Xerox: Feindliches Übernahmeangebot für HP

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Xerox hat gestern ein feindliches Übernahmeangebot veröffentlicht. Insgesamt sollen HP-Anteilseigner 24 US-Dollar pro Aktie erhalten. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Der Übernahmekampf zwischen den US-Druckerherstellern Xerox und HP hat die nächste Eskalationsstufe erreicht: Gestern hat der wesentlich kleinere Wettstreiter Xerox den HP-Aktionären ein offizielles feindliches Übernahmeangebot unterbreitet. Xerox bietet den HP-Aktionären darin insgesamt 24 US-Dollar (USD) für jede HP-Aktie an.

Kombiniertes Angebot

Allerdings erhalten die HP-Anteilseigner für Ihre Aktien nicht die kompletten 24 USD in bar, sondern bekommen 18,40 USD in Cash und zusätzlich 0,149 Xerox-Anteile. Dieses Angebot entspricht zu 100 Prozent der bereits am 10.02.2020 von Xerox in einer Vorankündigung genannten Offerte.

John Visentin, stellvertretender Vorsitzender und CEO von Xerox macht den HP-Aktionären das Angebot wie folgt schmackhaft: „Die Aktionäre von HP werden 27 Milliarden Dollar in Form von sofortiger Barzahlung erhalten, während sie gleichzeitig durch die Beteiligung an dem neuen, fusionierten Unternehmen […] ein signifikantes, langfristiges Plus erhalten.“

Übernahmeprämie von 41 Prozent

Unter dem Strich bewertet dieses Angebot den HP-Konzern mit 35 Mrd. USD. Das neue Angebot beinhaltet laut Xerox eine Übernahmeprämie von stolzen +41% im Vergleich zum volumengewichteten durchschnittlichen 30-Tage-Kurs der HP-Papiere in Höhe von 17 USD.

Finanzierung ausgeweitet

Um die Übernahme des wesentlich größeren Mitbewerbers finanzieren zu können, hatte Xerox sich bereits vor einigen Wochen Finanzierungszusagen der Citigroup, der japanischen Mizuho Financial Group und der Bank of America in Höhe von 24 Mrd. USD gesichert.

In seiner gestern verkündeten Offerte teilte Xerox mit, dass es noch weitere Finanziers mit ins Boot geholt hat, um die Übernahme stemmen zu können. Darunter befinden sich die größte japanische Bank MFUG, die US-amerikanischen Finanziers PNC-Bank, Truist und SunTrust Robinson Humphrey Inc. sowie die französische Credit Agricole. Zuvor hatte HP dem kleineren Mitbewerber vorgeworfen, dass er die Übernahme nicht finanzieren könnte.

Börsen reagieren positiv

Bei den Investoren kam das Übernahmeangebot gut an. So stieg der Kurs der HP-Papiere gestern an der NASDAQ um 1,07 USD auf 21,86 USD. Das macht unter dem Strich einen Anstieg um gute +5,15% aus. Auch die Xerox-Aktie konnte zulegen und stieg im gestrigen Handel auf 33,51 USD, was einen Anstieg von +4,07% bedeutete.

Allerdings muss man bei diesen positiven Tendenzen auch berücksichtigen, dass sich die US-Kurse gestern insgesamt positiv entwickelten und sich somit vom Corona-Crash wieder etwas erholen konnten. So stieg der Vergleichsindex der 500 größten US-Unternehmen, der S&P 500, gestern ebenfalls um +4,6% an.

Druckergeschäft rückläufig

Insgesamt ist der Markt für Drucker schwierig. Das zeigen auch die in der letzten Woche veröffentlichten Umsatzzahlen von HP. In den drei Monaten bis Ende Januar sank der Umsatz im Vergleich zu den Vorjahreswerten um -0,6% auf 14,6 Mrd. USD. Der Quartalsgewinn fiel im Vergleichszeitraum sogar um -18,4% auf nur noch 678 Mio. USD.

Nach Bekanntwerden des Gewinneinbruchs erklärte das HP-Management, Gespräche mit Xerox aufnehmen zu wollen. Gleichzeitig gab das Unternehmen aber auch bekannt, dass es sein Aktienrückkaufprogramm – mit dem es eine drohende Übernahme durch Xerox erschweren will – auf insgesamt 15 Mrd. USD verdreifachen werde. Darauf hat Xerox gestern, wie bereits vor drei Wochen angekündigt, mit einem feindlichen Übernahmeangebot reagiert.

Wie es weiter geht

Das Angebot an die HP-Aktionäre ist zunächst bis zum 21. April 2020 gültig und kann eventuell noch verlängert werden. Stimmen bis dahin mehr als 50% der HP-Aktionäre dem Angebot zu und dienen Xerox ihre Anteile an, wird die wesentlich kleinere Xerox Holdings Corp. die große HP Inc. übernehmen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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