Xerox-Aktie von Aussicht auf Verkaufsprozess unbeeindruckt

Finanzinvestor Deason will nach dem geplatzten Zusammenschluss mit Fujifilm eine Xerox-Auktion. Doch ob die erfolgreich verlaufen wird ist fraglich. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Gestern hatte Ihnen der Übernahme-Sensor davon berichtet, dass der Schulterschluss zwischen den beiden angeschlagenen Kopierer-Herstellern Xerox und Fujifilm geplatzt ist.

Der umtriebige Aktivist Carl Icahn und der Aktivist Darwin Deason hatten sich seit Unterzeichnung der Fusionsvereinbarung offen gegen den Deal gestellt. Auf Druck der beiden Finanzinvestoren sah sich Xerox dann gezwungen, die Vereinbarung aufzukündigen.

Fujifilm-Investoren weinen geplatztem Deal nicht hinterher

An der Börse fand der geplatzte Deal ein geteiltes Echo. Die Xerox-Aktie geriet trotz eines festeren Marktumfelds unter Druck und büßte bis zum gestrigen Handelsschluss 4,3% an Wert ein.

Heute folgten kleinere Anschlussverluste. Im Nachmittagshandel an der Wall Street kostete die Aktie 28,65 Dollar und lag damit gut 10% unter dem Kurs kurz vor Bekanntgabe der Pläne.

Die Fujifilm-Aktie verlor zwar auch (1,3%), doch hatte sich das Papier bereits in Erwartung eines Deal-Aus verteuert und liegt auf Wochensicht noch immer über 4% im Plus.

Obwohl Analysten zufolge der Zusammenschluss für Fujifilm durchaus positiv gewesen wäre, verlor die Aktie. Dies zeigt, dass Investoren nicht vom Mehrwert der Transaktion überzeugt waren und lieber den bestehenden Fujifilm-Restrukturierungsweg gehen möchten.

Markt hat Skepsis über gewinnbringenden Verkaufsprozess

Was ein wenig verwundert, ist, dass die Xerox-Aktie heute weiter verliert, obwohl der Aktivist Darwin Deason einen Verkaufsprozess in Aussicht gestellt hat. Normalerweise werden bei Unternehmensauktionen die maximal am Markt erzielbaren Preise erzielt.

In diesem Fall könnte der gefallene Aktienkurs zwei Sachen bedeuten:

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  1. Anleger sind nicht davon überzeugt, dass im Zuge des Verkaufsprozesses ein Preis erzielt wird, der nennenswert über dem aktuellen Börsenpreis liegt.
  2. Anleger sehen ein großes Risiko, dass trotz der Auktion keine Transaktion zustande kommt.

Deason bevorzugt weiterhin Fujifilm als Xerox-Partner

Deason erklärte in einem Interview mit BloombergTV, dass der von den beiden Aktivisten an die Unternehmensspitze beförderte Manager John Visentin bereits die Vorbereitungen für einen Verkaufsprozess getroffen hat und mit mehreren Finanzinvestoren gesprochen werde. Damit soll sicher gestellt werden, dass jeder Interessent Xerox genau prüfen kann.

Auch Fujifilm wird zu dem Verkaufsprozess eingeladen. Ein Deal mit den Japanern zu verbesserten Konditionen ist dabei das beste Szenario.

Fujifilm- und Xerox-Aktie derzeit kein Kauf

Ob der Verkaufsprozess zu einem für die Investoren zufriedenstellenden Ergebnis führt, der dann eine Übernahme nach sich zieht, ist fraglich. Die Marktreaktion zeigt Ihnen, dass die Skepsis über einen erfolgreichen Verkauf überwiegt.

Besonders fraglich ist dabei, ob Fujifilm doch noch zum Zug kommt.  Die finanziellen Mittel sind begrenzt und eine Angebotsverbesserung wurde nach dem Deal-Aus schnell ausgeschlossen. Eine Sprecherin ließ wissen, dass man nicht um jeden Preis eine Transaktion wolle.

Es kommt zwar hin und wieder vor, dass sich Übernahme-Kandidat und Bieter dann dennoch auf einen Deal zu einem höheren Preis einigen, doch in diesem Fall dürfte die Chance dafür gering sein.

Fujifilms Strategie zielt darauf ab, in wachstumsstärkeren Bereichen Fuß zu fassen. Jetzt doch noch in das Kopierer und Druckergeschäft zu investieren wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vielen Investoren nicht schmecken, da die grundsätzliche Problematik bestehen bleibt.

Privatinvestoren sollten bei beiden Aktien an der Seitenlinie bleiben.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.