Xing-Aktie: Vorstand nimmt fette Gewinne mit

Sie alle kennen Xing. Das Unternehmen hat sich mit seiner auf Geschäftskontakte spezialisierten Plattform Xing.com im deutschsprachigen Raum als klarer Marktführer etabliert.

Mitglieder können kostenfrei auf der Plattform ihr Profil einstellen, sich mit anderen Mitgliedern vernetzen, Nachrichten schreiben, sich Gruppen anschließen und Veranstaltungen einsehen.

Die Strategie zielt darauf ab, über die Basismitgliedschaft eine möglichst hohe Internet-Reichweite zu erlangen und Basismitglieder zu Abonnenten zu konvertieren. Damit lassen sich wunderbar wiederkehrende Erlöse erwirtschaften. Mittlerweile zählt Xing mehr als 8,3 Mio. Mitgliedschaften und rd. 855 Tsd. zahlende Abonnenten.

Das transparente und skalierbare Geschäftsmodell hat die Anleger in den vergangenen Jahren begeistert. Seit Jahresbeginn trieben die Investoren die Aktie um über 60% nach oben.

Auf Sicht der letzten 5 Jahre erfreute Xing die Anleger sogar mit über 450% Kursgewinn. Den starken Anstieg hat Vorstand Jens Pape jetzt zum Ausstieg genutzt und einen Teil seiner Aktienbestände versilbert.

Wachstumsbereich „Recruiting“ treibt Xing nach vorne

Mit den vorläufigen Zahlen erfüllte die Gesellschaft die Erwartungen der Analysten. Die Erlöse wurden um 19% auf 99,2 Mio. Euro hochgefahren – die konzernweite EBITDA-Marge lag mit 28,8% auf beeindruckend hohem Niveau.

Hauptreiber im Premium Club, also der kostenpflichtigen Mitgliedschaft, waren Preiserhöhungen und das Abonnentenwachstum. Hier ging es mit dem Umsatz um 12% nach oben. Eine deutlich größere Dynamik zeigte aber der Bereich E-Recruiting mit einem Erlössprung von 39%.

Hier hat sich Xing als Vermittler von Online-Stellenangeboten als Wettbewerber von Monster & Co. in Stellung gebracht. Allerdings mit deutlich günstigeren Preisen. Immerhin erwirtschaftete Xing mit 33 Mio. Euro Umsatz in dem noch jungen Geschäftsbereich bereits 33% der Gesamterlöse des Konzerns.

Bewertung durch Kursanstieg bereits sehr ambitioniert

Die Kursexplosion seit Jahresanfang hat die Bewertung deutlich verteuert. Die Anleger bewerten Xing derzeit mit knapp 900 Mio. Euro an der Börse. Das entspricht fast dem 8-Fachen der erwarteten Umsätze für 2015.

Auch der Blick auf die erwarteten Gewinne bestätigt den Eindruck. Das viel beachtete Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit 52 für 2015 mittlerweile ziemlich knackig.

Vorstand versilbert Aktienpaket

Den starken Kurszuwachs nutzte Vorstand Jens Pape, um sich von einem Aktienpaket im Gegenwert von gut 1,86 Mio. Euro zu trennen. Insgesamt verkauft Pape 11.702 Aktien zum Durchschnittskurs von 159 Euro.

Die Aktien stammen aus einem Aktienoptionsplan aus 2010. Damit nutzte der Vorstand den frühestmöglichen Zeitpunkt zum Verkauf. Denn die damals zugeteilten Optionen, die zum vergünstigten Erwerb von Aktien berechtigten, konnten erstmals Ende März 2015 ausgeübt werden.

Mit dem Verkauf hat sich Pape von knapp 30% seines Bestands getrennt.

Xing muss jetzt liefern

Der Konzern ist ohne Frage hervorragend positioniert. Die robuste Mitgliederbasis schafft hohe Eintrittsbarrieren. Mehr als 10% der Mitglieder nutzt den kostenpflichtigen Xing-Zugang. Der Anteil wiederkehrender Erlöse ist daher mit 57% dementsprechend hoch. Auch der Fokus auf den schnell wachsenden Online-Stellenmarkt macht durchaus Sinn.

Dennoch scheint nach dem massiven Kurssprung die Luft dünn zu werden. Die hohe Bewertung und der Verkauf des Vorstands könnten eine Konsolidierungsphase der Aktie einläuten.

15. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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