Xerox und HP: Übernahmekrimi der Druck-Giganten geht in die nächste Runde

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Xerox und HP: Der Übernahmekrimi der Druck-Giganten geht in die nächste Runde. Xerox schaltet nach Absage beim Verwaltungsrat in den Angriffsmodus und will Einblick in die Bücher erzwingen (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Der Übernahmekrimi zwischen den beiden US-Hardware-Giganten HP (ehemals Hewlett-Packard Company) und Xerox ist noch lange nicht zu Ende. Nachdem HP die Offerte des deutlich kleineren Rivalen abgelehnt und mit einem Gegenangebot gedroht hat, schaltet nun das Xerox Management auf Angriff.

Kurz zum Hintergrund: Anfang November hatte Xerox eine Offerte über 22 Dollar je HP-Aktie schlucken zu wollen. Der Preis sollte sich zu 77% aus Bargeld und 23% aus Xerox-Aktien zusammensetzen. Umgerechnet also etwas 17 Dollar Plus 0,137 Xerox-Aktien. Allerdings war der Konzern mit seinem Angebot beim Verwaltungsrat abgeblitzt und dem Bieter wurde der Einblick in die Bücher verwehrt.

Xerox schaltet in den Angriffsmodus

HP hatte die Offerte 33 Milliarden Dollar schwere Offerte von Xerox als zu niedrig und nicht im besten Interesse der HP-Aktionäre abgelehnt. Doch so einfach lässt sich Xerox nicht abschütteln. Ganz im Gegenteil: Der Bieter will jetzt die HP-Aktionäre mit seinem feindlichen Übernahmeangebot direkt ansprechen und die Übernahme mit allen Mitteln durchsetzen.

Mit dieser Maßnahme will sich Xerox über den Segen der Anleger den Zugang zu den HP-Büchern erzwingen. Für Sie zum Hintergrund: Der Bieter ist verpflichtet, im Zuge einer geplanten Übernahme eine detaillierte Due Diligence des Objekts der Begierde durchzuführen. Da der HP-Verwaltungsrat bislang einen einvernehmliche Due Diligence verweigert, erhöht Xerox nun den Druck über die direkte Ansprache der breiten Aktionärsbasis.

Signifikante Synergien erwartet

Ein Zusammenschluss könnte den Unternehmen, die mit dem Wandel der Branche ringen, frischen Schwung verleihen. Zudem wären in überlappenden Bereichen wohl deutliche Einsparungen möglich. Insidern zufolge planen beide Firmen mit Kosteneinsparungen von 2 Milliarden Dollar, die durch die Zusammenlegung erzielt werden sollen.

Die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sind vielfältig: So könnte HP schnell die Vertriebslücke von Xerox im asiatisch-pazifischen Raum stopfen, die durch den Verkauf des Joint Ventures entsteht. HP hat bereits zahlreiche Kooperationen und Niederlassungen in China und ist dort gut aufgestellt. Zum anderen könnte für Xerox auch der lukrative Markt mit 3 Druck für Industriekunden interessant sein, in dem sich HP, nicht zuletzt durch zahlreiche Übernahmen, positioniert hat.

HP profitiert von höheren PC-Verkaufszahlen

Zuletzt konnte HP Dank steigender PC-Verkaufszahlen steigende Umsätze verzeichnen. Der Gesamtumsatz stieg geringfügig auf 15,41 Milliarden Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten von 15,25 Milliarden Dollar. Den Anstieg erreichte der weltgrößte Computerhersteller vorwiegend mit dem Verkauf von Notebooks und Laptops. In der Sparte konnte HP im vierten Quartal den Umsatz um 3,6% auf 10,43 Milliarden steigern.

Schwächen im Druckergeschäft belasteten aber den Gewinn: Der Umsatz der Druckersparte ging um 6% auf 4,98 Milliarden Dollar zurück. Der Nettogewinn fiel im zurückliegenden Quartal auf 388 Millionen Dollar von 1,45 Milliarden Dollar im Jahresvergleich.

Unterdessen hat HP eine umfassende Umstrukturierung zur Stabilisierung des Unternehmens angekündigt, die bis zum Ende des Geschäftsjahres 2022 zu einem Rückgang der Mitarbeiterzahl um bis zu 16% führen könnte.

Finanzierung unklar – Verschuldung könnte ein Problem werden

Unklar ist allerdings weiterhin, wie der die deutlich kleinere Xerox (Jahresumsatz: 9,83 Milliarden Dollar) den ungleich größeren Rivalen HP (Jahresumsatz: 58,47 Milliarden Dollar) den Deal finanzieren will. Auch wenn der Verkauf eines Anteils an dem Joint Venture mit Fujifilm 2,3 Milliarden Dollar in die Kassen spült, klafft eine deutliche Lücke zum Kaufpreis, die mutmaßlich über Kredite überbrückt werden muss.

Der HP-Aktienkurs reagierte auf den erneuten Vorstoß kaum und notierte gestern nahezu unverändert. Jetzt bleibt abzuwarten, wie das HP-Management reagiert. Der Schlagabtausch dürfte aber bald in die nächste Runde gehen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.