Xerox bläst Übernahme von HP ab

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Xerox hat sein feindliches Übernahmeangebot an die HP-Aktionäre zurückgezogen. Als Grund für den Rückzieher nannte Xerox die Corona-Krise. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

In der letzten Woche habe ich Ihnen ja bereits berichtet, dass die M&A-Aktivitäten aufgrund der Corona-Krise im ersten Quartal 2020 um ein gutes Viertel eingebrochen sind. Heute kann ich Ihnen auch ein konkretes Beispiel hierfür nennen: Xerox hat in der letzten Woche bekannt gegeben, dass es seine Pläne, den wesentlich größeren HP-Konzern zu übernehmen, ad acta gelegt hat.

Verzicht wegen COVID-19

In einer Pressemitteilung erklärte Xerox: „Die aktuelle globale Gesundheitskrise und die daraus resultierenden Marktturbulenzen, die durch COVID-19 verursacht wurden, haben ein Umfeld geschaffen, das nicht dazu beiträgt, dass Xerox weiterhin eine Übernahme von HP Inc. verfolgt.“

„Dementsprechend ziehen wir unser Übernahmeangebot für HP zurück und werden nicht mehr versuchen, unsere Liste hoch qualifizierter Kandidaten für den HP-Verwaltungsrat zu nominieren.“

Xerox weiterhin vom Übernahmevorhaben überzeugt

In seiner Mitteilung macht Xerox deutlich, dass das Unternehmen auch weiterhin von den Vorteilen einer Fusion überzeugt sei. Die Kombination von Xerox und HP hätte überzeugende langfristige finanzielle und strategische Vorteile geboten, so der Drucker- und Kopiererhersteller aus Norfolk/Connecticut.

Vorwürfe an HP-Vorstand

Die vorteilhafte Kombination beider Unternehmen und das Übernahmeangebot sei vom HP-Vorstand zunächst ignoriert und systematisch verzögert worden, so Xerox. Damit habe der HP-Vorstand seinen Aktionären einen Bärendienst erwiesen.

Laut Xerox hätten viele HP-Aktionäre ein großes Interesse an einer möglichen Fusion beider Unternehmen gezeigt. Kein Wunder, denn das feindliche Xerox-Angebot beinhaltete – wie ich Ihnen ja vor einem Monat berichtet habe – eine lukrative Übernahmeprämie von +41%. Die notwendige Finanzierung des Megadeals hatte Xerox bereits durch Zusagen diverser internationalen Großbanken abgesichert.

Dank für Unterstützung

Um die Übernahme durchzudrücken, hatte Xerox angekündigt, auf der nächsten HP-Hauptversammlung eigene Kandidaten für die Wahl des neuen HP-Vorstandes vorzuschlagen. Hier hatte Xerox bereits die Zusage einer Reihe kompetenter Kandidaten bekommen. Bei diesen Personen bedankte sich Xerox in seiner Presseerklärung ausdrücklich.

Zusätzlich sprach das Unternehmen auch „den Banken, die sich zur Finanzierung dieser Übernahme bereit erklärt haben und selbst während der durch COVID-19 verursachten Marktturbulenzen nie von in ihren Verpflichtungen nachgegeben haben“ seinen Dank aus.

Postwendende Antwort von HP

Nachdem Xerox sein feindliches Übernahmeangebot zurückgezogen hatte, kam postwendend eine Antwort aus Palo Alto/Kalifornien. Darin erklärte HP sehr neutral, dass das Unternehmen weiterhin fest entschlossen sei, den Wert für die eigenen Aktionäre zu steigern.

HP sei ein starkes Unternehmen mit marktführenden Positionen in den Bereichen PC-Systeme, Druck sowie 3D-Druck und digitale Fertigung. Das Unternehmen verfüge über eine gesunde Cash-Position und Bilanz, die es HP ermöglichen, unvorhergesehene Herausforderungen wie die globale Pandemie zu meistern und gleichzeitig strategische Optionen für die Zukunft zu bewahren.

Markt reagiert enttäuscht

Nachdem Xerox den Rückzug vom HP-Übernahmeangebot am 31.03.2020 bekannt gegeben hatte, brachen die Kurse beider Unternehmen ein. HP-Aktien verloren am Mittwoch satte -14,6% und lagen bei Börsenschluss nur noch bei 14,86 US-Dollar (USD).

Damit lag der Kursverlust bei HP deutlich über den Verlusten des US-Vergleichsindex S&P 500, der an diesem Tag „nur“ um -4,7% nachgab. Auch in den Folgetagen konnte sich der Kurs der HP-Papiere nicht erholen. Viele Aktionäre hatten wohl auf das 24-USD-Übernahmeangebot spekuliert und die Papiere nach dem Platzen der Übernahmeofferte wieder abgestoßen.

Aber auch der Kurs der Xerox-Aktie musste deutlich Federn lassen. Er fiel am 1. April um -7,1% und lag bei Börsenschluss bei 17,60 USD. Die Xerox-Papiere konnten sich in den Folgetagen ebenfalls nicht erholen.

So kann es weitergehen

Ob Xerox nach Auslaufen der Corona-Krise einen zweiten Übernahmeversuch starten wird, ist eher unwahrscheinlich. Übernahmen zwischen produzierenden Unternahmen werden in den nächsten Wochen und Monaten tendenziell zurückgehen, da diese Unternehmen durch Produktionsausfälle geschwächt sind.

Allerdings gibt es auf dem Übernahmemarkt ja noch andere Player. Investmentfonds und aktivistische Investoren sitzen mit ihrem Kapital schon in den Startlöchern und werden sicherlich in naher Zukunft noch so einige spektakuläre Übernahmedeals realisieren. Denn durch den weltweiten Kursverfall sind viele Unternehmen sehr günstig am Markt zu haben.

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Xerox: Feindliches Übernahmeangebot für HPXerox hat gestern ein feindliches Übernahmeangebot veröffentlicht. Insgesamt sollen HP-Anteilseigner 24 US-Dollar pro Aktie erhalten. › mehr lesen


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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