Wüstenrot & Württembergische: Value-Schnäppchen

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Die Aktie des Finanzkonzerns Wüstenrot & Württembergische notiert weit unter ihrem Buchwert und ist damit eine echte Value-Perle. (Foto: Wüstenrot & Württembergische)

Die Berichtssaison läuft weiter auf Hochtouren. In dieser Woche öffnete beispielsweise der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) seine Bücher.

Obwohl das Unternehmen gut verdient, wird die im SDax gelistete Aktie von den Anlegern derzeit noch – zu Unrecht – vernachlässigt. Für Value-Anleger sollte sich ein Blick auf die Aktie von W&W lohnen. Denn sie notiert weit unter ihrem Buchwert.

Wüstenrot & Württembergische: Unabhängiger Finanzdienstleister

Für diejenigen, die W&W nicht kennen, möchte ich das Unternehmen zunächst kurz vorstellen. W&W entstand im Jahr 1999 durch die Fusion der ältesten deutschen Bausparkasse Wüstenrot mit der Württembergischen Versicherung. Seit 2005 zählen auch die Karlsruher Versicherungen zum Konzern.

Das konservativ geführte Unternehmen ist schwerpunktmäßig in den Sparten Versicherung, Baufinanzierung und Altersvorsorge aktiv. Als unabhängiger Finanzdienstleister bietet W&W seinen Kunden Leistungen für Wohneigentum, Vermögensbildung, Zukunftssicherung und Risikoschutz aus einer Hand.

Die Wüstenrot Stiftung hält über zwei Holdinggesellschaften gut 66% der Anteile. Etwas mehr als ein Drittel der Aktien befindet sich im Streubesitz.

Hohe Investitionen drücken in diesem Jahr den Gewinn

Im vergangenen Jahr hatte die Aktie noch eine Aufholjagd gestartet und um über 25% zugelegt. Seit dem Jahreswechsel hat der Kurs aber wieder deutlich korrigiert und den Bewertungsabschlag wieder ausgeweitet. Nach der Vorlage des Jahresabschlusses Ende März hat sich der Rückgang sogar noch beschleunigt.

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Zwar steigerte der Finanzdienstleister den Überschuss um 9,6% auf 258,0 Mio. Euro. Für dieses Jahr rechnet W&W aber mit einem niedrigeren Gewinn.

Verantwortlich dafür ist keineswegs eine schwache Geschäftsentwicklung. Der Grund sind hohe Investitionen in die Digitalisierung. Für das laufende Jahr peilt das Management einen Jahresüberschuss von über 200 Mio. Euro an.

Bis zum Jahr 2020 will W&W insgesamt 820 Mio. Euro in neue Produkte und Prozesse investieren und sich so für die Zukunft rüsten. Gleichzeitig soll die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 6.600 gesenkt werden, indem nicht jeder Mitarbeiter, der in Rente geht, ersetzt wird.

Aktie notiert 56% unter dem Buchwert

Die angekündigten Investitionen zeigen sich auch in den Zahlen zum 1. Quartal. Während die Beiträge um 2,8% auf 973,1 Mio. Euro zulegten, sank der Überschuss um 16,5% auf 58,0 Mio. Euro. Dagegen hat Substanzwert einmal mehr deutlich zugelegt. Das Eigenkapital je Aktie stieg gegenüber Ende 2017 von 42,16 auf 46,12 Euro.

Das bedeutet: Obwohl die Aktie von W&W nach den Zahlen zulegen konnte, wird sie derzeit rund 56% unter ihrem Buchwert gehandelt und ist unter Value-Gesichtspunkten ein echtes Schnäppchen. Ein gewisser Bewertungsabschlag von 20, vielleicht 30% mag für dieses Finanzkonglomerat durchaus berechtigt sein.

Ein Rabatt von mehr als der Hälfte ist aus meiner Sicht jedoch nicht nachvollziehbar. Für Value-Anleger könnte es sich daher lohnen, auf eine Kurserholung zu setzen. Eine attraktive Dividendenrendite von 3,3% gibt es obendrauf.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.