Xerox: Amerikanischer Druckerhersteller sichert sich Finanzierung für milliardenschweren Zukauf

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Xerox und HP: Der Übernahmekrimi geht in die nächste Runde. Eine weitere Hürde auf dem Weg zur Übernahme von HP ist jetzt genommen. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Der Übernahmekrimi um HP geht in die nächste Runde. Gerade hat der amerikanische Druckerhersteller Xerox verbindliche Finanzierungszusagen von insgesamt 24 Milliarden Dollar in trockene Tücher gebracht und damit eine weitere Hürde auf dem Weg zur Übernahme von HP genommen. Doch damit ist der Deal noch lange nicht durch: Auch wenn das nötige Kleingeld jetzt am Start ist, der Widerstand bei HP ist damit immer noch nicht gebrochen.

Zusammenschluss soll hohe Synergien erzielen

Ein Zusammenschluss soll den Unternehmen, die mit dem Wandel der Branche ringen, frischen Schwung verleihen. Zudem wären in überlappenden Bereichen wohl deutliche Einsparungen möglich. Insidern zufolge planen beide Firmen mit Kosteneinsparungen von 2 Milliarden Dollar, die durch die Zusammenlegung erzielt werden sollen.

Die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sind vielfältig: So könnte HP schnell die Vertriebslücke von Xerox im asiatisch-pazifischen Raum stopfen, die durch den Verkauf des Joint Ventures entsteht. HP hat bereits zahlreiche Kooperationen und Niederlassungen in China und ist dort gut aufgestellt. Zum anderen könnte für Xerox auch der lukrative Markt mit 3 D-Druck für Industriekunden interessant sein, in dem sich HP, nicht zuletzt durch zahlreiche Übernahmen, positioniert hat.

Banken sichern Finanzierung zu

Nun hat sich Xerox die Finanzierung für den Megadeal gesichert. Die Citigroup, die Mizuho Financial Group sowie die Bank of America haben verbindliche Finanzierungszusagen in der Höhe von insgesamt 24 Milliarden Dollar erteilt.

Einer der treibenden Kräfte hinter der Fusion ist übrigens der aktivistische Investor Carl Icahn, der an beiden Unternehmen beteiligt ist. Er besitzt 10,6% der Aktien von Xerox und 4,24% der Papiere von HP.

HP bemängelt Offerte

Mit der Finanzierungszusage geht Xerox-Boss John Visentin in die Offensive: In einem offenen Brief schlägt Visentin ein persönliches Treffen – mit oder ohne Teilnahme der Berater von HP – vor, um mit den Verhandlungen über die Transaktion zu beginnen. Der Verwaltungsrat von HP hatte das erste Übernahmeangebot von Xerox, das im November vorgelegt wurde, als zu niedrig eingestuft. Darüber hinaus berge eine mögliche Übernahme durch Xerox verschiedene Unsicherheiten, unter anderem hinsichtlich der möglichen übermäßigen Schuldenbelastung der Aktien eines fusionierten Konzerns sowie hinsichtlich der Geschäftsentwicklung von Xerox.

Kurz zum Hintergrund: Xerox hatte eine Offerte über 22 Dollar pro HP-Aktie auf den Tisch gelegt. Dabei sollten 77% des Kaufpreises bar fließen und der Rest in Xerox-Aktien beglichen werden. Mit einem Marktwert von 30 Milliarden Dollar ist HP deutlich größer als Xerox (7,8 Milliarden Dollar).

Feindliche Übernahme die logische Alternative

Nach dem abgelehnten Angebot kündigte Xerox an, das Kaufangebot direkt an die HP-Aktionäre zu richten und damit einen feindlichen Übernahmeversuch zu starten. Mit seinen Argumenten brachte es der Konzern auf den Punkt: Der höhere Cash Flow eines Gemeinschaftsunternehmens aus HP und Xerox soll nicht nur helfen, Schulden zu tilgen, sondern auch mehr Kapital an Aktionäre auszuschütten und mehr Geld für Investitionen bereitzustellen.

Außerdem sei Xerox in der Lage, Lücken in HPs Portfolio zu schließen mit Managed Services und bestimmte Office-Drucker. Beide Unternehmen erhielten so Zugriff auf einen größeren ansprechbaren Markt.

Fazit: Mit der gesicherten Finanzierung hat Xerox einen großen Stolperstein für eine Übernahme aus dem Weg geräumt. Ob sich die HP-Führung damit zu Gesprächen animieren lässt, ist allerdings fraglich. Von der industriellen Logik her dürfte ein Deal durchaus Sinn machen, aber am Ende werden die Aktionäre entscheiden, ob die vorgelegte Offerte hoch genug ist, um die Transaktion ins Rollen zu bringen.

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Xerox bläst Übernahme von HP abXerox hat sein feindliches Übernahmeangebot an die HP-Aktionäre zurückgezogen. Als Grund für den Rückzieher nannte Xerox die Corona-Krise. › mehr lesen


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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