verhandlungen für die „Jamaika-Koalition“ (CDU, Grüne, FDP = schwarz-grün-gelb).

… oder werden es gar 12 Monate?

Und die Verhandlungen für eine neue alte Regierung aus SPD und CDU ziehen sich seit dem Platzen der Jamaika-Koalition zäh wie ein Kaugummi dahin. Wobei schon jetzt absehbar ist, dass auch diese Regierung – sollte sie zustande kommen – nicht wirklich Großes bewegen dürfte.

Und auch das kann ja noch immer geschehen: Dass die Verhandlungen zur „Großen Koalition“ letztlich auch scheitern. Dann gäbe es Neuwahlen sowie weitere Regierungsverhandlungen.

Ein derart wichtiger Wirtschaftspartner wie Deutschland, nicht nur in Europa, sondern auch im Rest der Welt, wäre dann schätzungsweise annähernd 1 Jahr lang „nicht regiert“ worden!

Wall Street bietet derzeit die größeren Profit-Chancen

Ich empfinde das zunehmend als einen unglaublichen Vorgang. Und als Fondsmanager sähe ich meine Profitchancen derzeit wohl nur in wenigen Ausnahmefällen in deutschen Aktien.

An der Wall Street sieht das beispielsweise komplett anders aus: Hier wurde im Dezember 2017 ein gigantisches Steuermaßnahmenpaket verabschiedet, das den US-Unternehmen ein gewaltigen Schub verleihen wird.

Aber wenden wir uns nun der aktuellen Charttechnik des DAX zu:

DAX: Großinvestoren sehen derzeit wenig Perspektiven

Die gute Nachricht vorweg: Der im Februar gestartete Aufwärtstrend im DAX ist noch immer intakt.

Da der DAX-Rücksetzer in der ersten Februarhälfte nicht bis auf die Aufwärtstrend-Linie reichte, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er dies in den kommenden Tagen und Wochen noch nachholt.

Den Bereich, der dabei als Unterstützung in Frage kommt, habe ich Ihnen pinkfarben markiert: Die Zone reicht von 11.940 bis 11.870 Punkten.

OBV bestätigt: Großinvestoren sehen derzeit wenig Perspektiven

Da wir eingangs über die Strategie von Fondsmanagern bezüglich Deutschland-Investments gesprochen haben: Schauen wir doch zum Abschluss noch auf das On-Balance-Volumen (OBV).

Dieser Indikator verknüpft bekanntlich die börsentäglichen Kursveränderungen eines Marktes mit den dazugehörigen Umsätzen. Auf diese Weise können Sie das Verhalten der Großinvestoren sehr gut nachvollziehen.

Versuche, Ende Oktober / Anfang November 2017 und im Januar 2018, die Rallye im Dax voran zu treiben (rote Ringe), scheiterten. Während des Rücksetzers in der ersten Februarhälfte reduzierten die Großinvestoren ihre Deutschland-Positionen recht kräftig:

Das On-Balance-Volumen ist auf das Niveau von September 2017 abgesunken. Das bestätigt meine Einschätzung, dass die Großinvestoren derzeit bei deutschen Aktien vergleichsweise geringe Perspektiven sehen.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.